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Ich habe Gatti gebuht.

Juni 24, 2009

So mancher kam auf diese Seite, um etwas zu lesen über die Münchener Aida-Premiere oder deren Nachfolgevorstellungen. Ich war in der Premiere und habe mein Befremden über die Inszenierung und die musikalische Interpretation in meinem Blog schon angedeutet. Da es mir nicht gelungen war, für eine weitere Vorstellung der Premierenserie eine Karte zu ergattern, ich meinen ersten Eindruck also nicht bestätigen oder auch revidieren konnte, habe ich auf die Niederschrift meines Premiereneindruckes verzichtet.

Das Spektrum der Premieren- bzw. Aufführungsberichte ist breit und geht von Zustimmung bis zu Verriss. Meine Enttäuschung über die Darbietung am Premierenabend entlud sich in einem kräftigen Buh für den Dirigenten. An nicht oder mässig gelungene Inszenierungen kann ich mich gewöhnen; sie sind ja keine Seltenheit. Mein Unmut richtete sich auch nicht speziell gegen das Dirigat, das zwar uneinheitlich und zum Teil überlaut war, sondern gegen die Besetzung und den enttäuschenden musikalischen Gesamt-Eindruck des Abends, der sich überwiegend durch die Gesangsleistungen ergab, wofür die Verantwortung nach meiner Meinung zum großen Teil der musikalische Leiter eines solchen Abends zu übernehmen hat. Eine Sängerin der Hauptrolle, die nach allgemeiner Meinung in die Rolle erst hineinwachsen muss, durch die sie sich am Premierenabend kreischte, ist in einer Neuinszenierung an einem Haus mit dem Anspruch der Münchener Oper fehl am Platz. Hier wurde (mal wieder) nach Typ besetzt und nicht nach stimmlicher Kompetenz, wobei ich die Sängerin gerne wieder hören möchte, sobald ihre Stimme besser ausgebildet ist, um nicht zu sagen „kultivierter“, denn Volumen ist zweifellos da. Aida ist zwar eine äthiopische Sklavin aber keine Wilde. Da weder der Aida zur Seite gestellte Radames noch ein anderer Künstlerkollege des Ensembles sich durch besonders auffällige (gute) Leistungen hervortat, war für mich der künstlerische Gesamteindruck eine Katastrophe. Die Vorstellung war deutlich schwächer noch als der ähnlich statisch inszenierte langweilige Nabucco mit seiner jaulenden weiblichen Hauptrollen-Sängerin.

Da ich mir im Nachhinein, vor allem nach Berichten von Besuchern späterer Vorstellungen, gar nicht mehr ganz sicher bin, ob mein Unmut mit Daniele Gatti tatsächlich den Richtigen getroffen hat, habe ich mir gestern eine Karte für die Eröffnungsvorstellung der Festspiele besorgt, die ich ursprünglich gar nicht auf meinem Festspiel-Plan hatte. „Eröffnungs-Gala“ nennen sie diese Aida-Vorstellung, auch wieder so eine ärgerliche Übertreibung, die die Welt nicht braucht. Ich hoffe sehr, dass mein erster Eindruck sich nicht bestätigt, denn ich möchte mit dem von mir bevorzugten Opernhaus wenigstens leben können, wenn ich ich es schon mal nicht loben kann.

Mittlerweile konnte ich mich auch davon überzeugen, dass OBI wieder Sperrholz im Angebot hat und bei Deichmann nach wie vor billige weisse Sandalen zu kaufen sind, dass also weder die Kulissen der Aida noch die Ausstattung der Protagonisten die befürchtete Verknappung im Angebot des Handels nach sich zogen. Farben soll es derzeit im Überfluss geben, habe ich mir sagen lassen, denn die seien für die Inszenierung nicht so recht nachgefragtworden.

Das erste Buh meines Lebens als Musikkonsumentin hängt mir doch mehr nach als ich dachte. Es erfolgte spontan, und ich fand es in dem Moment angebracht, denn ich dachte, ein Chef muss sowas für seine Besetzung aushalten. Sänger, die ihre Leistung mit ihrem Körper erbringen, darf man nicht buhen, meine ich. Allerdings wird mein erstes Buh wohl auch gleich mein letztes gewesen sein.

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