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BSO: Lohengrin am 18. Oktober

Oktober 18, 2009

Einen märchenhaften Lohengrin durfte ich heute im Münchner Nationaltheater erleben. Ich bezeichne den Abend absichtlich als märchenhaft, weil ich ihn so empfunden habe; wer in Lohengrin etwas anderes sucht oder findet, möge es mir bitte nachsehen. Mal abgesehen von der Inszenierung, über die man geteilter Meinung sein kann, traf der heutige Abend den Nerv des Publikums. Ich hörte keine negativen Meinungen über die musikalische Darbietung, die ich selbst als beglückend empfand.

Von der Festspiel-Anspannung befreit, zeigte Jonas Kaufmann nicht nur, dass er Lohengrin singen kann, sondern dass ihm auch Gestaltungsmöglichkeien gegeben sind. Sein Piano, das während der Festspiele auf mich etwas manieriert und gefistelt wirkte, war heute perfekt und passte in die grosse Gesangslinie. Grandios, wie er immer übers Orchester kam (Nagano hat allerdings auch geholfen), und bemerkenswert gut war die Phrasierung.
Ich war überrascht, wie gut sich Emily Magee in die Inszenierung einfügte. Sie hat sich im Lauf des Abends gesteigert, nachdem sie im ersten Aufzug an ihre Grenzen gestossen zu sein schien. Eine schöne Leistung und ein Erfolg für Emily Magee.
Neu war auch Eike Wim Schulte als Friedrich von Telramund, der fabelhaft gesungen hat, sich zwar einmal im zweiten Aufzug ziemlich verfranzte, jedoch wieder zurückfand. Einziger Einwand ist die etwas zu brave Erscheinung, den bösen Telramund vermutet man in ihm nicht.
Ebenfalls neu war Hans-Peter König als König Heinrich der Vogler, der mit prächtigem, durchschlagenden Bass beeindruckte. Michaela Schuster als Ortrud gefiel mir heute ebenfalls besser als zur Festspielzeit, den Grund kann ich nicht nennen. Es könnte die damals überragende Anja Harteros gewesen sein, deren übermächtiger Schatten meine Beurteilung Michaela Schusters verzerrte. Mit einem wiederum ausgezeichneten Heerrufer liess sich Evgeny Nikitin hören.

Garanten des heutigen Erfolges allerdings sind für mich das Bayerische Staatsorchester, das sich heute selbst übertroffen hat und Kent Nagano mit seiner sensitiv-kraftvollen Interpretation. Mir fiele heute keine Orchesterstimme ein, die ich besonders hervorheben möchte, weíl sie alle so blendend aufspielten. Vielleicht den Mann an der Pauke, dessen fahle Schläge beim Gottesgericht mich fast erstarren liessen.

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