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26. Dezember – Boxing Day

Februar 16, 2010

Zurück aus dem Dorf planten Rose und ich den zweiten Weihnachtsfeiertag. Ich wollte gerne die fünf Kinder einkleiden wie ich es mit den Spendern vereinbart hatte und für Roses und Dans zuhause lebende Geschwister die nötigsten Dinge besorgen, da die Familie keinerlei Geld-Einkünfte hat. In der Diskussion ergab sich, daß Rose, wenn die Wahl bestünde, zwischen Kleidung und Nahrung wählen zu müssen, für den Einkauf von Nahrungsmitteln plädierte. Das sei im Moment das Wichtigste. Im Falle der armen Familie mit den Kindern entschieden wir uns dann für für beides.

Nach einem vergeblichen Versuch, in der Stadt zwei Schuluniformen zu kaufen (an Boxing-Day sind doch die meisten Geschäfte geschlossen) machten wir uns morgens wieder auf zum Mega-Store zum Einkauf der Kinderkleidung

Die Familie ist gross und jeder sollte etwas bekommen. Kleidung ist zwar billiger als bei uns, aber auch nicht gerade billig. Am schwierigsten war es für die Mädchen, die Auswahl war nach dem Weihnachtsgeschäft nicht mehr allzu gross.

Auch sollte es ein komplettes Kleidungsstück sein, denn so ein Weihnachten würde nicht so schnell wiederkommen. Jedes Kind bekam ausserdem 2 paar Unterhosen (auf die naheliegende Idee wäre ich selbst an diesem Tag nicht gekommen), Roses Erinnerung war daher ganz wichtig. Uniformschuhe für Roses Schwester Janet, die mit uns ihren ersten Stadtbesuch machen durfte und die andere Schwester Sabina, die zuhause bleiben musste und 2 Schulrucksäcke haben wir auch noch gekauft.

Gegen Mittag verliessen wir die Stadt, trafen uns in Maseno kurz mit Margaret, die nach ihrer Heirat mit einem Luhya nun ganz in der Nähe ihr upcountry home hat, und kauften danach im ländlichen Mwangaza General Store noch Lebensmittel für die Familie mit den fünf Kindern ein, nachdem ich mich bei den grosszügigen Spendern rückversichert hatte, dass das Geld so ausgegeben werden kann. Chapati-Mehl, Reis, viel Zucker, Salz, Tee, Omo, Stangen- und Gesichtsseife, Vaseline, Kochfett und Margarine, Kekse und Mangojuice.

50 kg Mais würde der Vater am nächsten Tag am Markt abholen können. Der Mann versucht seine Familie mit der Reparatur von Fahrrädern zu unterhalten, verdient aber damit zu wenig, um die vielen kleinen Kinder durchzubringen. Unser erster Besuch führte uns in die Hütte der Familie. Der Raum war bis auf eine Wassertonne komplett leer, fensterlos, an der Wand lehnte ein altes Fahrrad, kein Stuhl, kein Tisch.

Ungläubig schaute die junge Frau, als Rose, Janet und ich beladen mit Türen und Paketen ankamen und gab uns fast zögernd ein Messer, damit wir die verschnürten Lebensmittel auspacken konnten. Das Gesicht der Frau strahlte, als sie erfuhr, dass sie auch noch 50 kg Mais bekommen würden. Natürlich überwiegt die Freude in solchen Situationen, trotzdem muss man dafür sorgen, dass nicht der Eindruck entsteht, solche grossen Geschenke seien bei mir oder bei uns Europäern alltäglich und selbstverständlich zu erwarten. Ich erzählte der Frau also, dass die Unterstützung ohne die Hilfe der deutschen Freunde nicht möglich gewesen wäre. Sie sollen sich darüber freuen und es als eine Übergangshilfe ansehen.


Natürlich wollten wir sehen, ob die eingekauften Kleidungsstücke passten. Kleine Mädchen wollen natürlich hübsche Kleider, da macht weder die Hautfarbe noch die Klimazone einen Unterschied. Für die Jungs entschieden wir uns angesichts des regnerischen Wetters für diese hübschen Jeansanzüge. Das grössere Mädchen bekam einen Hoody, da wir für sie nichts anderes Passendes auftreiben konnten. Sie ist das Mädchen mit der zerrissenen blauen Strickjacke vom Vortag, und sie war überglücklich mit der schicken Kapuzenjacke.

