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Mit Elefanten auf Kriegsfuß

November 4, 2008

aida_leipzig Das Logo für die Leipziger Aida Inszenierung (rechts der Programmheft-Titel) hängt als Werbeplakat auch in der Stadt und hat dort größeren Ärger hervorgerufen. Wie ich in der Vorstellungspause hörte, sollen aufgebrachte Mütter in der Oper und bei Zeitungen sich darüber beschwert haben, dass das Plakat bei Kindern Alpträume hervorrufe und sie nachts nicht schlafen lasse. Selbst niedliche Elefanten bleiben eben nicht ungeschoren, wenn sie in den Krieg ziehen oder ziehen müssen. Ich finde das Motiv gelungen. Es stellt den Plüschelefanten dar, der mit Radames als Kuscheltier in den Krieg zieht und ebenso ramponiert wie sein Eigentümer von dort zurückkehrt. Eine gute Gelegenheit eigentlich, Kindern die Schrecken zu erklären, die Kriege mit sich bringen. Warum diese Tatsache bei den lieben Kleinen, die in der Regel nicht von Gouvernanten in rosa Kinderzimmern ohne Fernseher aufgezogen werden, Alpträume hervorrufen soll, kann ich mir nur als elterliche Animosität im Zusammenhang mit dem „Skandal“ erklären, der sich im Umfeld der Leipziger Neuinszenierung von „Der Fliegende Holländer“ ereignet hat. Unabhängig davon, wie gut oder schlecht dieser Holländer gemacht sein mag und ob nach der Generalprobe nicht genehmigte Gewaltvideos eingefügt wurden oder nicht, überrascht die Empörung, mit der die Inszenierung vom Großteil des Publikums aufgenommen wurde; sogar Strafanzeige soll gestellt worden sein. Wie mir eine Premierenbesucherin erzählte, „habe der Regisseur der versammelten Leipziger Prominenz einen Spiegel vorgehalten, in den sie nicht sehen wollten“, weswegen sie in Scharen ihre Plätze verliessen. „Setzen Sie Hartz-IV-Bezieher in die Vorstellung, dann sieht die Sache gleich anders aus“, sagte mir die Dame in vollem Ernst. Die Rolle des Holländers in der weiteren Serie übernimmt Wolfgang Brendel, nachdem der ursprüngliche Sänger nach der Premiere ausgestiegen ist. Zusammen mit der verbliebenen Premierenbesetzung sollte die Sache nun von der sängerischen Seite abgesichert sein, weshalb ich mir die Inszenierung in den nächsten Wochen auch gerne ansehen möchte. Das passt ganz gut, denn auch in München steht eine Holländer-Serie an, und aus einem Vergleich zweier Sichtweisen kann man als Zuseher nur profitieren.

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