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Festspiel-Resümé

August 1, 2009

Gab es da für mich etwas Bemerkenswertes an diesen Münchener Opernfestspielen, fragte ich mich vorhin beim Frühstück. Spontan fiel mir der König Roger ein, allerdings spielte man den bekanntlich in Bregenz. Bemerkenswert neben der mässigen Regiearbeit am Lohengrin, neben dem Rummel auf dem (Nebenkriegschau)Marstallplatz und neben Angela G.s Waterloo?

Ich erlebte eine fulminante Lucrezia Borgia zum Auftakt, zwei ausgezeichnete Werther Vorstellungen und einen mitreissenden Wozzeck – wunderbare Opernabende, die in der Qualität bei diesen Stücken in der laufenden Saison schon die Regel waren. Ich zähle den Lohengrin zu dieser Kategorie trotz Elsas etwas zweifelhaften Häuslebaus und des hektischen Schubkarrenwettlaufs drumherum. Ein aussergewöhnliches Dirigat und hervorragende Gesangsleistungen überdecken für mich manchen negativen optischen Eindruck. Das Festspiel-Konzert und die liebevolle Pastorale gehören dazu – mein schönstes Erlebnis übrigens.

In die Kategorie Witzig würde ich Bernsteins Trouble in Tahiti einreihen mit dem hervorragenden Mahler Chamber Orchestra und den Abend mit Adrienne.

Und sonst? Die zweite Festspielhälfte mit Verdi aus der Repertoire-Kiste musste man zwar nicht gleich in die Tonne treten, hinterm Ofen hervor locken Macbeth und Co. mich jedenfalls nicht. Die Festspiele finden aber auch nicht für das Stammpublikum, sondern für die Kundschaft von ausserhalb statt, die sich hoffentlich an der Macbeth Fleischbeschau delektierten.

Die Festspiele waren in der Tat ein Spiegelbild der abgelaufenen Saison, garniert mit ein paar Ablenkungsmanövern. Neben dem Aida-Desaster und der missglückten Macbeth-Regie brachte die Saison mit Kriegenburgs Wozzeck und Loys Lucrezia Borgia zwei rundum überzeugende Inszenierungen. Zu den überwiegend gelungenen Arbeiten würde ich mit kleinen Einschränkungen Jenufa und mit weiteren Palestrina zählen. Lohengrin finde ich wegen der aussergewöhnlichen musikalischen Qualität ebenfalls als überwiegend gelungen.

Lege ich meine eingebaute Notenmesslatte an, komme ich auf einen Notenschnitt von knapp über „Befriedigend“ für die Neuinszenierungen, bei sehr wohlwollender Beurteilung allenfalls auf eine 2-.
Muss man sich damit als Stammgast zufrieden geben, gibt sich etwa die Leitung am Max-Joseph-Platz damit zufrieden oder lässt die kommende Saison Hoffnung auf Steigerung?

Die Hoffnung, in diesem Leben noch auf eine funktionierende Klimaanlage zu treffen, darf ich wahrscheinlich ebenso fahren lassen müssen wie die Hoffnung auf einen Dirigenten für unsere Norma. Am fehlenden Geld kann’s nicht liegen; spart man doch seit Jahren am Klopapier und wie ich gestern sah, auch heftig an den Glühbirnen für den Muranoglas-Leuchter im ersten Rang. Dafür hat man die Übertitelungsanlage verbessert, grössere Buchstaben und hellere Schrift; kostet fast nichts und macht viel her.

Mal sehen, was uns der Beginn der neuen Saison bescheren wird. Letztes Jahr fehlte das vertraute Einlass-Personal und vor allem die Aufzugführer. Ach ja, die Aufzüge! Wenn sich die Verlangsamung der Transportgeschwindigkeit vom Eingang Maximilianstrasse bis in den dritten Rang im Tempo der abgelaufenen Saison fortsetzt, sollte man vorsichtshalber einen halben Urlaubstag einreichen, wenn beabsichtigt, den Abend im Nationaltheater zu verbringen und die Treppe nicht zu Fuss gehen möchte oder nicht zu Fuss gehen kann.

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