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Die Zeppole von San Giuseppe

März 27, 2009

Zeppole di San Giuseppe

Zeppole di San Giuseppe

Napoli empfing mich in warmem Gelb.

Der Blick auf tiefverschneite Alpen und Abruzzen und den gesamten Appennin während des Fluges hatte die Hoffnung auf ein paar warme italienische Tage beinahe schwinden lassen. Statt Maikäfersummen hörte ich buchstäblich die Wölfe heulen über den Schneemassen der Abruzzen. Es war dann nicht ganz so schlimm wie befürchtet, zumindest nicht am ersten Tag. Die Sonne schien warm, weshalb ich mich sofort nach der Ankunft auf die Socken machte, um erstens mein Opernticket abzuholen, zweitens um in der Stadt zu frühstücken und vor allem um endlich wieder ein bisschen italienische Lebensart zu geniessen. Natürlich machte ich mich per Bus auf die Socken und nicht per Pedes, denn Laufen würde ich noch genug während der kommenden Tage. Erste Enttäuschung: Die Galleria wird renoviert, die Kuppel ist von innen eingerüstet und mein angesteuertes Café war geschlossen. Dafür erhielt ich im gegenüberliegenden Kartenvorverkauf der Oper das Kuvert mit meiner Eintrittskarte für den nächsten Tag. Bereits im botteghino fielen mir Menschen mit schön verpackten großen Kuchenpaketen auf. Bei dem anschliessenden Bummel über die Via Toledo sah ich Hunderte, nein Tausende, von gelben Gebäckstücken in den Auslagen der Bars und Cafés. Durchaus unterschiedlich in der Ausformung, machmal war es ein durchgeschnittener Kringelkrapfen mit Ricottafüllung, manchmal ohne, große und kleinere, aber immer mit einer Krone aus buttergelber Ricottacreme und einem Häubchen aus Amarenakirschen. Was war denn hier los? Wo waren denn die ganzen sfogliatelle geblieben, diese lauwarmen, ricottaprallen, puderzuckerbestäubten, frischen Kunstwerke, die das Frühstück ausser Haus zum Fest werden lassen? Nur noch Cremeteilchen? Igitt. Im Gran Café Gambrinus, wo die Auswahl besonders gross und der Absatz reissend war, klärte mich der Kellner auf. Heute war der Namenstag von San Giuseppe, Jesus‘ Adoptivvater, la festa del papà, 19. März, Fest des Heiligen Josef (Namenstag meines Bruders Sepp – wie konnte ich das nur vergessen), weswegen die Kuchen zu seinen Ehren Zeppole heissen. Ein köstliches Gebäck, das es eigentlich das ganze Jahr über gibt, aber eben nicht in diesen Massen und nicht in der Frische wie eben am Tag des San Giuseppe. Am nächsten Tag leuchtete das „Sepperl“ bei weitem weniger gelb und ich kehrte zur lauwarmen sfogliatella zurück.

Da ich an diesem ersten Morgen ganz ohne Fotoapparat unterwegs war (das Zeppole-Foto ist aus öffentlicher Quelle), bleibt auch eine weitere Begegnung mit prallem italienischem Leben undokumentiert. Hunderte Mitglieder oder Sympathisanten vermutlich sozialistischer oder kommunistischer Gruppen (nehme ich an wegen der vielen einheitlichen roten Fahnen) demonstrierte FÜR Arbeit, zum Beispiel für den Einsatz von Arbeitskräften für die Rettung der vorgelagerten Inseln, die stark gefährdet sind. Eine große Zahl von Polizisten und Polizeifahrzeugen begleitete den Demonstrationszug, in dem zwar Fäuste gereckt aber auch Fahnen geschwenkt und vor allem herrlich gesungen wurde. Ein echtes Erlebnis. Das sich anschliessende Verkehrchaos zwischen Piazza Dante und Plebiscito dauerte Stunden und war auch ein Erlebnis. Schade, dass Autohupen nicht singen können.

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