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Mit Partenope von Catania nach Neapel

April 12, 2009

So ganz ging meine ausgetüftelte Planung mit zentralem Hotel in Catania nicht auf. Nachdem mich schon kein Zug nach Syrakus brachte, sondern der Bus, weil alle Vormittagszüge Schlafwagenzüge sind, aus denen man raus darf aber nicht rein, war auch mein Versuch, per U-Bahn an den Hafen zu gelangen, erfolglos, denn der Bahnhof ist wegen Bauarbeiten vorübergehend Endstation der Metropolitana. Klasse, dachte ich mir, fährste eben wieder mit dem Bus. Warum aber sollte ein Bus vom Bahnhof zum Hafen gehen, wenn die U-Bahn dorthin fährt? Cataneser Logik. Blieb das Taxi, ein mir höchst unsympathisches Verkehrsmittel, was sich auch nach dieser kurzen Fahrt nicht geändert hat. Ich wurde dieses Malin Italien zweimal übers Ohr gehauen, beides Male von Taxifahrern. In Catania war ich zu guter Laune und gab dem Typen mit einem skeptischen Blick die zwanzig Euro, die er verlangte, was mindestens das Doppelte des regulären Fahrpreises war. Die Uhr hatte er bei 5,70 abgestellt, nachdem wir kurz vor dem Hafen wegen starken Verkehrs anhalten mussten. Die Chance, bei Taxifahrern an unredliche Zeitgenossen zu geraten, ist hier wie da überdurchschnittlich hoch.
napoli-2009-3651 Mit Händels „Partenope“ im Theater an der Wien hat es kürzlich nicht klappen sollen, dafür schickte mich ttt-lines nun auf ein Boot namens Partenope, das mich zurück nach Neapel bringen sollte. Nun war ich im Händel-Jahr zwar nicht in aber auf einer Partenope. Rein äusserlich machte das riesige Fährschiff einen soliden Eindruck. Ich hoffte, dass ausser den vielen Trucks, die gerade verladen wurden, auch noch ein paar Leute mitfuhren. Wie beim Fliegen muss man auch beim Schifferlfahren frühzeitig da sein, das wusste ich schon aus einigen Kreuzfahrten, die ich in meinem früheren Leben absolvieren durfte. napoli-2009-302 So blieb, nachdem ich meine Kabine bezogen hatte, viel Zeit, das Schiff zu erforschen und bei der Verladung zuzusehen. Ich hatte mich zwar für die Überfahrt in einer Kabine entschieden, weil ich ausgeschlafen in Neapel ankommen wollte, um meinen vorletzten Urlaubstag noch ganz nutzen zu können. Die günstigere Alternative wäre „Poltrone“ gewesen. Die bequemen verstellbaren Reisebus-Sesseln in einem großen Raum mit mehreren Fernsehern würde ich bei einer anderen Planung durchaus in Erwägung ziehen. Allerdings auch eher in einer Nebensaison. Ich man mir die Enge nicht vorstellen, wenn das Schiff voll besetzt ist. An diesem Tag war es nicht so. Weder waren die Ladeflächen voll und auch die sala poltrone war geschlossen. Wer Poltrone gebucht hatte, machte es sich im großen Salon bequem, auf dessen vielen Polstermöbeln es sich nach meinem Eindruck ebensogut schlafen liess wie in einer Kabine. Dafür musste man auf Dusche und eigene Toilette verzichten, was ja auch mal geht. napoli-2009-295 Nach recht ordentlichem Abendessen, ein bisschen Herumgealbere mit ein paar netten Truckern und einem viertel Wein, wollte ich etwas schlafen, um rechtzeitig wieder wach zu sein, wenn das Schiff tief in der Nacht den Stromboli passierte. Mit etwas Glück und klarer Sicht wurde ich den Vulkan vielleicht spucken sehen. Die Aussicht darauf war neben meinem Hang zum Wasser als Verkehrsweg das stärkste Motiv für diese Art der Rückreise. Der Herr der Meere jedoch hatte andere Pläne als ich. Endlos aufeinanderfolgende Unwetter und starker Seegang in der Nacht erlaubten weder den Gang nach draussen, noch einen ruhigen Schlaf; die vier Meter Abstand zwischen Bett und Toilette erforderten ausgeklügelte Planung, um sie unverletzt zu überwinden. Ich hatte echt ein bisschen Angst so ganz alleine in der Kabine. Um mich herum schepperte es, das Schiff ächzte schwer während es in rollenden Bewegungen seinen Weg suchte. Leider konnte ich die Kabine wegen des starken Seegangs nicht verlassen. Ich hätte gerne gesehen, wie es den Leuten oben im Salon ging. In den rühen Morgenstunden war das Drama endlich vorüber und etwas Schlaf möglich.
napoli-2009-315 Überwiegend bleiche oder gelbliche Gesichter sah ich im Salon, als ich nach Tagesanbruch frühstücken wollte. Niemand interessierte sich, ob es draussen etwas zu sehen gab. Alle Vorhänge waren geschlossen. Viele schliefen noch auf den gepolsterten Bänken. Die Elektrik schien etwas abbekommen zu haben. Die Fernseher ging nicht mehr und die Kaffeemaschine nicht richtig. Lauwarmer caffè war zu kriegen, aber immerhin eine frische brioche.
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Wir fuhren ziemlich nah an der Küste. Im morgendlichen Dunst konnte man zuerst den Anfang der Cilentoküste mit den schneebedeckten Gipfeln des Vallo di Diano und später den Golf von Salerno ausmachen.

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Dem eiskalten Fahrtwind trotzend habe ich mir auf dem Oberdeck die Vorbeifahrt an Capri natürlich nicht entgehen lassen. Nur wenige Passagiere haben sich dafür interessiert. Vielleicht haben sie das alles schon xmal gesehen. Es war trotz der Kälte schön.
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Nach schöner Aussicht auf die dunstige Amalfiküste, das ebenso dunstige Ischia und der Umrundung des Kaps der sorrentinischen Halbinsel eröffnete sich der Golf von Sorrent mit seiner dichtbesiedelten Küste, die allgegenwärtige kahle Vesuv dominiert, bereits wieder ohne Schneehaube, obwohl es am Vortag bis in die Täler geschneit hatte und chaotische Zustände herrschten, wie das Fernsehen berichtet hatte.

napoli-2009-347 Wir erreichten Neapel mit dreistündiger Verspätung bei strahlendem Sonnenschein, warmen Temperaturen. Inzwischen weiss ich, dass Neapels Busse alle irgendwann und irgendwie an der Piazza Garibaldi landen. Taxifahren war also hier kein Thema. Und überfüllte Busse zur Mittagszeit auch nicht. Nach einem Blick auf den Vomero wusste ich auch schon, was ich mit dem angebrochenen Nachmittag anfangen würde. Allerdings erst nachdem ich in einem der Cafés Neapels namens Partenope einen richtigen caffè zu mir genommen haben würde.

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