Skip to content

Händel-Festspiele Halle 2009: Ariodante am 6. Juni

Juni 8, 2009

Der auf dem Programm der Händelfestpiele stehende Ariodante war der erste Anlass eines Besuches in Halle im Händel-Jubiläumsjahr und steht deshalb zu Beginn meiner Opernberichte des vergangenen Wochenendes, obwohl es sich dabei um die zweite Aufführung meines Samstagsprogrammes handelt.

Zur Inszenierung muss man nicht mehr viel sagen. Die Festspielpremiere aus dem Jahr 2007 spielt auf relativ neutraler Bühne. Die Ausstattung zeigt Repräsentatives von der Insel. Im Schottenrock wird gegolft, auf Tontauben geschossen und auch mal eine Art Schuhplattler getanzt. Etwas zarter wird es erst im letzten Akt, wenn sich aus dem Schwanensee, in den aus Kummer zu versenken sich Ariodante nicht getraute, Schwäne unterschiedlichen Geschlechtes zu seiner Rettung erheben. Bei Interesse ist youtube eine gute Quelle für die Austattung. Wenn allerdings (wie bei mir) der Münchner Ariodante noch im Hinterkopf steckt, liegt die Latte für alltäglichere Inszenierungen hoch.

Agnete Munk Rasmussen zeichnete ein rundes Bild einer gouvernantenhaften, sich verklemmt gebenden Dalinda, deren amouröse „Verirrung“ zu Tage fördert, was wirklich in ihr steckt. Sängerisch machte sie auf mich den souveränsten Eindruck des Abends. Nie musste sie an ihre Grenzen gehen, Intonation und Koloraturen passten, die Timbrierung der Stimme empfand ich als sehr angenehm.
Die Titelrolle sang Caitlin Hulculp, mir als Einspringerin in letzter Minute für Vesselina Kasarova vor ein paar Jahren in München in guter Erinnerung. War das halsbrecherisch schnelle „Con ali di costanza“ noch etwas neutral, wenn auch tadellos gesungen, gewann sie meine volle Zustimmung zu „Scherza, infida“, das sie mit Leidenschaft, technischer Virtuosität und berührender Intensität interpretierte. Hinzu kommt, dass ich die musikalische Begleitung dieses Stückes, vor allem die Einleitung zu der großen Arie noch nie einfühlsamer spielen hörte. Die „Scherza, infida“ der Caitlin Hulculp kann jedenfalls nach meiner Meinung sehr gut mit anderen hochklassigen Interpretationen mithalten. Ich meine auch, das gilt ebenso oder mehr für ihr „Dopo notte“.
Als Ginevra war Gillian Keith zu erleben, die eine rollendeckende Interpretation präsentierte, auch wenn ihre Diktion sich verbesserungsfähig anhörte. Im Laufe des Abends wurden die Koloraturen geläufiger und die Darstellung der vom Vater gedemütigten Tochter gelang ihr sogar zu Herzen gehend.
Eine glänzende Parodie des Polinesso bot der Countertenor Axel Köhler, der die vertrackte Partie des verschlagenen Herzogs spielfreudig und mit virtuoser Stimme, dabei immer geschmackvoll gestaltete.
Zu erwähnen bleiben Harold Wilson als sonorer König von Schottland und Nicholas Sales, der als Lurciano auftrat und ebenfalls an seiner Diktion arbeiten könnte sowie Alexander Geller als Odoardo, die das ausgezeichnete Ensemble komplettierten.

Echte Texthänger habe ich eigentlich nicht bemerkt, dennoch war die Souffleurin mitunter deutlich bis hoch in den zweiten Rang zu vernehmen. Ich nehme es als Zeichen der ausgezeichneten Akustik des Hallensischen Opernhauses.

Instrumental lässt sich von diesem Abend in der Oper nur Bestes berichten. Das auf historischen Instrumenten spielende Festspielorchester unter Federico Maria Sardelli lieferte nicht nur die untermalende Begleitung der Gesangsnummern, sondern gestaltete die instrumentalen Einschübe des musikalischen Dramas sehr inspiriert, mit rundem und keineswegs antiquiertem Klang und machte Lust auf sehr viel mehr Händel in Halle.

Advertisements
No comments yet

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: