Skip to content

Achuchu is back

Oktober 20, 2009

Achuchu Rose hatte während meines Kenia-Besuches vor ein paar Wochen das Fotografieren übernommen und leider ausschliesslich vermurkste Bilder produziert. Das Fotografieren werden wir im Dezember üben müssen.

Achuchu, kleine Schwester meiner Margaret, hatte ja im Frühjahr die Kwa Watoto Primary School verlassen müssen, da die beiden älteren Geschwister sie nicht mehr versorgen konnten. Achuchu wurde upcountry zu einer Tante geschickt, wo sie aufwachsen und zur Schule gehen sollte. Margaret und ihr Bruder hatten das möglicherweise so entschieden, weil ihre eigenen familiären Umstände zu der Zeit schwierig waren. Zwar hatte mich eines meiner älteren Patenmädchen mehrmals darauf hingewiesen, dass Achuchu unbedingt ins Boarding der Schule müsse, was ich allerdings nicht ernst genug nahm bzw. darauf wartete (eigentlich warten musste), bis ich darauf angesprochen würde. Achuchu war also weg. Vor etwa zwei Monaten erfuhr ich, dass das Kind wieder in Nairobi sei, mehrmals krank war und auch in stationärer Behandlung und dass meine Hilfe erforderlich sei. Nach einigem Hin und Her flog ich flog nach Nairobi.

Achuchu, Margaret und ihr Bruder hatten beide Eltern innerhalb eines halben Jahres verloren. Damals war Achuchu erst ein halbes Jahr alt. Ich weiss nicht genau, an wievielen Plätzen das kleine Kind seitdem untergebracht war. Es war Zeit, dass sie in ein geordnetes Umfeld kommt, regelmässig zur Schule geht, damit sie ihr Entwicklungsdefizit und ihren Lernrückstand aufholen kann. Ich fuhr mit Rose zusammen zu Margaret, mit dem Matatu quer durch Nairobi in den Nordwesten, nach Kangemi. An einer Tankstelle, die von einem grossen offenen Markt umgeben war, stiegen wir aus. Da Margaret befürchtete, wir würden ihr Haus nicht finden, holte uns ihr Mann an der Tankstelle ab. Ich zögere, Kangemi ein Slum zu nennen; Margarets Gegend ist zwar ein „informal settlement“, aber ihr kleines Wellblechhaus, das am Rand der Siedlung steht, ist noch sauberer und ordentlicher als ich mir Margarets Haus ohnehin vorgestellt hatte. Das Haus hat Strom und Wasser, ist etwa 4 m x 4 m gross, hat einen Wohnraum und einen winzigen Raum zum Schlafen und als Stauraum. Auf dem Gelände gibt es Gemeinschaftstoiletten. Sogar den Zugang haben die beiden mit Steinen so befestigt, dass man auch bei Regen nicht durch den Matsch der Gasse gehen muss. In dem Haus lebt das Ehepaar mit seiner einjährigen Tochter und jetzt auch noch Achuchu.

Margaret, Rose und ich waren der Meinung, dass es für Achuchu am besten wäre, bei der grossen Schwester aufzuwachsen, die immer schon fürsorglich war, mit Kindern umgehen konnte und sich jetzt auch als gute Mutter zeigt. Natürlich geht das nicht ohne das Einverständnis und die Unterstützung des jungen Ehemannes. Nachdem wir uns miteinander bekanntgemacht und die Scheu voreinander sich etwas gelegt hatte, konnte ich einige Fragen stellen.
kenyan family Margarets Mann hat wie viele Kenianer keine feste Arbeit. Er arbeitet als Lackierer, muss sich nahezu jeden Tag Arbeit suchen und verdient gerade so viel, dass sie ihre Miete bezahlen können und etwas zu essen haben. Wenn er eine Beschäftigung gefunden, kann er etwa 5 Euro pro Tag verdienen. Das reicht kaum für die eigene kleine Familie und ist keine solide Basis für die Aufnahme von Achuchu, die ja nicht nur durchgefüttert werden soll. Obwohl ich ihm sagte, dass ich ihm nicht die Verantwortung für den Unterhalt seiner Familie sondern ihm lediglich die zusätzlichen finanziellen Kosten für Achuchu abnehmen wollte, war er einverstanden, das Kind dauerhaft in den Haushalt aufzunehmen und für ihre Erziehung mitverantwortlich zu sein. Somit ist auch Margarets Position im Familienverbund ihres Mannes gestärkt, da sie selbst wesentlich zum Familieneinkommen beiträgt.

Margaret hatte bereits alles vorbereitet. Sie hatte Achuchu nicht nur ein rosa Kleidchen gekauft, sondern sie hatte eine informelle private Schule in der Nähe ihre Hauses gefunden und legte mir Schulregeln, Aufnahmebedingungen und all die Dinge vor, die eine Deutsche zur Meinungsbildung braucht, die nur glaubt, was sie sieht. Die Kinder werden dort nur aufgenommen, wenn die Eltern oder Erziehungsberechtigten alle Anforderungen der Schule bezüglich Uniform, Schulmaterial und Bücher erfüllen. Die Schule verlangt Schulgeld, das etwas über dem früher bezahlten Patenschaftsbetrag liegt. Die Schule verlangt auch einen einmaligen Beitrag beim Eintritt zur Ausstattung der Schule mit Büchern. Die Anzahl und Art der Hefte pro Term sind vorgeschrieben. Uniform ist Pflicht. Es wird Schulessen ausgegeben, das bezahlt werden muss. Die Eltern und Erziehungsberechtigten müssen sicherstellen, dass die Kinder Lunch kriegen. Margaret hat mit der Schulleitung vereinbart, dass sie Achuchu aus Kostengründen Mittagessen bringt, das sie selbst zubereitet.

Was soll ich lange erzählen. Nachdem wir das medizinische Problem des Kindes zwar nicht lösen aber doch die Behandlung in die Wege leiten konnten, hatte Achuchu noch während meines Aufenhaltes in Nairobi ihren ersten Schultag in der Lucky Kids Primary School. Leider habe ich sie aus Zeitgründen nicht begleiten können. Sie hat mir versprochen, nächstes Jahr zu den besten Zehn zu gehören, wobei ich hoffe, dass ihre Klasse zehn Schüler hat. Jetzt wünsche ich mir, dass wir zunächst eine dauerhafte und tragfähige Lösung gefunden haben, damit Achuchu zusammen mit ihrer kleinen Nichte Tricia in einem geborgenen Zuhause aufwachsen kann.

Advertisements
No comments yet

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: