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BSO 26.10.: Eugen Onegin

Oktober 26, 2008

Ein früher Vorstellungsbeginn am Sonntag hat den Vorteil, daß man früh wieder zu Hause ist. Trotz der Kinder in der Mittelloge bestätigte sich meine Befürchtung nicht, in eine Art Kindervorstellung geraten zu sein.

Es war ein erfreulicher Abend. Was der kleine Mann am Dirigentenpult aus dem großen Orchester rausholt, verdient wahrlich Bewunderung. Gerade in den Szenen vor der Pause, wo das Bühnengeschehen nicht gerade mitreissend ist, versteht es Nagano, die entsprechenden Stimmungen musikalisch zu erzeugen. Das fiel mir heute ganz besonders zu Beginn der Ballszene auf, wo man den sich aufbauenden Konflikt richtig fühlen konnte. Er wählt für Onegin ein sehr flottes Tempo, trotzdem hat man (ich) das Gefühl, mit der Musik „schwelgen“ zu können. Es ist für alles Zeit. Keine Ahnung, wie ich mein Gefühl anders beschreiben könnte. Dazu kommt, daß in Tschaikowskys Komposition sich so viele Details für die einzelnen Instrumentengruppen und Solisten finden, die Nagano delikat herausarbeitet. Toll!

Mariusz Kwiecien sang die Titelrolle mit sehr gut geführtem, rundem Bariton. Er besitzt zwar nicht die bezwingende Bühnenpräsenz von Volle, hat aber gerade die Duellszene und der sich anschliessenden Polonaise, während der sich Onegin in einer Art Trance befindet, sehr gut gespielt. Die erste Onegin-Vorstellung vor ein paar Tagen war sein Hausdebüt ebenso wie für Pavol Breslik, der den Lenski gab [Quatsch, der gab doch nicht sein Hausdebüt, den hörte ich doch erst vor ein paar Tagen als Narraboth und vor längerer Zeit in einer Entführung. Allerdings sang er so viel besser, dass es durchaus eines hätte sein können. Vielleicht ein Rollendebüt?] Bei Pavol Breslik also, der den Lenski sang, muss ich mich einhalten, damit ich nicht zu sehr ins Schwärmen gerate. Der Breslik hat zwar eine leichte Stimme, die aber trotzdem viel Kraft besitzt und dazu ein ausserordentlich schönes Timbre. Er hat mit einer Inbrunst und Hingabe gesungen, daß es eine Freude war und fand nach meinem Geschmack auf den Punkt den passenden Ausdruck für Lenski. Dafür hat er nach Nagano samt Orchester den stärksten Applaus eingeheimst. Sehr ordentlich gelang Steven Humes die schöne Arie des Fürsten Gremin.

Ursprünglich wollte ich nur über die positiven Eindrücke der Aufführung berichten, möchte aber doch anfügen, daß ich beim nächsten Onegin gerne wieder Herrn Guy de Mey als Monsieur Triquet möchte. Der Ulrich Reß kann’s zwar auch, aber nicht gut. Auch gegen Iris Vermillion als Larina hätte ich nichts einzuwenden. Eine etwas elegantere Tatjana wäre auch nicht schlecht, wenn man es schon nicht schafft, die Kostüme entsprechend der Figur anzupassen. Womit ich nichts gegen Tamar Iveris gute Figur gesagt haben wollte. Die Klamotten passen ihr halt nicht, vor allem nicht das Plisseekleid der Fürstin Gremin. Mit ihrem Stimmtimbre hatte ich meine Schwierigkeiten, und die erste Hälfte der Briefszene gelang ihr auch nicht recht, aber da stehe ich wohl ziemlich alleine mit meiner Meinung, manche fanden das ganz toll. Ein Brava-Brüller sozusagen.

Alles in allem war es ein höchst kurzweiliger Abend.

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