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Festspiele: Otello

Juli 25, 2009

Sobald Johan Botha auch nur mit wenigen Gesten oder der Körperhaltung das unterstreicht, was er gerade singt, nimmt man (ich) die Schönheit seiner Stimme und die Intensität des Ausdruckes viel stärker wahr. Es ist nicht sein Körperumfang, sondern seine Unbeweglichkeit auf der Bühne, die es schwer machen, diesem Klotz die rasende Eifersucht auf Cassio abzunehmen. Und wenn die Rolle ihm dann auch noch abverlangt, hinzufallen, dann kann ich ein Schmunzeln nicht unterdrücken. Schluss mit lustig ist allerdings im letzten Akt, den er absolut überzeugend auf die Bühne stellt. Dabei bleibt er stets textverständlich, nichts geht unter in tenoralen Schluchzern. Das „O Gloria! Otello fu.“ habe ich, glaube ich, zum ersten Mal überhaupt verstanden in einer Aufführung; früher glaubte ich, es hiesse „Aglaia“und hatte keine Ahnung, was Otello damit meinte.
Nun war es keineswegs so, dass Johan Botha in den ersten drei Akten schwach gesungen hätte. Kraftvoll und immer mühelos beim Auftritt im ersten Akt, bezauberten im Duett mit Adrianne Piezconka wunderbar liebevolle Pianotöne, deren Ausdruck nach der Vergiftung Otellos durch die Eifersucht ins Gegenteil umschlugen. Die Stimme hat einen perfekten Sitz und er setzt sie so kontrolliert ein, das man immer den Eindruck hat, da wäre noch viel mehr. Wie ich schon zu der letzten Serie schrieb, ist sein Otello eher einer der „Leisen“. Wer sollte die Rolle heute besser singen als Johan Botha?

Bei Adrianne Pieczonka hörte ich anfangs kleine unbedeutende Intonationstrübungen in der Höhe; sie sang aber wie schon vor ein paar Monaten eine sehr solide Desdemona, der es für meine Erwartungshaltung etwas an Innigkeit mangelt. Zugute halten muss man ihre (erfolglosen) darstellerischen Bemühungen um Otello in den ersten drei Akten.

Lucio Gallo schlug sich ausgezeichnet als Jago, auch wenn man ihm den intriganten Schurken nicht recht abnehmen möchte. Im Schwurduett mit Otello war er ein gleichrangiger Partner. Vor allem Wookyung Kim begeisterte mich wieder mit seinem feinem lyrischem Zugriff auf die Rolle des Cassio. Ich möchte ihn gerne in weiteren Rollen bei uns sehen und hören.

Francesco Petrozzi glänzte als Rodrigo, und Montano war bei Christoph Stephinger in guten Händen. Direkt luxuriös besetzt war Ludovico mit Steven Humes. Enkelejda Shkosa produzierte trotz Emilias emotionaler Bewegung etwas zu viel Vibrato für meinen Geschmack, sonst war ihre Darbietung aber in Ordnung.

Bertrand de Billy leitete das Bayerische Staatsorchester, das nicht in seiner besten Besetzung zugange war, wenn mich Ohren und Augen nicht trügen. Das vorausgesetzt, war die Orchesterleistung akzeptabel. Zum Staatsopernchor sage ich besser nichts. Der Kinderchor sang schön und bewegte sich gut.

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