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Und täglich grüßt das Murmeltier

April 5, 2009

So weit ist es glücklicherweise noch nicht. Neuerdings gibt es ab und an Nachmittagsvorstellungen an der Bayerischen Staatsoper. Ich nehme an, wegen der morgen anstehenden Jenufa-Generalprobe begann Macbeth heute schon um 16 Uhr. Und da ich derzeit fast nie an Wochentagen in die Oper gehen kann, häuft es sich eben am Wochenende.

Die Macbeth Inszenierung bleibt auch beim wiederholten Hinsehen problematisch. Problematisch wegen der Überfrachtung mit Elementen, die um jeden Preis die Provokation sicherstellen sollen. Zumindest ist das mein Eindruck. Regisseure sollten das Publikum nicht für zu oberflächlich und unsensibel zu halten, Terror, Mord und Unmenschlichkeit erkennen zu können, wenn sie gezeigt werden und sie zu reflektieren. Weniger wäre hier deutlich mehr gewesen. So ist dieser Macbeth trotz vieler starker Bilder zwar eine nie langweilige, keine ganz schlechte aber auch nicht eine wirklich gelungene Arbeit Kusejs.

Ich habe die letzten Macbeth-Serien gemieden, weil mich der Name Nadja Michael auf dem Besetzungszettel doch eher abschreckt. Dieses Mal liess sich der Besuch nicht umgehen, da die Serie einen neuen Dirigenten hat, Peter Feranec, der den heutigen Macbeth mit erstaunlich viel Drive und gutem Gefühl für die Szene leitete. Die erzwungenen dilletantischen Umbaupausen, die den musikalischen Ablauf empfindlich stören und dem Zuschauer die Konzentration nehmen, erschienen durch das spannungsreiche Dirigat weniger lang.

Nadja Michael gab Gas als Lady Macbeth. Sie spielt die Rolle der skrupellos nach Macht gierenden, ihren zaudernden, schwachen Mann instrumentalisierenden Frau wirklich perfekt. Ihr Gesangsvortrag ist weitgehend Geschmackssache, würde ich sagen. Ohne Zweifel identifiziert sie sich stark mit ihrer Rolle, sang heute auch gut, gefiel mir in der Mittellage, und sie hatte keinerlei Intonations- oder Höhenprobleme. Dennoch finde ich ihre Spitzentöne auch bei guter Stimmverfassung quälend und unflexibel.

Ganz anders geht es mir bei Zeljko Lucic, der Macbeth vom Dienst, von dem darstellerisch nicht ganz so viel wie von der Lady gefordert wird, der aber die stimmlichen Voraussetzungen mitbringt, um die Rolle zu bedienen. Er hat mich heute insofern beeindruckt, als er seine Stimme nicht nur vorführte sondern sie gestalterisch einsetzte. Die absolute Mühelosigkeit seines Vortrages und seine perfekte Legatokultur bescherten ihm dann auch verdienten Szenenapplaus.

Den Banco sang wieder Roberto Scandiuzzi, den ich eigentlich nicht erwartet hatte. Ich schätze seinen etwas rauhen Bass und so war ich auch mit ihm zufrieden. Auch Dimitri Pittas, der eher lyrische Premieren-Macduff, erfreute mit einer ansprechenden Leistung.

Jubel am Ende, was sonst.

Die Sprache, in der Nadja Michael die Lady singt, habe ich übrigens auch heute nicht entschlüsselt. Ist das nun blamabel für mich oder für sie?

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