Skip to content

Boy House Bumerang

Mai 11, 2009

Fast komme ich mir vor wie im australischen Busch. Ich kann meinen Kopf nicht schnell genug einziehen vor den Bumerangen (Bumerangs?), mit denen meine Ex-Boyhouse-Schüler mich umkreisen.
Ich habe hier schon manchmal darüber gehadert, wie gedankenlos und, ja, mitunter auch verantwortungslos, Paten, Ex-Paten, Hilfswillige, Absichtserklärungen oder Versprechungen gegenüber jugendlichen Schulabgängern – im konkreten Fall handelt es sich um kenianische Schulabgänger – abgeben, wobei das Problem sicherlich kein länderspezifisches ist. Studieren ist teuer in Kenia. Die Studiengebühren an einem College mögen für einen privaten Unterstützer erschwinglich sein, ein Hochschulstudium ohne staatliches Stipendium ist es in aller Regel nicht. Was die Sache aber richtig teuer macht, sind die Lebenshaltungskosten. Die Kosten für Lebensmittel sind hoch; bei Grundnahrungsmitteln wie Reis, Mehl, Milch, liegen sie oftmals über den Preisen in Europa. Natürlich sind die Mieten für einfache Unterbringungen günstig, und sicher kann man bei der Unterbringung große Abstriche machen. Worauf man nicht verzichten kann, wie ich meine, sind Strom und Wasser in den Unterkünften und das nicht nur stundenweise, da die Stromzufuhr ohnehin vom Energieversorger häufig unterbrochen wird, also nicht ständig zur Verfügung steht. Es wäre also ein Fehler, sich als zukünftiger Studien-Sponsor darauf zu verlassen, dass ursprünglich geplante minimale Kosten für den Lebensunterhalt auf Dauer realistisch sind und ein erfolgreiches Studium ermöglichen. In einem dunklen Loch ohne Wasser und bei Kerzenlicht kann man heutzutage auch in Kenia nicht mehr erfolgreich mit dem Ziel lernen, eine staatliche Prüfung abzulegen. Nun könnte man einwenden, dass ein lernbegieriger junger Erwachsener versuchen könnte, es mit eigener Kraft zu etwas zu bringen. Es gibt genügend Studienangebote für abends oder am Wochenende. Dazu muss man wissen, dass es eine Berufsausbildung wie beispielsweise bei uns in Deutschland (gelobt sei das duale System) in Kenia nicht gibt. Dort muss man für jede qualifizierte Tätigkeit ein College besuchen, die Aneignung der Grundkenntnisse beruflicher Fertigkeiten kostet also Geld. Wessen Familie oder Community das Geld nicht aufbringen kann, wer keinen Sponsor findet oder kein Stipendium zu erwarten hat, der/die hat im Prinzip keine Chance auf einen Arbeitsplatz, der den Unterhalt kontinuierlich sicherstellt, denn gut ausgebildete Absolventen für alle Tätigkeiten gibt es reichlich.

Nun will ich nicht hilfswillige Sponsoren und zukünftige Förderer aller Illusionen berauben. Wie ich eingangs schon schrieb, hoffnungsvolle bedürftige Studenten mit Unterbringungsmöglichkeiten bei ihren eigenen Familien oder Verwandten kann man sicher ohne allzu hohe finanzielle Anstrengungen durch das Studium begleiten. Vollkommen mittellose Kandidaten können oftmals noch nicht mal abschätzen, mit welchen Kosten im Lauf des Studiums zu rechnen ist, weil sie aufgrund ihrer bisherigen Lebenssituation keine Vorstellung von geldlichen Dimensionen haben. Das bedeutet nicht, dass sie unsere Unterstützung nicht verdienen. Es heisst das Gegenteil. Denn nicht selten haben die Bedürftigsten auch noch die besten Abschlussnoten nach der Secondary School. Zum Stipendium fehlt dann meistens der letzte Noten-Tick, denn natürlich sind die Bedingungen für Schüler aus sehr armen Verhältnissen auch trotz Schulsponsor nicht optimal.

Gestern nun erhielt ich einen Hilferuf aus Kenia, der sich las wie ein Hilfeschrei. Einige der letztjährigen Boy-House-Abgänger wollen studieren, und sie wissen nicht, wie sie es anstellen sollen. Zwar wurden ihnen Hilfen in Aussicht gestellt, die sich wohl aus den unterschiedlichsten Gründen nicht verifizieren liessen. Nach der ersten Schrecksekunde habe ich erst einmal darum gebeten, das Schreiben in Grossbuchstaben zu unterlassen, denn ich sehe zwar schlecht, höre aber dafür um so besser und elektronisches Geschrei nervt mich ziemlich, um die Jungs dann aufzufordern, mir eine dezidierte und detaillierte Planung vorzulegen, wenn ich in ihrer Angelegenheit aktiv werden soll. Ohne seriöse Planung ihrerseits geht allerdings mit mir nichts. I trust in God, everybody else has to show up with numbers, dieser kluge Spruch begleitet mich seit ein paar Wochen. Schon gar nicht können die Jungs erwarten, dass ich in der Lage sein könnte, mehrere Ausbildungen gleichzeitig und vor allen Dingen verlässlich zu finanzieren. Diesen Bumerang habe ich also schon mal umgeleitet und warte nun auf die Retoure. Ich denke, der geforderte Plan wird bereits die Spreu vom Weizen trennen.

Advertisements
No comments yet

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: