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Festspiel-Eröffnungsvorstellung: Aida

Juli 1, 2009

Aida - zweiter Akt Trotz ganz knapper Zeit ein paar Eindrücke zu der gestrigen Eröffnungsvorstellung der Münchener Opernfestspiele 2009. Ich bin mit dem Vorsatz hingegangen, „anders“ zu hören und „anders“ hinzuschauen als in der Premieren-Aida, was vor allem bedeutet, dass ich versuchen wollte, das Visuelle nicht und den vokalen Part weniger stark zu gewichten, den orchestralen Teil also für meine Ohren quasi zu isolieren. Was ich hörte, bestätigte das mancherorts Gelesene. Es gelingt Daniele Gatti und dem Bayerischen Staatsorchester , die geeigneten Stellen der Partitur mit kammermusikalischem Feingefühl und auch mit Raffinesse zu interpretieren. Hier denke ich besonders an die Streicher, die mir gestern sehr gefallen haben, aber auch an die Holzbläser. Wie schon in der Premiere hatte ich das Pech unter Zuschauern zu sitzen, die bei den sehr sensibel gestalteten Anfangstakten des ersten Aktes noch nicht ganz in der Vorstellung angekommen waren, sich erst freihusten oder ihre Bonbons auspacken mussten, ein Vorgang, der sich wiederholte, bei den sensitiven Stellen der Partitur, versteht sich. Ich bin mir nicht sicher, ob es an meinem Platz lag (erster Rang Mitte rechts), dass ich die blechbeladenen Massenszenen zwar als laut, allerdings keineswegs als so quälend empfand wie auf meinem Premieren-Platz im dritten Rang. Meiner positiven Grundeinstellung , meiner besonderen Vorbedingungen und dem sensibel musizierten Orchesterpart zum Trotz berührte mich der Abend emotional nicht. Ich glaube, die musikalische Krux dieser neuen Aida ist in der Inkompatibilität der Gesangsleistungen mit dem Interpretationsansatz Gattis und des Orchesters zu suchen. Die Muster, in denen sich Orchester und Sänger bewegen, haben nahezu keine Schnittstellen (ausser dass Gatti das Tempo vorgibt) und erzeugen bei mir eine Art Verwirrung, die mich beim ersten Besuch so masslos enttäuscht zurück liess.

Sensible visuelle Gestaltung findet man in manchen Momenten auf der Bühne, die vokalen Herausforderungen hingegen werden durchweg brachial angegangen. Dass Salvatore Licitra die frühe Arie des Radames leicht misslang, soll man nicht übergewichten, die Anspannung nach der Vorgeschichte war sicher extrem. Leider gelang es ihm auch im Lauf des Abends nicht, eine gute Form zu finden. Es war zwar hörbar, dass er die Rolle etwas differenzierter angehen wollte, alleine Erfolg war seinem Bemühen gestern nicht beschieden. Die Stimme folgte nicht. Auch Kristin Lewis als Aida versuchte sich gestern hörbar an sensiblerer Gestaltung. Piano gelingt auch, hört sich dann aber sehr gewollt und aufgesetzt an, kommt nicht aus dem Stimmfluss, die Mühe ist hörbar. Für mich unangenehm, aber sicherlich Geschmacksache, ist ihre Art Töne zu produzieren, die sie förmlich herausschleudert, was oftmals nur hörbare Vokale zur Folge hat. Akzeptabel war ihr „Ritorna vincitor“. Vielleicht eine Aida im Werden, falls ihre Stimme die nächsten Jahre übersteht. Dass Kristin Lewis vergleichsweise gut in der Gesamtbeurteilung wegkommt, liegt für mich an der Visualisierung. Mit ihr hat der Regisseur gut und viel gearbeitet, und er hat vor allem Körperbau und Körperhaltung Kristin Lewis‘ so eingesetzt, dass die afrikanische Sklavin unmissverständlich deutlich wird. Das spielt sie auch sehr gut. Eine ihr nachfolgende Sängerin ohne diese typischen ethnischen Attribute (ich meine nicht primär die Farbe der Haut) wird deutlich im Nachteil sein, falls sie dieses Manko nicht durch die Gesangsleistung wird ausgleichen können. Das aber nur nebenbei. Mir kam dieser Gedanke, als ich die Tänze und Szenen der ägyptischen Sklavinnen sah, die eben nicht diese körperlichen Vorzüge besitzen und die ich deshalb als weniger authentisch wahrgenommen habe.

Eine gänzlich gelungene Szene habe ich in Erinnerung, Lana Kos als Priesterin bei der Anrufung des Gottes Phta, die ihre Stimme wunderbar im Einklang mit dem Orchester fliessen liess. So ginge es also auch.

Zu den weiteren Beteiligten vielleicht später noch mehr.

Glückloser Festspielauftakt. Lustloser Applaus. Ein Buher vor der Pause.

Welche Lehren soll das gebeutelte Publikum aus der Besetzung der weiblichen Hauptrollen in den Verdi Opern eigentlich ziehen? Ich denke an Nabucco, an Macbeth und jetzt an Aida! Haben wir das verdient?

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