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Staatsoper Berlin: Parsifal

März 8, 2009

Ein Steinchen für mein Collier unvergesslicher Opernerlebnisse gewann ich am Freitag Abend. Als Zugabe gab es die Erkenntnis, daß man das Leben nicht anhalten kann, vielleicht für ein paar Momente, dann wird man mit jeder Stunde älter und älter, unerbittlich.

Ich möchte über die Parsifal Vorstellung am 6. März schreiben und nicht über meine Angst vor dem Altwerden. Ich habe mich sehr darauf gefreut, nicht nur um Plácido Domingo noch mal in einer großen, für mich ungewöhnlichen Rolle zu erleben, denn ich sah ihn auf der Bühne nur im italienischen Fach, sondern auch wegen der übrigen Besetzung, wegen Meier, Pape und vor allem wegen Daniel Barenboim.

Es wäre ganz unangemessen von mir, eine Beurteilung der Interpretation zu versuchen, deren Wirkung einfach unbeschreiblich war auf mich. Barenboim gestaltet die Dramaturgie der Musik meisterhaft, leidenschaftlich, mystisch, er schafft eine Art musikalischer Kuppel, die sich über den Zuhörer spannt. Einzigartig.

Ich möchte nur noch eine Kundry hören: Waltraud Meier verkörpert alle Facetten dieser komplizierten Figur mit unvergleichlicher Leidenschaft der Darstellung und der Stimme. Hanno Müller-Brachmann begeisterte als Amfortas durch intensive, auch anrührende Darstellung, durch perfekte Textverständlichkeit und großartigem Gesang. Christof Fischesser überzeugte als Klingsor ebenso wie der junge Sänger des Titurel, Andreas Bauer. Runde, warme Tongebung war kennzeichnend für Matti Salminen als Gurnemanz, den er mit Durchhaltevermögen und sehr stilsicher sang. Er hat die Rolle dankenswerter Weise für den erkrankten René Pape übernommen. Mit den Konsonanten stand er etwas auf Kriegsfuss, sie fielen des öfteren der Phrasierung oder Akzentierung zum Opfer. Kritik ist das aber nicht wirklich, denn wem offenbart sich schon Richard Wagners Deutsch leicht. Dem vermeintlichen Star des Abends erwartungsgemäß auch nicht. Dennoch gelangen Plácido Domingo einige klar verständliche Textpassagen, während andere Aneinanderreihungen von gesungenen Vokalen des alten Richards Wortbotschaft nur erahnen liessen. Unvergleichlich und bewundernswert, woher er die Kraft nimmt, eine solche Rolle nicht nur durchzustehen, sondern sie gesanglich zu gestalten, so daß es nicht nur bei Kostproben seiner Gesangskunst blieb. Wie er die immer noch kraftvolle und sichere Höhe produziert, ist mir rätselhaft. Wunderbare Momente gelangen Plácido Domingo vor allem im dritten Akt. Ein völlig neues Hörerlebnis des „Nur keine Waffe taugt“ war dann die Überraschung des Abends, beispielhaft für geistesgegenwärtige Profis, die solche Klippen umschiffen können.

Die Reise nach Berlin hat sich gelohnt, für mich war es ein grandioses musikalisches Parsifal Erlebnis nicht wegen sondern auch unter der Mitwirkung Plácido Domingos. Ich kann gut verstehen, daß er das Singen nicht lassen kann und nicht lassen will. Und dann beneide ich auch alle, die am Montag die zweite Auffführung dieses besonderen Abends sehen können.

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