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La Damnation de Faust im Teatro di San Carlo

März 21, 2009

Lauwarmen Applaus des bei weitem nicht ausverkauften Hauses erhielt die Neuinszenierung durch Jean Kalman von Hector Berlioz‘ dramatischer Legende La Damnation de Faust, deren Premiere wegen der Streiks in Italien um ein paar Tage vorschoben wurde. Lauwarm vermutlich, weil von Dramatik wenig zu bemerken war. Nun darf man sich in Italien keine Inszenierungen erwarten, ueber die wir uns zuhause manchmal aufregen, allerdings hatte ich mit so wenig Aktion doch nicht gerechnet. Das Ganze war inszeniert wie ein sparsam bebildertes Oratorium. Der Chor stand dekorativ im Hintergrund herum, waehrend die Saenger desgleichen haenderingend an der Rampe taten. Die Maenner trugen zugegebenermassen geschmackvolle Gewaender, wogegen Meister Ungaro Sonia Ganassi (Marguerite) in ein unvorteilhaft die ueberfluessigen Pfunde betonendes Kleid gesteckt hatte. Ein paar weisse und graue Schleier bildeten die Kulissen, ergaenzt von schwarz-roten vertikalen und horizontalen Stoffdrapierungen. Zur Belebung der Szene erfand der Regisseur drei Quasi Spiegelbilder, die stumm agierten. Einen jungen (grauen) Faust, einen schwarz gekleideten Taenzer als Mephisto und eine (ueberhoehte) Margarita sinnigerweise in Weiss, die sich auf verborgenen Stelzen bewegte oder auf einem Podest geschoben wurde. Zwischen Faust und Marguerite gibt es keinerlei koerperlichen Kontakt, noch nicht mal Augenkontakt. Statt ihr Haar zu flechten, waehrend sie vom Koenig von Thule sang, wickelte die Schoene mit ihren Freundinnen Wolle auf. Schwer vorstellbar, dass Faust darauf angesprungen ist.
Leider liess auch der orchestrale Teil etwas zu wuenschen uebrig. George Pehlivanian (nie gehoert) leitete zumindest den ersten Teil sehr plakativ, alles erklang in gleicher Lautstaerke, ohne jede Dynamik und Stilempfinden, was sich allerdings nach der Pause, vor allen Dingen bei Sonia Ganassis Auftritt verbesserte, die fuer mich die eindrucksvollste Leistung des Abends bot. Keine Muehe hatte Erwin Schrott mit Méphistophélès, wogegen mich José Bros als Faust etwas enttaeuschte. Bei ihm fehlte mir mehr noch als bei Schrott das gestalterische Element im Gesang, das ich erwartet haette (und das Sonia Ganassi bot), wenn schon die Personenregie vollkommen fehlt. Der Gesang beider Herren klang seltsam unbeteiligt, obwohl keiner hoerbar Anlass zu technischer Beanstandung gab.

Sehr gut praesentierte sich der Chor einschliesslich der voci bianchi, was in Neapel nicht selbstverstaendlich ist, wie mich meine Sitznachbarn wissen liessen. Und Marguerite fuhr anschliessend gen Himmel, wie es sich gehoert.

Das alles klingt nach einem vertanen Abend, was es nicht war. Alleine das wunderbare Theater, das inzwischen gerettet zu sein scheint, entschaedigt fuer vieles und ist unbedingt einen Besuch wert.

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