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La Calisto

Februar 23, 2009

Wenn es denn schon Oper sein muss, passt keine besser zum Faschingssonntag als La Calisto, zumindest keine, die sich derzeit im Repertoire der Bayerischen Staatsoper befindet. Was lernt der Rosenmontags-Ballbesucher daraus? Willst Du „danach“ nicht als Große Bärin oder Kleiner Bär am Firmament landen oder in der schwarzen Holzkiste schlafend darauf warten, bis dem Objekt Deiner Anbetung mal wieder nach Dir ist, dann lauf so schnell Du kannst, sobald Dich ein Gott oder eine Göttin anbaggert! Die in kalten Betten Daheimgebliebenen können sich immerhin damit trösten, daß Fremdgeher die verdiente Strafe kriegen. Selbst die göttlichen unter ihnen. Aber was soll’s. Cosi fan tutte.

(Fast) nichts verloren von ihrem sprühenden Charme hat David Aldens mit leichter Hand geschaffene Inszenierung eines Meisterwerkes des venezianischen Komponisten Francesco Cavalli, in die sich neu besetzte Künstler überraschend gut einfügen.

Einen umtriebig durchtriebenen Mercurio gab der quirlige Nikolay Borchev, dessen heller Bariton so gelenkig ist wie seine Beine als Götterbote und Erfüllungsgehilfe seines Herrn Giove. Umberto Chiummo spielte den Womanizer Giove sehr stark, wobei auch die den Casanovas in der Regel innewohnende Feigheit (vor der Ehefrau) nicht zu kurz kam. Leichte stimmliche Einwände unterbleiben zugunsten der überzeugenden Darstellung. Geradezu begeistert war ich von Tim Mead, einem sehr natürlich klingenden Countertenor, der den liebeskranken Hirten Endimione sehr gefühlvoll darstellte und sang. Für mich geradezu eine Entdeckung.

Olga Pasichnyk glänzte als Calisto wie in allen Rollen, in denen ich sie bisher erlebte. Ich finde, sie passte perfekt zur verführerischen Calisto, auch wenn sie nicht ganz so sinnlich rüberkam wie ihre Rollenvorgängerin. Mir gefällt besonders ihre sehr schlanke Stimmführung, die leichten, unangestrengten Höhen, auf deren Weg es gestern ein paar unwesentliche Rutscher gab. Leichte Abstriche würde ich bei Daniela Sindram machen wollen, der die Darstellung der zickigen, höchst irdischen Diana nicht wirklich liegt, stimmlich allerdings war sie wie immer eine Bank. Geraldine McGreevys Auftritt als Giunone im Schlepptau der beiden Pfaue, an denen ich mich nicht sattsehen kann, war spektakulär wie erwartet: Ihr farbenreicher Mezzosopran hat die nötige Härte, aber auch sehr warme Nuancen.

Das Halbgötter-Fussvolk bestand aus köstlichen Kömodianten. Allen voran Dominique Visse als Satirino, Guy de Mey als Linfea, Kobie van Rensburg als Pane (ihn zähle ich ebenfalls dazu, obwohl seine Rolle als verschmähter Liebhaber todernst ist) und Adam Plachetka als Silvano.

Bleibt ein letzter Satz zu dem instrumentalen Teil des Abends, den Christopher Moulds umsichtig und sichtlich inspiriert leitete. Das exquisite Barockensemble des Bayerischen Staatsorchesters erntet leider selten die Ehre, die ihm zusteht. Barocke Langeweile lässt das farbenreiche Spiel dieses Ensembles jedenfalls nicht aufkommen

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