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Parsifal

April 13, 2009

Am Ende zog ich dann doch Parsifal vor; Sonne wird es noch häufig geben, Parsifal in den nächsten Jahren in München vermutlich nicht. Nach dem szenisch völlig anderen Konzept der Berliner Inszenierung war ich überrascht, wie stark und unmittelbar mich unser Münchener Parsifal auch nach mehrmaligem Besuch noch fesselt. Das liegt zum einen natürlich an der unglaublich starken Geschichte, die zum anderen überaus geschickt und mit suggestiver Kraft in Szene gesetzt und erzählt wurde. Eine Geschichte, die schmunzeln, weinen, nachdenken lässt oder auch die Hände falten, wenn es beliebt.

Nikolai Schukoff verkörpert optisch perfekt die Figur des Parsifal in Konwitschnys Inszenierung. Klang sein Tenor, als ich ihn zum ersten Mal hörte, noch jugendlich hell, hatte ich gestern den Eindruck, er könne bei einer kontinuierlichen Stimmentwicklung in Kürze als Zweitbesetzung für Domingo Boccanegra singen (Scherz). Seine Stimme ist noch immer leuchtend in der Höhe mit warmer Färbung und hörbarer Abdunkelung im tieferen Register. Mihoko Fujimura war als Kundry zu erleben. Ein Erlebnis in der Tat. Nach den Münchner Kundrys der letzten Jahre war ihre Darbietung Balsam für Augen und Ohren. Sie sang Kundry; sie schrie sie nicht, schliff und quetschte keine Töne. Etwas fehlende Dramatik in der Höhe und im Ausdruck fallen nicht ins Gewicht. Jan Hendrik Rootering war als Gurnemanz kurzfristig eingesprungen und brachte den Riesenpart stimmökonomisch klug, wenig spektakulär aber sehr seriös, über die Runden. Evgeny Nikitin, der nicht nur ein stimmlich guter Klingsor war, überraschte mit sehr guter Textverständlichkeit. Steven Humes bot als Titurel ebenfalls eine grundsolide Leistung.
Michael Volle ist eine Ausnahmeerscheinung auf der Bühne. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man Amfortas ergreifender und packender darstellen könnte. Auch bei ihm liegt bei aller Dramatik die Betonung auf singen, mit einer überwältigenden Wirkung bei der Anflehung des toten Titurel.

Über und unter dem festspielwürdigen Bühnengeschehen entfalteten das Bayerische Staatsorchester und Kent Nagano ein Klanggebilde mit einer Spannbreite von fragil bis monumental, ergreifend in den leise flirrenden wie in seinen kompromisslos laut dröhnenden Elementen. Aus meiner Sicht beispielhaft wiederum die Holzbläser, Klarinette und Oboe an vorderster Stelle (darf ich das schreiben, trotz strahlendem Blech und herrlicher Streicher?). Das Orchester und sein Dirigent erhielt den lautesten Beifall, worunter sich ein paar Buhs für Kent Nagano mischten. Den Grund dafür kennen vermutlich nur die Buher selbst.
Einhellig großen Beifall erhielten die Solisten und der hervorragend singende Chor.

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