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BSO: L’Elisir d’Amore

Dezember 11, 2009

Giuseppe Filianoti (Nemorino), Tara Erraught (Giannetta), Damenchor der Bayerischen Staatsoper
Wie angekündigt, ein kurzes Resumée über meinen Eindruck vom Liebestrank in seiner vollständigen Fassung, erster Abend meines Opernmarathons am letzten Wochenende. Mit dem Bühnenbild (Patrick Bannwart), einer etwas öden aber sehr sonnigen Landschaft, in der es länger nicht geregnet hat, die einen Platz mit Lichtmast und öffentlichem Telefon umgibt, will ich mich nicht lange aufhalten. Hauptrequisit ist das monströse Gefährt, mit dem der Wunderdoktor Dulcamara seine Landsleute zuerst anzieht, um sie anschliessend über den Tisch zu ziehen. Die überdimenisonierte Baron-Münchhausen-Kugel mit angebautem Heuwender oder Mähdrescher und einem Kommandostand hat etwas spinnenartiges, ist ein genialer Einfall und beherrscht die Bühne. Den Menschen in dieser Ödnis haftet etwas Träges an; es kann auf die Hitze zurückzuführen sein, oder auch auf einen gerade überstandenen kriegerischen Zwischenfall, denn Soldaten treffen ein an dem Platz an der Strasse nach nirgendwo.

Dem jungen Regisseur David Bösch ist etwas gelungen, was man von einem „Ersttäter“ nicht erwarten durfte. Er zeichnete die Hauptfiguren Adina und Nemorino, Belcore und Dulcamara mit sehr viel individuellem Ausdruck und einem überraschend sensiblen Nerv für die Musik und gab der jungen Bäuerin Gianetta als pantomimischer Begleiterin des dörflichen Lebens ein besonderes Gewicht. Alle Charaktere sind auf ihre Art sympathisch, ja sogar liebenswert, vor allem der in seiner verliebten Einfalt clowneske Nemorino. Das trotz bedrohlicher Militärpräsenz entspannte dörfliche Ambiente hat etwas Poetisches, das sich nicht nur an Luftballons und Neonherzen des Dulcamara-Gefährtes entzündet, sondern an den Aktionen der Darsteller, und das empfinde ich als das besonders Gelungene an diesem Abend.

Wie jeder weiss oder nachlesen kann, ist der arme Bauer Nemorino in die reiche Witwe Adina verliebt, die natürlich den strammen Flieger Belcore dem verträumten Bäuerlein vorzieht. Der selbstgekürte Wunderdoktor Dulcamara verkauft dem verliebten Nemorino eine Flasche Rotwein als Liebestrank, der aber erst am nächsten Tag seine volle Wirkung entfalten soll. Adina fühlt sich indessen missachtet und will Belcore am nächsten Tag heiraten. Nemorino misstraut der raschen Wirkung des Liebetrankes, hat aber kein Geld um sich Nachschub zu beschaffen und heuert beim Militär an, um sich Geld für eine weitere Flasche zu besorgen. Und schon wird er zum heissen Liebhaber (glaubt er), der jede Dorfschönheit flachlegen kann. Dabei weiss er nicht, dass er inzwischen einen reichen Onkel beerbt hat, also eine gute Partie geworden ist, was die seine Attraktivität enorm steigert. Adina passt Nemorinos Treiben natürlich nicht. Sie ist eifersüchtig auf all die potentiellen Bräute und kauft ihn aus seinem Regiment frei. Die beiden kriegen sich. Happy end.

Die ausgezeichnete Personenregie, die auch die Bewegungen des Chores glänzend bewältigte, und die Verve, mit der sich die Mitwirkenden in ihre Rollen warfen, liessen kleine musikalische Schwächen des Abends bedeutungslos werden.

Begeistert hat mit Giuseppe Filianoti als Nemorino, den man am liebsten knuddeln würde. Einen stimmlichen Eindruck mag der Mitschnitt seiner Arie aus der Premiere vermitteln. Dort ist auch zu hören, warum ich mit dem Orchester unter der Leitung von Juraj Valcuha nicht ganz glücklich sein konnte. Aber wie gesagt, Filianotis Identifizierung mit der Rolle überstrahlt das alles.

Positiv überrascht hat mich auch Nino Machaidze als Adina darstellerisch und in der zweiten Vorstellung auch stimmlich. Sie scheint mir von Haus aus keine Sängerin zu sein, die sich als Adina aufdrängt, zu bemängeln gibt es allerdings trotz der etwas kühl wirkenden Stimme nichts daran. Umwerfend komisch und stimmgewaltig war Ambrogio Maestri als Dulcamara, ohne allzu klamaukig zu wirken. Belcore, als Militär zwangsweise etwas zurückgenommen, war bei Fabio Maria Capitanucci sehr gut aufgehoben. Sehr drollig fand ich Giannetta, dargestellt von Tara Erraught, als Sympathie- (und Rucksack-)trägerin fast ein Gegenstück zum verträumten Nemorino. Wenn die beiden sich gekriegt hätten! Na das hätte etwas werden können. Und storia senza fine.

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