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Blaugrüne Hügel

Januar 28, 2009

Der erste Teil des heutigen Akademiekonzertes des Bayerischen Staatsorchesters bescherte uns eine Art Collage.

    „Der General“ für Orchester, mit Sopran, Chor und Erzähler
    (nach „Egmont“, op. 84), Musik: Ludwig van Beethoven
    Text: Paul Griffiths (Deutsche Übersetzung von Patricius Mayer)

Der Namen des Stückes allerdings ist völlig nebensächlich. Es eröffnet mit der Egmont-Ouvertüre, an die sich eine Abfolge von anderen Teilen der Egmont-Musik und auch anderer Schauspielmusiken Beethovens anschliessen, unterbrochen von einem Text, der sich auf Erfahrungen eines kanadischen UN-Blauhelmkommandeurs der erfolglosen Friedensmission in Rwanda stützt, die den Völkermord nicht verhindert hat. Ich hätte den Text gerne gehört. Leider war er trotz meines ausgezeichneten Platzes auf der Galerie nur teilweise zu verstehen. Zum einen wegen der Einstellung der Verstärkungsanlage und zum anderen wegen des Vortrages von Klaus Bachler, der etliche Vokale verschluckte und zwar sehr engagiert aber nicht sehr verständlich rezitierte. Ear-catching dagegen die beiden Lieder, die Aga Mikolaj am Anfang und vor dem Chorfinale vortrug.

Dieser Text interessierte mich sehr und ich wollte mir sogar noch ein Programmheft besorgen, das ihn allerdings auch nicht enthielt. Der fehlende Text macht das ganze Unternehmen etwas sinnfrei, ehrlich gesagt.

Wer sollte eine solche Collage musikalisch umsetzen ausser unserem Staatsorchester mit seinem Chef Kent Nagano (der das Werk auch für sein Montrealer Orchester in Auftrag gegeben hatte). Die wuchtige Egmont-Ouvertüre eröffnete eine grosse dramatische Spannung, finde ich, und auch schöne lyrische Momente. Da erinnere ich mich an eine schier endlose Generalpause ziemlich am Ende der Ouvertüre, die zum Luftanhalten zwang. Eindrucksvoll der sensible (neue?) Mann an der Pauke, der fahleTrommeln des afrikanischen Buschs hören liess, die Beethoven sicher nicht im Sinn hatte. Und als Bachler von blaugrünen Hügeln las sind unter Naganos Händen blaugrüne Hügel entstanden. Ich habe sie gehört. Sowas gibts! Ich bin schon sehr gespannt auf Naganos Sicht der Pastorale, die während der Festspiele zu hören sein wird.

Die Holzbläser, die im ersten Teil des Abends schon hervorragende Arbeit geleistet haben, kamen auch im zweiten Teil des Abends bestens zur Geltung. Die Lieblingsklarinette und die herausragende Solooboe haben mich wieder besonders begeistert, aber auch die Flöten und Fagotte waren erstklassig. Naganos Interpretation der Fünften Symphonie ist spannend, streng metrisch ausgerichtet, nicht hastig aber rastlos schnell. Wunderbar aber und von mir nie so wahrgenommen der Anfang des zweiten Satzes Andante con moto, den Celli und Violen beginnen. Und auch für die Fünfte wieder grosses Lob dem Herrn über die Pauken, der nicht nur rhytmisch sondern auch musikalisch begabt zu sein scheint.

Was war das eigentlich für ein Geräusch, das auf der Galerie zu hören war und aus den Deckenluken zu kommen schien. Klimaanlage? Pfeifende Mäuse? Störend.

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2 Kommentare leave one →
  1. Januar 28, 2009 08:24

    I’m very sorry you didn’t hear too many of the words. The original English and French versions are up on my website, and the German will follow. Good wishes, pg

  2. Januar 28, 2009 20:22

    Thanks for your comment, English goes fine for me. The German transcription seemed to be well written, though. Having this version available will fill a kind of vacuum which I felt yesterday evening among the audience. Tx, rossignol

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