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Bregenz 2009: Król Roger

Juli 24, 2009

Tatsächlich bin ich an diesem ultraheissen Donnerstag zum zweiten Mal in dieser Woche nach Bregenz gefahren und das auch noch ohne dort zu übernachten.

Die zweite Premiere der diesjährigen Festspiele, Karol Szymanowskis Król Roger (Urauff. 1926), in Bregenz „König Roger“ genannt, obwohl in der polnischen Originalsprache gesungen wird, bedient den hohen künstlerischen Anspruch, den die Bregenzer Festspiele neben dem attraktiven Spiel auf dem See eben auch haben. Die diesjährigen Festspiele stehen bekanntlich unter dem Motto „Sinn und Sinnlichkeit“, worüber der Intendant auch ausführlich im Programmheft, das ich noch nicht lesen konnte, schreibt. Bei „König Roger“ ist mir aufgegangen, dass beide Premieren stark geprägt sind von den Begriffen Herrschaft, Macht und Religion und der gegenseitigen Abhängigkeit und Einflussnahme . (Inhaltsangabe der Oper).

Das Stück, die mich zu Beginn stark an ein Oratorium erinnerte, spielt in einem schlichten Einheits-Bühnenbild, das aus weissen Treppen besteht, die mich an ein Amphitheater erinnert (Taormina oder so). Zumindest ein Teil des Opernstoffes ereignet sich ja in Sizilien, insofern ist der Gedanke nicht abwegig. Interessante Chorformationen, eine opulente Choreographie, durchwegs sehr gute Solisten und der aussergewöhnlich gute polnische Chor belebten die aktionsarme Oper; die raffinierte Lichtregie simulierte unterschiedliche Räume, die durch Verschieben und Absenken der Treppen zusätzlich variiert wurden.

Auch musikalisch wusste das Werk zu fesseln: Tonal, sehr melodisch erwächst aus dem akkustischen Nichts die à-capella-Einleitung des Chores, dessen Warnungen vor dem umherziehenden Hirten ungehört bleiben. Verführerisch verheisst der Gesang des Hirten Glück und Liebe; seinem Charisma können weder Königin noch Chor widerstehen. Euphorische Gesänge beschreiben die Gefühlslage der Königin Roxana, die ihren Mann verlässt, um dem Hirten zu folgen. Aber selbst der König schliesst sich den Jüngern des Hirten als Pilger an. Auch er singt von Liebe und von Verlust. Nach drei kurzen Akten Wanderschaft mündet das Werk nach ekstatischem Tanz des Gefolges, bei dem sich der Hirte als Dionysos entpuppt, in König Rogers hymnischer Anbetung der Morgensonne, der er sein Herz opfert.

Im in den oberen Rängen nicht ganz ausverkauften Festspielhaus konnte ich mich angenehmer Weise auf mehreren Plätzen bequem ausbreiten und meine vom Platzregen nassen Sachen trocknen. Aufgrund der positiven Aufnahme dürfte allerdings die Nachfrage bei den wenigen Spieltagen steigen. Das Werk wird so selten gespielt, dass man sich die Begegnung mit ihm, noch dazu in einer derart gelungenen Inszenierung, nicht entgehen lassen sollte.

Die Besetzung

Musikalische Leitung Sir Mark Elder
Inszenierung David Pountney
Bühne Raimund Bauer
Kostüme Marie-Jeanne Lecca
Choreographie Beate Vollack

Video
Gilles Papain

Licht Fabrice Kebour
Chorleitung Anna Szostak
Wlodzimierz Siedlik
Chorleitung Kinderchor
Wolfgang Schwendinger

König Roger
Scott Hendricks

Roxane
Olga Pasichnyk

Edrisi
John Graham-Hall

Der Hirte
Will Hartmann

Der Erzbischof
Sorin Coliban

Die Diakonisse
Liubov Sokolova

Orchester
Wiener Symphoniker

Chöre
Sängerensemble der Stadt Katowice – „Camerata Silesia“
Polnischer Rundfunkchor Krakau
Kinderchor

Tänzer

Verlockung und Gefahr liegen dicht beieinander Artikel aus der Stuttgarter Zeitung vom 25. Juli 2009

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