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Weihnachten im Supermarkt unterm Äquator

Februar 15, 2010

Nach einer nervenaufreibenden Reise von Nairobi kamen Dan, William, Rose und ich am Spätnachmittag des 24. Dezember endlich in Kisumu an. Da ich aus Sicherheitsgründen dieses Mal nicht im Dorf übernachten sollte, hatte ich mich in Kisumu eingemietet. Rose wollte mit mir zusammen bleiben, um mich am Morgen zu ihrer Familie zu begleiten, während die beiden Jungs noch am Abend heimfahren sollten. Da wir wussten, dass es zuhause absolut nichts zu essen geben würde, hatten wir geplant, daß die beiden Jungs die schweren Einkäufe vorab im Matatu mitnehmen würden.

Die Tradition in Kenia verlangt, daß zu Weihnachten Mitglieder der Familien, die ausserhalb des angestammten homes arbeiten, nach Hause zurückkehren und soviele Einkäufe mitbringen, daß der Lebensunterhalt der Zurückgebliebenen für eine Weile sichergestellt ist. Das führt dazu, daß viele in Nairobi arbeitende Menschen nicht „shags“ gehen können, weil sie kaum ihr eigenes Leben fristen können, geschweige denn, die Erwartungen der zurückgebliebenen Eltern und Verwandten erfüllen können.

Die erste und wichtigste Aufgabe in Kisumu war daher shopping und zwar von Artikeln des täglichen Bedarfes und Grundnahrungsmitteln.
Als wir um 22 Uhr endlich den Supermarkt verliessen und die Sachen fest zusammengepackt war, sah unser Einkauf gar nicht mehr so gross aus. Mengen wie 20 kg Zucker, 24 kg cooking fat, 24 kg Chapati Mehl, 25 kg Reis habe ich noch nie auf einmal eingekauft. Dazu kleine und grosse Aluminiumtöpfe, Teller, Gläser, Löffel, Seife, Waschpulver und andere Dinge, die unverzichtbar sind. Da die beiden Jungs den Einkauf unmöglich im Bus transportieren und dann auch noch den Weg zu den Hütten tragen konnten, ohne daß etwas abhanden kommt, musste in ein Taxi investiert werden, das sie nach Hause brachte. Die Übernachtung bei uns in Kisumu wäre auf jeden Fall teuerer gewesen.


Rose und ich kamen spät ins Dorf, da der Supermarkt in Kisumu am 25. Dezember erst um 10 Uhr öffnete. Nach dem Einkauf von Brot, Margarine und ähnlichen Dingen, für die am Abend vorher keine Zeit mehr war, sowie Keksen und 50 Lutscher für die Kinder, suchten wir ein zuverlässiges Fahrzeug für die Reise ins Hinterland. Nach einigem Verhandeln war es dann soweit, wir konnten los, kauften auf einem Markt unterwegs noch etwas Fleisch und Klopapier, das wir vergessen hatten. Ja ich brauche das selbst im Busch, wenn’s geht und die Kinder, die in der Stadt zur Schule gehen, ebenfalls. Wenn schon Plumpsklo, dann wenigstens Klopapier.

Auch drei Säcke weisse Maiskörner für das kenianische Nationalgericht Ugali wurden unterwegs eingekauft. Sie werden bei Bedarf in der örtlichen Poshomill gemahlen und werden eine Weile reichen.

Im Haus der Eltern von Dan, Rose und William hatte man einen Tisch aufgestellt, die Stühle waren aus der Nachbarschaft und von der nahen Kirche ausgeliehen worden, ebenso das Geschirr. Die Wände des Lehmhauses waren frisch geschlämmt. Für mich und den Vater hatte man Sessel organisiert. Man hatte sich feingemacht. Die Armut soll man nicht sehen. Es gab von dem am Abend zuvor gebrachten Reis, Huhn und Sosse. Dieser Clan liebt „chicken“ über alles. Man zieht sie selber auf, hat aber oft nichts zum Füttern. So gab es auf dem Anwesen nur zwei weitere ausgewachsene dürre Tiere, aber ca. 7 Küken. Am Tisch sass nicht nur die grosse Familie sondern es kamen Nachbarn und Leute aus dem Dorf, die selbstverständlich auch etwas zu essen bekamen, vor allem und selbstverständlich die Kinder. Ein paar Gallonen Saft hatten wir auch gekauft, der nun, mit abgekochtem Wasser verdünnt, ausgeschenkt wurde.


Die drei Jungs gehören zu einer besonders bedürftigen grossen Familie mit 7 (oder 8 ) Kindern. Fünf davon habe ich kennengelernt. Sie waren mit ihrer Mutter bei uns. Es regnete, ihre Kleidung war zerrissen und dünn, vom Regen auch schmutzig. Von Rose wusste ich, daß es in Kenia Brauch ist, Kindern zu Weihnachten etwas zum Anziehen zu schenken, so wie es früher auch bei uns war. Als Kind bekam ich ein Sommerkleid, wenn Maimarkt war, und zu Weihnachten etwas für den Winter. Das Geld des Chores des Bayerischen Rundfunks würde ich für M.’s Schule nicht ganz brauchen und ausserdem hatte ich einen Betrag, den mir ein Freund und seine Frau gegeben hatten. Das Geld würde reichen, den Kindern „christmas clothes“ zu kaufen. Mit dem geduldig den ganzen Tag wartenden Fahrer vereinbarten wir, uns zum gleichen Preis am nächsten Tag zuerst zum Einkaufen begleiten und dann wieder ins Dorf bringen.
Fortsetzung folgt.

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