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Lauf Monster Lauf

Oktober 30, 2008

Wenn ich erzählen würde, daß ich heute schon wieder in Eugen Onegin war, würde man mich vermutlich für bescheuert halten.

Ich war drin. Dabei konnte ich wirklich nichts dafür. Auf der Suche nach meinem Autoschlüssel nach Büroschluss fand ich gerade noch rechtzeitig ein Ticket für heute, das ich total vergessen hatte.

Wem wohl der Fahnen-Quatsch am Säulenportal des Nationaltheaters eingefallen sein mag? Statt der Drohung Wer schläft stirbt hat man neuerdings Lauf Monster Lauf aufgezogen. Sowas Blödes! Als ob das Haus das braucht. Mich können die jedenfalls nicht meinen. Hoffentlich sind die Fahnen kein schlechtes Zeichen für den näherrückenden Wozzek.

Jedenfalls kam ich heute nochmals in den Genuss des aussergewöhnlich attraktiven Pärchens Mariusz Kwiecien und Pavol Breslik. Vor allem im Zusammenspiel harmonierten sie grossartig. Auffällig war bei beiden die bestechende Phrasierung und auch ohne die russische Sprache selbst zu kennen und zu können hatte ich den Eindruck, beide verstehen, was sie singen. Da ich am ersten Abend zu sehr von der guten Leistung Pavol Bresliks gefesselt war, habe ich den Onegin von Mariusz Kwiecien vielleicht etwas zu wenig gewürdigt. Er hat eine sympathische Bühnenerscheinung, singt mit kraftvollem, schönem Bariton, den er nie eigennützig einsetzt. Drücker, Seufzer und Gesäusel waren nicht zu vernehmen. Cash on delivery, wenn man so will.

Ich bin ja nun keine Opernfreundin, die ausschliesslich wegen der Besetzung reingeht und bekennende Fans bereiten mir eher Unbehagen; bei Pavol Bresliks sehr lyrischem Lenski, wie er der Figur Charakter und Farbe verleiht, gerate selbst ich ins Schwärmen. Vergeht aber wieder, keine Sorge! Er ist der erste richtig gute Lenski, der in dieser Produktion zu sehen und zu hören war; vielleicht trägt auch das zu meinem Enthusiasmus bei.

Nebenbei bemerkt: Heute sass Tamara Iveris weinroter Plisseefummel bedeutend besser als am Wochenende, was sich unverzüglich positiv auf ihren Gesang auswirkte. Die lyrischen Passagen in der Briefszene gelangen nämlich ausserordentlich schön. Daß die Briefszene lange vor dem finalen Plisseefummel stattfindet, ist kein Widerspruch, sondern entspricht dem Ausdruck der Vorfreude auf ein einigermaßen passendes Gewand.

Und noch ein Nachsatz: Warum immer wieder ein paar Besucher nach dem Cowboybalett glauben buhen zu müssen, wissen sie wahrscheinlich selbst nicht. Erstens hört sie der Verantwortliche für die Szene nicht, denn der ist längst über alle Berge und an einer anderen Baustelle, zweitens geht es danach sofort musikalisch weiter und die Buhs stören einfach nur, weil sie unverzüglich die Bravo-Schreier aufwecken. Drittens ist gerade dieser Teil des Münchner Onegin das beste Teilstück der Inszenierung. Das aber ist nur meine unmaßgebliche Meinung, die eh keinen interessiert.

Vorsicht, der Eintrag enthält eine kleine Prise Ironie

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One Comment leave one →
  1. Juli permalink
    November 15, 2008 14:08

    Wer schläft stirbt war halt für McBeth, oder?
    Ich finde die Fahnen toll :).

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