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Syrakus, antik

April 4, 2009

Ich ging zu Fuss von der Ortigia zum Parco Archeologico di Neapolis. Beim Einfahren in die Stadt hatte ich das Gelände aus dem Bus schon gesehen. Die Entfernung habe ich dann doch leicht unterschätzt. Es zog sich nämlich. Als ich endlich vor dem Eingang des Parkes stand, schickte man mich wieder zurück zur Kasse, die, einen halben Kilometer weiter hinten, natürlich das letzte Haus einer endlosen Reihe von Andenkenläden war. Einer der Andenkenläden war ein Klo, sehr preiswert, der Weg hat sich also gelohnt. Auf dem Gelände wäre der Toilettengang dann im Eintrittspreis enthalten gewesen (11 €). Aber schliesslich muss der Mittelstand auch leben.

Römisches Theater

Römisches Theater

Vor dem Einlass in das eigentliche Neapolis-Gelände liegt das römische Amphitheater, von dem die oberen Ränge sichtbar sind. Das Theater hat eine elyptische Form mit einem Ausmass von 140 x 90 m. Der Weg dahin säumen Steinsarkophage, die man in der Nekropole von Syrakus gefunden hat. Die Datierung ist etwas umstritten; man vermutet die Entstehung im 2 bis 4. Jh. n.C. Das Theater war nicht begehbar. Wahrscheinlich ist die Unfallgefahr durch die mit Gras überwachsenen Stufen zu gross.
Römisches Theater

Römisches Theater

Die Funktionsweise konnte ich mir aber ganz gut vorstellen durch die Gänge und Portale, die man sieht. Unter der Arena befand sich ein Korridor, durch den die Gladiatoren kamen und die wilden Tiere in den Innenraum getrieben wurden. Unter der Arena befand sich ausserdem eine Unterbühne, in der sich Kulissen und sonstige Vorrichtungen, die für die Vorstellungen benötigt wurden, befanden.

Griechischer Altar

Griechischer Altar

Ziemlich gruselig wurde mir, als ich las, welche blutige Vergangenheit dieses riesige Bauwerk hat. Es handelt sich um die Reste eines Altars, auf dem zu Zeiten eines Herrn namensHieron unzählige Tiere gleichzeitig den Göttern geopfert wurden. Auf 200 m Länge kann man viele Ziegen und Schafe schlachten.
Der Archäologische Park ist sehr grossflächig. Er birgt mit Sicherheit viele Schätze, die ich wegen der mir zur Verfügung stehenden knappen Zeit nicht entdecken konnte.
Griechisches Theater mit Steinbrüchen im Hintergrund

Griechisches Theater mit Steinbrüchen im Hintergrund

Das griechische Theater (5. Jh v.C.) ist die zentrale Attraktion auf dem Gelände der Neapolis. Es ist das größte griechische Theater Siziliens und eines der größten der Welt der Griechen überhaupt. Am besten erhalten sind die in die Felsen gehauenen Stufen. Es handelt sich um die 46 oberen Reihen. Die unteren Sitzreihen und auch das Bühnenhaus wurden im 16. Jh von den spanischen Eroberern zum Bau von Befestigungsanlagen auf der Ortigia abgebrochen. Das Theater ist schon eindrucksvoll, bietet einen schönen Blick über Syrakus, war aber für mich nur ein griechisches Theater mehr.
Griechisches Theater

Griechisches Theater

Ich hatte, anders als zum Beispiel in Taormina oder auch in Aspendos, nicht das Bedürfnis, mich hinzusetzen und nicht mehr aufzustehen, obwohl ich dort fast alleine war. Das mag auch daran gelegen haben, dass der Theater-Innenraum gerade mit einem hässlichen Holzbohlenboden ausgestattet wurde, vermutlich um das Theater demnächst als Freiluftkonzertraum zu nutzen. Umgeben ist das Theaterrund von sog. Steinbrüchen, Höhlen und Kammern. Die oberhalb der Stufen in Stein gehauene Veranda oder Terrasse, die vermutlich dem Schutz vor Regen diente, geht auf den gleichen Hieron zurück, der auch die vielen Tiere opferte. Während der Römerzeit wurde das Theater vermutlich nach deren Bedürfnissen umgebaut. Es gibt Anzeichen dafür, dass es für Gladiatorenkämpfe und auch für die Jagd mit wilden Tieren genutzt wurde.
Grotta del Ninfeo

Grotta del Ninfeo

Ich fand die Grotte des Ninfeo sehr idyllisch. Die Wasserkaskade wird gespeist sich aus der Verzweigung eines Aquädukts und ergiesst sich in eine rechteckig behauene Wanne. Begrenzt wird die Grotte von in Stein gehauenen Grabkammern. Während ich an der oberen Begrenzung des Theaters entlangspazierte und gerade beschlossen hatte, die Weiten des Parkes nicht weiter zu erforschen, hörte ich Stimmen. Sie schienen aus dem Stein zu kommen. Eine französische Schulklasse, die ich vorher sah, hatte das Gelände schon verlassen, dachte ich. Ich folgte dem Lärm, der auf jeden Fall aus einem geschlossenen Raum kam, stieg die Stufen neben dem Theater hinab und kam auf einen abschüssigen Weg, der mich zum für mich lohnendsten Teil des Parkes führte. Ich schlich zu Dionys, dem Tyrannen, ganz ohne Dolch im Anorak. Auch bin ich nicht Damon, und Dionys schmort bestimmt schon im Fegefeuer. Das was man das „Ohr des Dionys“ nennt, ist kein Naturphänomen, wie ich dachte, sondern ein künstlich geschaffener, grosser, hallenartiger Raum im Fels, hoch wie eine Kathedrale, mit einer frappierenden Akustik. Die Felswände sind vollkommen trocken, vollkommen glatt, der Boden ist ganz eben. Ein meisterhaftes Handwerkstück, dessen Dimension sich von aussen nicht erahnen lässt.
Syrakus, Ohr des Dionys

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