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Der fliegende Holländer am 17. Mai 2009

Mai 18, 2009

„Den Schluss verzeihe ich ihm nie“, grummelte die ältere Dame auf dem Platz neben mir, während ein Besucher von der anderen Seite der Galerie seinem Unmut Luft machte gegen die dem Stück durch Konwitschny verordneten Schlusstakte vom Band, indem er Dirigent und Orchester zurief: „Weiterspielen!“ „Lieber nicht!“, hätte ich am gerne gerufen. Impressionen eines Opernabends, der mit tosendem Applaus für die Sänger der zweiten Aufführung des Fliegenden Holländers an der Bayerischen Staatsoper endete. Dieser Holländer war für mich vor allem interessant wegen Bryn Terfel in der Titelrolle, den man bei uns nicht alle Tage zu Gehör bekommt. Er gab einen unspektakulären, sehr menschlichen Holländer, vertraute vor allem auf die Ausdruckskraft seiner attraktiven Stimme, die er gelegentlich übermässig strapazierte (strapazieren musste?), um sich dann doch gegen das lärmende Orchester mit wohltuender Textverständlichkeit durchzusetzen. Berührende Stellen gab es aber auch, vor allem bei der Begegnung des Holländers mit Senta im Spinstudio. Ich sah und hörte bisher keine bessere Senta als Anja Kampe. Auch gestern wusste sie mit fokussiertem Spiel zu überzeugen und gefiel mir stimmlich am besten bei der Ballade. Wie Bryn Terfel liess sie sich leider stellenweise zu unangenehmem Geschrei verleiten, vermutlich um gegenüber dem Orchester zu bestehen. Am schlechtesten dran war Nikolai Schukoff bei seinem (Haus?)-Rollendebüt als Erik. Stimmlich bringt er die Voraussetzungen mit für die Rolle; das instrumentale Umfeld und möglicherweise seine Nervosität, die einen schlimmen Texthänger verursachten, verhinderten gestern den ganz großen Erfolg. Bei guten Bedingungen kann ein leidenschaftlicher Erik aus ihm werden, das war gestern doch erkennbar. Sehr ansprechend fand ich einmal mehr Matti Salminens Daland, der zu recht gefeiert wurde.

Erbarmen für das armselige Bläser-Aufgebot im Graben (und weshalb klingt die Oboe plötzlich so blechern?) und die orientierungslosen Chor-Fusstruppen auf der Bühne. Einmal geht das schon. Öfter mag ich solches Chaos wie unter Cornelius „Benjamin“ Meister nicht erleben müssen.

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