Skip to content

Wiener Staatsoper: Faust am 13. Juni 2009

Juni 15, 2009

Auch Wien kocht szenisch nur mit Wasser. Zu Faust in den diversen musiktheatralischen Näherungen durch französische Komponisten fällt Regisseuren offenbar nur wenig ein. Zumindest ist mir in den letzthin besuchten Inszenierungen nichts Markantes begegnet. Nicolas Joel setzt in der Wiener Inszenierung auf Rampe und fünf bespannte quadratische Holzrahmen, die mittels Drehbühne in unterschiedliche geometrische Formationen gebracht werden und als Kulisse dienen. Mein Besuch in Wien galt jedoch nicht der Inszenierung, sondern der musikalischen Seite von Gounods Faust.

Unter der musikalischen Leitung von Bertrand de Billy entführten die Wiener Philharmoniker mit ihrem unverwechselbaren geschlossenen Klang in die Liebesgeschichte, die Gounod in Goethes Faust entdeckt hat. Erwartet unübertrefflich spielten sie beim Walzer, leuchtende Blechbläser waren zu vernehmen, die Instrumentensoli waren durchweg aussergewöhnlich schön in Ausdruck und Klangfarbe. Lediglich die Faust Ouvertüre hörte ich etwas glattgebügelt, die ja doch Fausts Ausgangssituation in musikalischer Sprache ausdrücken soll.

Piotr Beczalas Faust, zunächst mit Rauschebart, schlecht zu Fuss und stimmlich hörbar lebensmüde, wirkte nach der mit der Seele erkauften Verjüngung wie beflügelt. Ihn auf der Bühne zu beobachten ist nicht nur ein musikalischer Genuss. Mit der Sicherheit der technischen Perfektion strömt die Stimme mit einer großen lyrischen Schönheit. Piotr Beczalas viel gerühmte Phrasierung, sein Singen auf der musikalischen Linie, gipfelte in der großen Faustszene beim „Quel trouble … Salut, demeure chaste et pure“ in einem gesungenen hohen C, das sich strahlend entfaltete. Das Sensationelle daran war, daß der hohe Ton wie selbstverständlich der Melodie entstieg und nicht auf Effekt angelegt schien (was natürlich nicht zutrifft). Das Publikum wollte sich denn auch schier nicht mehr beruhigen vor Begeisterung nach dieser Arie. Die großartige Arie war ein Mittel, mit dem Beczala das Portrait des Faust zeichnete; ebenso prägend war der lyrische Ausdruck in den Szenen mit Marguerite, dem dramatischen Ausbruch bei der Vision in der Walpurgisnacht Szene und dem Finale. Leichte Kritik: Die französische Sprache war schon besser.

Soile Isokoskis Marguerite, Objekt Faustscher Verzückung, war rein äusserlich (dank des Kostümes) eine eher herbe Schönheit. Auch schien sie im ersten Teil trotz angenehm klarer Stimme verhalten zu singen. Glücklicherweise gab sie ihre Zurückhaltung auf und sang eine berückende Kirchenszene und ein bewegendes Ende.

Adrian Eröd, den ich zum ersten Mal hörte, gab Valentin, der mit wunderbaren Arien glänzen darf, warmherzig in der Liebe zur Schwester Marguerite wie gefühllos in ihrer Verdammung. Eine Gelegenheit, die Arian Eröd grandios nutzte.
Méphistophélès, den Kwanchul Youn zwar mit stimmschönem Bass, aber doch etwas zu leichtgewichtig und wenig satanisch ausstattete, ist das kleine Manko dieses Opernabends.

Bleibt schlussendlich der vorzügliche Chor der Wiener Staatsoper zu erwähnen, der in den unterschiedlichen Formationen glänzte, vor allem aber beim Soldatenchor.

Obwohl bis vor ein paar Tagen Karten verfügbar waren, spielte die Vorstellung vor ausverkauftem Haus, dessen Reihen sich trotz französischem Repertoire nach der Pause nicht lichteten. Der Faust kommt nach der Juni-Serie nach der Sommerpause in fast identischer Besetzung wieder an die Wiener Staatsoper.
Ich auch.

Advertisements
No comments yet

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: