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„Regie“theater mal wieder im Fokus des Sommertheaters

Juli 27, 2009

Während die Münchener Opernfestspiele etwas träge ihrem Ende zu plätschern, geht es anderswo zwar nicht besser, aber immerhin zur Sache.

Der Salzburger Eröffnungsredner giesst Öl ins Feuer der Kritik am „Regie“theater. Süddeutsche: „Festredner Daniel Kehlmann greift zum Auftakt der Salzburger Festspiele den Interpretationsstil des deutschen Theaters an.“
Ob die diesjährigen leeren Plätze in den Salzburger Festspielsälen wegen der Verfehlungen des deutschen Regietheaters leer bleiben werden, bezweifle ich. Die Gründe sind neben der für Adabeis wenig spektakulären Programmauswahl wohl eher in deren Geldbörsen zu suchen.

Kehlmann sagte: „In einer Welt, in der niemand mehr Marx liest und kontroverse Diskussionen sich eigentlich nur noch um Sport drehen, ist das Regietheater zur letzten verbliebenen Schrumpfform linker Ideologie degeneriert“.

Das erinnert mich an Samstagabend, als ich im Gespräch mit der neben mir stehenden Dame auf den Münchner Lohengrin zu sprechen kam. Während sie Jonas Kaufmann über den grünen Klee in den Wagner-Tenor-Himmel hob und sich über die Inszenierung echauffierte, wagte ich den Einwand, daß ich die Jones-Inszenierung aus mehreren Gründen nicht ganz abwegig fände. Nachdem ich schon vorher in die Lobeshymnen über Bertrand de Billy nicht voll einstimmen mochte, war das Gespräch beendet, nicht ohne einen abfälligen Seitenblick auf mich. Vielleicht hat sich in manchen oder auch in vielen Köpfen der Irrtum schon festgesetzt, den Kehlmann formulierte. Ich zumindest habe zwar vor langer Zeit durchaus Marx gelesen, halte und hielt mich aber nie anfällig für sogenannte „linke Ideologie“.

Wenn Theater nicht offen bleiben darf – soll – wird für gesellschaftliche und politische Einflüsse, dann sollten Museen aus den Theatern gemacht werden. Die kosten auch weniger als diese ständigen Neuproduktionen.

PS: Der Wiener Kurier veröffentlichte die Kehlmann-Rede im Wortlaut.

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