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Happy Mother’s Day.

Mai 9, 2010

Die Heimsuchung traf mich schon am frühen Morgen per e-mail.

You are the greatest mum i have ever seen in the world.

Nun, da Roses Welt sich bisher auf Kenia beschränkt, kann sie mich auch mal mit einer Mutter verwechseln. Vielleicht sollte ich aber besser mein Portemonnaie festhalten. Da steckt doch was dahinter, oder?

Was sollte ich aber vom folgenden halten?

Without you I believe I would not be whom I am or where I am mum. Congratulations.

Wem gratuliert dieser Junge jetzt, mir oder sich? Bis ich merkte, daß ich auf cc war. Da wurden gleich mehrere mums auf einmal erschlagen. Bravo. Gute Manieren hat er wenigstens, wenn auch noch immer keinen Job nach seinem Collegeabschluss im letzten Dezember.

In diesem Stil ging es den heutigen Tag über weiter. Ich hatte an diesen dusseligen Tag überhaupt nicht gedacht, sonst hätte ich die Grußadressen im Vorfeld unterbunden. So darf ich mich auch noch dafür bedanken.

Eine grosse Freude, frei von jeglichem mütterlichen Stolz, bereitete allerdings mir eine Nachricht, die ich dieser Tage erhielt. Ein von mir unterstützter Student hat den ersten Schritt ins Kenya Accounting College geschafft. Seinen Bridging Kurs in Mathematik bestand er mit Bravour und 4 A’s und 1 B. Nach ein paar vorbereitenden accounting packages kann er im Juli mit dem Studium beginnen und wird es (hoffentlich) schaffen, es in etwa der halben Regelzeit durchzuziehen.

Keine Freude habe ich gerade mit einem weiteren Jugendlichen, dem ich nach Jahren, in denen ich ihn im Rahmen des Boy House unterstützte, im Herbst ein Teilstipendium für seine Collegeausbildung zusagte. Nachdem ich während meines Besuches im Dezember alles in die Wege leitete, die Grundausstattung des Zimmers für die beiden Neuen finanzierte und wir den Rahmen der monatlichen Lebenshaltungskosten festlegten, begann der Junge sein Studium der Anlagentechnik am Polytechnikum in Nairobi. Zu meiner Überraschung erhielt ich nach ein paar Wochen den Hinweis, daß eben dieser junge Mann auf der Webseite einer deutschen Organisation als Student der Elektrotechnik gelistet sei. Das war mir nun doch etwas zu viel des Guten.

Nachdem ich Aufklärung der Angelegenheit verlangte, stellte sich heraus, daß diese Organisation, die offenbar nach dem Gießkannenprinzip mildtätige Spenden an ach so arme kenianische Jugendliche verteilt, dem Studenten ein sog. „Taschengeld“ von 25 Euro pro Monat zugesagt hatte, was natürlich aus der Veröffentlichung nicht hervorging. Dort wurde der Eindruck erweckt, als finanziere man das Studium der Elektrotechnik. Da keiner meiner Studenten über ein Taschengeld in dieser Höhe verfügt – was von der Höhe her auch absolut unangemessen ist -, empfahl ich meinem Schützling, sich doch an diese Organisation zur Finanzierung seines Studiums zu wenden, da sich deren Förderungsverhalten mit meinen Vorstellungen eines geordneten Studienablaufes nicht decke.

Die Planung für das vierjährige Studium war im vorliegenden Fall derart, daß die frühere Schulpatin des Studenten sich bereit erklärt hatte, für die Collegegebühren aufzukommen während ich die Unterbringung und die Unterhaltskosten übernehmen wollte. Eine ideale Konstellation, wie mir schien. Die Einbringung eines weiteren Sponsors begrüße ich zwar grundsätzlich, möchte aber die Gleichbehandlung der von mir geförderten Studenten gewahrt wissen. So geht es nicht an, daß in einer von mir finanzierten Wohngemeinschaft ein Student über 25 Euro monatliches Taschengeld für eigene Bedürfnisse verfügt, das nicht in die gemeinschaftliche Kasse und das Gesamtbudget der WG einfliesst. Meinen Verdacht, aus weiteren Quellen Unterstützung zu beziehen, konnte der Junge bisher nicht ausräumen. Ich habe keine Lust, meine Lebenszeit mit Ärger und Mißtrauen darüber zu verschwenden, daß jemand mich möglicherweise hintergeht. Dazu muß ich zu hart arbeiten, das Geld für unser aller Leben heranzuschaffen.

Natürlich ist mir klar, daß die familiären und gesellschaftlichen Strukturen in Afrika sich von den hiesigen unterscheiden, daß jemand, der über ein geregeltes Einkommen verfügt, ganz selbstverständlich die Bedürftigen in der Familie und dem Umfeld mitversorgt. So halten und hielten es Rose und Dan, die sich eine kleine Unterstützung für die Familie vom Mund absparen. Insofern ist es nur allzu verständlich, daß ein junger Mann versucht, alle Geldquellen auszuschöpfen, die sich ihm anbieten. Allerdings will sich auch der ausländische Sponsor gut fühlen, in diesem Fall ich, und nicht als cash cow mißbraucht. Dies als Einschub.

Nachdem ich dem Jungen die Einstellung meiner Unterstützung mitgeteilt hatte, verschwand sein Bild auf wundersame Weise von der Webseite der hirnlosen Organisation und die Taschengeldzahlung wurde eingestellt. Inzwischen lebt er noch immer in „meiner“ Wohnung und ich vermute, daß ihn sein Zimmerkamerad von dem knapp bemessenen Unterhaltgeld mit durchfüttert. Ich habe zwar meine Entscheidung inzwischen mehrfach beleuchtet, konnte mich jedoch zur Rücknahme bisher nicht entschließen. Die herzzerreißenden Muttertagsgrüße des Jungen, die ich natürlich nicht öffentlich mache, werden mich die Sache nochmals überdenken lassen. Zwei Chancen hat er indes bereits vertan.

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