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Endlich Regenzeit

Oktober 19, 2009

Nach langem Warten hat es in Kenia endlich zu regnen begonnen. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht ist, dass mit dem Regen auch häufig Flut einhergeht, weil die Wassermassen in den ausgemergelten Boden nicht eindringen können. Noch kann man nicht sagen, wie ergiebig die Regenfälle sein werden, die Nahrungsmittelknappheit im Land wird dadurch sicher nicht beseitigt, und die immens gestiegenen Preise für Grundnahrungsmittel werden auch nicht sofort wieder fallen, da sie sich gerade so schön etabliert haben. Durch die lange Trockenheit sind nicht nur Nutztiere verendet, die ausbleibende oder zu kleine Ernte hat die armen Teile der Bevölkerung gezwungen, einen Grossteil ihres Einkommens für Nahrung auszugeben. Für Saatgut und Dünger blieb da in der Regel nichts übrig.

Die Nation, eine Tageszeit in Nairobi, berichtete am Wochenende über eine Umfrage über die Zufriedenheit der Bevölkerung mit der gegenwärtigen Regierung.
Sunday Daily Nation18_10_2009_004_002_008
Trotz des buchstäblichen Überlebenskampfes, den viele Familien derzeit zu bestehen haben, sehen Kenianer nach dieser Umfrage die Versäumnisse ihrer Regierung auch bei Umweltschutz und Klimawandel und die Korruption im öffentlichen Dienst, Ursache der meisten Übel und des schlechten Zustandes des Landes, steht an zweiter Stelle der Negativliste.

Kürzlich las ich einen Artikel über die Idee eines Marshallplanes für Afrika, keine neue Idee und doch etwas anders. Ende der Wohltaten für korrupte Regierungen, hin zu Geschäftsentwicklungsplänen, Kreditvergabe für privatwirtschaftliche Investitionen und Reinvestitierung des Kapitalrückflusses in die Stärkung der Infrastruktur des jeweiligen Landes – aber lesen Sie selbst. Ich bin mal gespannt, wie viele Jahre es dauern wird, bis die USA endlich ihre unanständig hohen, vielleicht gerade deshalb wirkungslosen, Mittelzuflüsse beenden, die nichts anderem als der Finanzierung des Wasserkopfes des kenianischen Kabinettes dienen. Irgendwoher muss das Geld ja kommen, um alleine die Anschaffungen für den ministerialen Fuhrpark in Höhe von mehr als 20 Millionen Euro im Jahr 2009 zu finanzieren (via mars Group Kenya). Auftritte wie dieser des Prime Ministers Raila Odinga verpufften bisher regelmässig wie heisse Luft, messbare Auswirkung Null.

In einem Land, das einst zu den fortschrittlichsten Afrikas gehörte und das bei sachkundigem Anbau und Nutzung der agrartechnischen Möglichkeiten drei Ernten pro Jahr erzielen könnte, füttern World Food Program und die Charityindustrie inzwischen die Hungernden, die immer abhängiger werden von äusserer Hilfe, und es ändert sich nichts. Oder doch. Es wächst die Charityindustrie, die gerade in Kenia ein bedeutender Wirtschaftsfaktor ist, mit dem nicht nur die Regierung rechnet. Für die leitenden Positionen bringt man seine Leute aus den Geberländern mit, die übrigen Mitarbeiter werden vor Ort rekrutiert – begehrte Jobs, wie ich kürzlich in Nairobi beobachten konnte.

Happy Kenyatta Day, Kenya!

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