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Goschs Matjes

November 30, 2008

Seit ich vor ein paar Jahren im Münchener Hauptbahnhof einen saisonal auftauchenden fliegenden Stand mit köstlichen Fischsemmeln entdeckte, hielt ich immer mal wieder Ausschau danach, denn Optik und Geschmack der dort verspeisten Matjessemmelnbrötchen hatten einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Im Lauf der Zeit kam ich hinter das Geheimnis der Fischbude, deren offenbar positive Geschäftsentwicklung einen inzwischen höchst repräsentativen Auftritt in unserer schäbigen Bahnhofshalle erlaubt. Vor dem Besuch der Luisa Miller letzte Woche wollte ich mir wie gewöhnlich eines der köstlichen Matjesbrötchen gönnen, für die ich jeden Käfer-Pausenhappen stehen lasse. Der Stand war verschwunden. Eine Kontrolle vor dem Werther letzten Freitag bestätigte meinen Verdacht. Das diesjährige Gosch-Gastspiel ist vorüber. Die matjeslose Zeit bis zur Neuauflage ab 11. Januar nächsten Jahres sollte sich aber überbrücken lassen. Mit Punsch und Plätzchen beispielsweise.

Goschs Matjesbrötchen haben nicht nur meine Geschmacksnerven angeregt sondern auch meine ÖPNV Gewohnheiten beeinflusst. Früher fuhr ich mit der S-Bahn durch bis zum Marienplatz, um von dort zu Fuss ins Theater zu gehen. Gosch erfordert einen Stop am Hauptbahnhof und doch ein paar Schritte Fussweg zur Futterkrippe. Als nur gelegentliche S-Bahn-Benutzerin kam mir erst nach mehreren Jahren S-Bahn-Ärgernis letztes Jahr der Gedanke, den Nahverkehrzug aus Ingolstadt oder Nürnberg zu benutzen, der auch in Dachau hält, und ein paar Minuten später schon den Hauptbahnhof erreicht. Der Zug ist nicht nur viel schneller als die S-Bahn, sondern auch wärmer und bequemer. Selbst die Fahrgäste sind weniger hektisch und seltener vergrippt. Opern- und Konzerttickets gelten wie in der S-Bahn als Fahrschein. Die in den Zügen nicht mitfahrende S-Bahn-Wache vermisse ich selbst bei der späten Rückfahrt nach der Veranstaltung nicht. Damit mich der Verdacht nicht trifft, ein Bahn Groupy zu sein: Verspätungen kommen vor. Aber dafür gibt es dann ja die S-Bahn.

Ich verdanke Goschs Matjes nicht nur die Entdeckung des Nahverkehrs der Deutschen Bahn. Die wegen entgangener Fischsemmelfreuden üppig vorhandene Zeit verbrachte ich mit der Erforschung des Bahnhofsvorplatzes und seiner Trambahnhaltestelle. Da ich Trambahnfahren eigentlich schon immer mochte, benutze ich seither die Neunzehner zum Nationaltheater. Vor allem im Winter ist das ganz praktisch, denn die Tram hält vor der Tür und man entgeht ausserdem dem vorweihnachtlichen Trubel auf dem Marienplatz. In der Tram fährt es sich entspannter als in U- und S-Bahnen, ähnlich wie im Nahverkehrszug. Sie ist kommunikationsförderlich und trotzdem ein schnelles Transportmittel. Die Tram scheint nostalgisch, ist es aber nicht. Höchstens manchmal, wenn sie als Weihnachtstram unterwegs ist. Die Streckenführung der Weihnachtstram über das Sendlinger Tor verlockt zum Besuch des dortigen gemütlichen Weihnachtsmarktes. Falls ich ein freies Plätzchen erwische, werde ich sicher ein- oder mehrmals mitfahren.

Apropos Weihnachtsmarkt. Abseits der großen Märkte am Marienplatz oder an der Münchner Freiheit und abseits des Winter Tollwood, das auch schon angelaufen ist, gibt es am Wittelsbacher Platz (Nähe Odeonsplatz) einen mittelalterlichen Weihnachtsmarkt. Ich war zwar noch nicht da, wenn er sich so attraktiv präsentiert wie letztes Jahr kann ich den Besuch empfehlen.

Ich wünsche allen Lesern einen sehr schönen Advent.

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