Kenianische Mädchen werden zum Kirchgang oder wenn Besuch kommt ganz besonders herausgeputzt. Am liebsten sehen sie aus wie Prinzessinnen, mit echten Plastikkleidern und Spitzen. Wir haben mit den hübschen Baumwollkleidchen einen Mittelweg gefunden, glaube ich.




Da die Zeit knapp war, verabschiedeten wir uns bald, um zu Roses Familie zu kommen. Die Familie kam später dorthin nach, um sich nochmals zu bedanken.
Nach einem kargen Mittagessen (es war nur noch weisser Reis und gekochte Erdnüsse übrig) breiteten wir unsere restlichen Einkäufe auf dem Tisch aus und waren gespannt, wie und wem die Sachen passen würden.


Drei Brüder in neuen Anzügen, einer davon könnte zu der vorigen Familie gehören, die nicht ganz vollzählig war. Wobei ich gerade sehe, diese drei Kinder tragen Schuhe, die Kinder der obigen Familie nicht. Ein weiteres Zeichen der grossen Bedürftigkeit.


Diese Familie mit zwei kleinen Buben lebte während der Unruhen nach den Präsidentenwahlen 2007 in Kericho, Zentrum des Teeanbaugebietes und einer der Brennpunkte der Ausschreitungen. Sie verloren alles, ihre Wohnung ist verbrannt. Der Vater verlor die Arbeit. Die letzten eineinhalb Jahre lebten sie in einem Flüchtingslager in der Nähe Kericho ehe sie sich entschlossen, in die Heimat zurückzukehren und dort neu zu beginnen.


Janet und Myryam im Festtagsgewand und neuen Slippers. Janet hatte das grosse Los gezogen, denn ihre Schwester Rose hatte ihr aus Nairobi schon einen Jeansrock und ein T-Shirt mitgebracht, das sie auf dem offenen Markt gekauft hatte. Wie sich später zeigte, war der Jeansrock schon etwas brüchig.


Junior wollte zwar gerne die Klamotten, hatte aber nach wie vor panische Angst, nicht vor dem Fotoapparat, sondern vor mir.


Junior brüllte, sobald ich ihn berührte, ganz im Gegensatz zu dem kleinen Mädchen, das ich nach ein paar Minuten fast nicht mehr los wurde.
Sabinas neue Kleider. Dabei wollte sie nichts lieber als eine komplette Schuluniform, die erste in ihrer Schulkarriere. Sie fragte immer wieder, ob sie ausser den Schuhen, den Socken und dem Rucksack auch wirklich noch den Rest bekommen würde. Die bodenständige vernünftige Sabina, die auf Wunsch aller Geschwister zuhause bleibt und die Mutter unterstützt. Sie geht in form 2 der Secondary School in der Nähe, läuft jeden morgen 1 Stunde hin und spätnachmittags 1 Stunde zurück, morgens ohne Frühstück. Mittagessen gibt es in der Schule. Zuhause gibt es abends oft nichts.

Der Grund dafür, warum bei diesen Familien die Not so gross ist, obwohl auf dem Land doch wenigstens genügend Nahrungsmittel produziert werden können, sieht man auf dem letzten Bild. Trockenheit, ausgelaugter Boden durch andauernde Monokultur Mais, keine Düngemittel, kein gutes Saatgut. Dabei würde die Witterung zwei volle Erntezyklen erlauben. Nachdem es während meines Aufenthaltes gut geregnet hat, wird man die kleine Shamba hinter dem Haus neu bestellen. Ich habe nachgefragt, die Maisernte daraus reicht pro Saison für ca. 4 Wochen. Daneben baut man Erdnüsse, Bohnen, Kürbisse, Sukuma und Tomaten an. Durch die Teilung des Landes im Zuge der Erbfolge ist der verbliebene Acker allerdings viel zu klein, um den täglichen Bedarf zu sichern.

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