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DOB 1. Ring-Zyklus: Götterdämmerung

April 26, 2010

Vollkommen perplex war ich, als nach dem ersten Aufzug sich Hände zum Beifall regten und auch die notorischen Bravo-Schreier sich zu Wort meldeten. Das zugegebenermaßen beeindruckende Vorspiel mit gut singenden Nornen mündete in eine Art Ring-Hoagascht; jede(r) durfte mal und keiner konnte (oder mochte) richtig. Nachdem ich einen meiner bevorzugten Bässe nur mit Mühe im düsteren Bühnenbild, das aber vor allem schlecht beleuchtet war, ausmachen konnte, – zu hören war von ihm so gut wie nichts, nachdem die offenbar hochschwangere Gutrune sich nur mit Mühe zu bewegen vermochte, nachdem ich beschlossen hatte, Siegfried zu ignorieren, um mir den Abend nicht vollends zu verderben, nachdem selbst Brünnhilden recht schrill gegen die Hörner ansang, nachdem ich mich an den Lärm gewöhnt hatte, schlief ich eine Runde. Ab und zu sah ich aus den Augenwinkeln Daumen, Zeige- und Mittelfinger beider Hände meines italienischen Nachbarn in der typischen Art der Italiener nach oben zucken. Sollte er sich doch aufregen. Ich dämmerte dahin. Zwei Stunden können lang sein.
Es war Götterdämmerung, erster Aufzug. Eine Zumutung.

Zum Glück fand Hagen (Matti Salminen) nach der Pause Teile seiner Stimme wieder. Gutrune war nicht schwanger sondern beleibt, wie ich in der Pause hörte, sang aber vorzüglich (Heidi Melton). Eine solide Leistung bot Markus Brück auch schon im ersten Aufzug als Gunther. Alfons Eberz als Siegfried gewann im Verlauf des Abends weder den Kampf um den richtigen Ton noch um den passenden Konsonanten, gab aber nicht auf. Nur die wackere Brünnhilde, vom Dirigenten zu Anfang vielfach zu schrillem Geschrei verleitet, betörte durch tolles Spiel und im dritten Aufzug auch durch Musikalität und berührenden Wagner-Gesang. Dafür erhielt Evelyn Herlitzius verdienten, orkanartigen Beifall.
Was gar nichts heisst, denn ähnlich heftigen Beifall erhielten die übrigen Mitwirkenden ebenfalls. Das internationale Berliner Publikum machte da keine großen Unterschiede. Herr Salminen gar wusste nicht wie ihm geschah ob der heftigen Akklamation.

Warum Runnicles das Orchester zum Schlussapplaus auf die Bühne holte, weiss nur er alleine. Vielleicht eine psychologische Massnahme. Das Orchester war in der Götterdämmerung an manchen Positionen durch Mitglieder der Berliner Philharmoniker verstärkt, wie ich hörte. Eine Schwalbe macht aber noch keinen Sommer, und ein überstandener Ring heisst noch lange nicht, daß er auch gut war. Das gilt für Dirigent wie für Orchester nach meiner unmaßgeblichen Meinung. Es gab in dieser Götterdämmerung allerdings rein orchestrale Passagen, die vom Klangbild sehr schön und fehlerfrei gelangen. Die homogene, zielgerichtete Interpretation fehlte dagegen völlig.

Mir steht dann am Mittwoch das Rheingold des 2. Ring-Zyklus bevor, den ich umgetauscht hatte. Die in der Götterdämmerung gehörten Rheintöchter hörten sich jedenfalls nicht schlecht an. Und ansonsten kann es eigentlich bei Ring II nur besser werden.

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