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Gärtnerplatztheater: I Masnadieri

April 11, 2010

Man kann schon sagen, daß ein glücklicher Zufall mich ins Staatstheater am Gärtnerplatz“ zur Aufführung von Verdis „I Masnadieri“ führte. Mit Schillers Räubern hat sich wohl jeder in der Schule herumschlagen müssen, und bei wem es lange her ist (wie bei mir), der kann sich mit Verdis und seines Librettisten Maffei vereinfachter Nachdichtung sicher anfreunden, wo es doch in italienischer Oper eh mehr um die Phrasierung denn um den Inhalt der Phrasen geht.

Uraufgeführt 1847 in London, werden I Masnadieri zu Verdis Frühwerk gezählt (zeitlich zwischen Attila/Macbeth und Il Corsaro/Luisa Miller angesiedelt). Sie sind die erste von drei Schiller-Vertonungen, dessen Werke Verdi wohl auch wegen ihres politischen Inhalts anzogen, wenn auch im Opernlibretto von Sturm und Drang nicht mehr viel zu entdecken ist.

I Masnadieri ist als traditionelle Nummernoper angelegt; Auftrittsarien, Soli und Ensembles sind eingebettet in grosse Chorszenen. Die musikalische Ausstattung der Rolle der Amalia weist auf die spätere Gilda, und manche Passagen in der Rolle des Francesco lassen bereits Jago erahnen.

Die vor zwei Jahren am Gärtnerplatz herausgebrachte Inszenierung von Thomas Wünsch spielt in einer nahen Zukunft an einem unbestimmten Ort, die zerbrochene Freiheitsstatue im Hintergrund legt eine vorhergegangene Katastrophe nahe. In diesem Gelände bewegen sich die als Terroristen dargestellten Räuber.

Musikalisch kamen die Besucher im ausverkauften Theater voll auf ihre Kosten. Unter der souveränen Leitung des 1. Kapellmeisters Henrik Nánási entfaltete das Orchester opulenten Verdi-Klang. Überrascht war ich von der Klangkultur des grossen Männerchores, dessen Mitglieder auch darstellerisch einiges aufzubieten hatten.

Das aufgebotene Solistenensemble ergänzte den hochklassigen Abend.
Die Rolle des Graf von Moor mit ihrem breiten darstellerischen Spektrum vom herrisch kalten Vater bis zum infantilen Alten erfüllte Johannes Wiedecke mit Bravour. Sandra Moon in der Rolle der Amalia entzündete ein Sopran-Feuerwerk, das in der stretta „Carlo vive“ ihren Höhepunkt erreichte. Buchstäblich aufhorchen liess mich die Stimme des Darstellers des Francesco, Bariton Mikael Babajanyan, der sehr fokussiert den „Bösen“ charakterisierte und über eine bemerkenswert schöne Stimme mit Volumen und Farbe verfügt. Grossen Applaus erhielt Harrie van der Plas für die Darstellung des Carlo, den ich an diesem Abend nicht ganz nachvollziehen konnte, aber vielleicht hatte ich auch etwas an den Ohren.
Verdienten Applaus erhielten auch die übrigen Solisten Adrian Xhema, Holger Ohlmann und Mario Podrečnik, die den Abend abrundeten.

Weitere Aufführungen im Mai 2010. Prädikat empfehlenswert.

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