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Nairobi im September 2009

September 26, 2009

Lonrho House
Ich war voll beschäftigt während meines kurzen Aufenthaltes in Nairobi. Termine vereinbaren. Warten. Telefonieren. Warten. Telefonieren. Warten. Warten. Die Entscheidung, im Central Business District zu bleiben, schien zunächst richtig zu sein. Dort könne man sich unter den üblichen Vorsichtsmassnahmen frei bewegen, hiess es. Für voll nahm ich die Warnung nicht, denn draussen in den Siedlungen war mir früher schliesslich auch nie etwas passiert. Weisse sieht man allerdings auch im CBD derzeit nicht in den Strassen. Sie halten sich in den Hotels auf, in Büros und im Westgate-, Yaya- oder Sarit Shopping Center und wie die Malls alle heissen mögen. Die Innenstadt ist inzwischen recht sauber. Abgesehen von den irren Zuständen an den Matatu-Bahnhöfen scheint Nairobi eine Großstadt wie andere.
Nairobis dekadentester Platz ist der Village Market, Shopping Oase und Food Court für die Reichen und Weissen, daneben Mittagspausentreffpunkt für Schüler der Deutschen Schule, wie ich gesehen habe. Ganz in der Nähe dieses mondänen Ortes befindet sich nämlich die Deutsche Schule Nairobi, deren heutige Anzeige in der Nation mich zu diesem Blogeintrag veranlasste, obwohl es eigentlich nichts zu schreiben gibt über meinen Aufenthalt in Nairobi.
German School Nairobi. Mit dieser Anzeige (hier ein download im pdf-Format) wirbt die Deutsche Schule Nairobi, eine mit öffentlichen deutschen Mitteln geförderte Auslandsschule, doch tatsächlich neue Schüler der jetzigen kenianischen 4. Klasse mit der Aussicht auf ein erschwingliches Studium in Deutschland. Natürlich ist mir die Wichtigkeit kulturellen Austausches bewusst. Ich kann mir auch vorstellen, dass der Trägerverein um die Finanzierung der Schule zu kämpfen hat. Wer aber kann sich in Kenia das horrende Schulgeld von über 5.000 Euro pro Jahr leisten, um sein Kind auf die Deutsche Schule zu schicken? Richtig. Diejenigen, die sich eh schon die Taschen aus den Steuergeldern der Bevölkerung und den Hilfsfonds der Geberländer und der Weltbank füllen, schicken ihre Kinder auf die Deutsche Schule, um sie anschliessend mit „dem in ganz Europa geltenden deutschen Abitur“ (siehe Werbeanzeige) in Deutschland oder Europa „kostengünstig“ studieren zu lassen. Sorry, als ich das heute früh las, kam mir beinahe mein Frühstück wieder hoch.

Nation Building
Etwas bevormundet kam ich mir vor, denn meine Freunde liessen mich nicht aus den Augen und vor allem nicht alleine auf die Strasse. Rose hatte an zwei Tagen nur wenige Stunden und sich von ihrem College beurlauben lassen. Dan gesellte sich nach Collegeschluss am Freitag Nachmittag zu uns. Auch Margaret, meine ehemalige Patenschülerin, wollte nicht, dass wir alleine durch Kangemi zu ihrem Haus gingen, sondern liess uns an der Matatu-Haltestelle vor dem Slum abholen. Dort warteten wir buchstäblich mit zitternden Knien, den zuvor hatten wir mit etwa 15 weiteren Fahrgästen einen offenbar zugedröhnten Matatu-Fahrer zum Anhalten zwingen müssen, der sich und uns mit seinem Fahrstil fast umgebracht hätte und das kostbare Gefährt dazu.

Wenn ich im Morgengrauen aus meinem Hotelfenster schaute, pumpten die Tankwagen zwischen den Hochhäusern noch immer wie schon die ganze Nacht rationiertes Wasser in die Tanks, das üppig wie immer aus den Hähnen in Dusche und Toilette lief. Im Hotel stand Strom jederzeit zur Verfügung, so viel, dass Rose ihr Bügeleisen mitbrachte, um im Hotel ihre Blusen zu bügeln, denn in ihrem Zimmer in Mathare IV reicht die Spannung nicht aus. Wasser gibt es in Mathare IV nur zweimal in der Woche und der Strom wird häufig abgestellt, derzeit weitaus öfter als bisher. Einen Wassertank haben wir gekauft, damit die beiden Mädchen wenigstens die Zeit bis zum jeweiligen Wassernachschub überbrücken können.

Rehema Building

Natürlich hielt mich nichts davon ab, am Montag früh als alle wieder im College waren alleine einen Gang durch die Innenstadt zu machen. Ich habe das Vorhaben schnell aufgegeben. Es gab zwei unerfreuliche Zwischenfälle, nach denen ich mich verfolgt fühlte bzw. wie von einem Beobachtungsposten zum anderen weitergereicht, was mich ins Nationalarchiv Zuflucht nehmen liess, um den Glauben an die Menschheit nicht zu verlieren. Das Nationalarchiv beherbergt die Murumbi-Sammlung, eine riesige Kollektion afrikanischer Kunst und kultureller afrikanischer Gegenstände (wunderschöne Skulpturen) und Bücher des ersten kenianischen Aussenministers Joseph Murumbi und seiner Frau Sheila. Dort war sehr wenig los am Montag vormittag und ein überaus sachkundiger und freundlicher Museumsmitarbeiter begleitete mich privat durch die Sammlung. Das Unheil hatte sich bald verzogen.

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