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Macbeth zum Letzten

Oktober 10, 2008

Wie wird uns diese Macbeth-Inszenierung in Erinnerung bleiben, wenn sie erst einmal abgesetzt sein wird? Als die Inszenierung mit dem Hund, dem schwebenden Tyrannen, den aufgehängten Nackerten, den halbnackert kondomkotzenden Luftgeistern, der hellbeigen Unterwäsche, der Lady mit dem muskulösen Rücken? Oder einfach als Biesl- und Bums-Macbeth? Wird sich überhaupt noch ein Schwein an diesen Macbeth erinnern, wenn er erst mal abgesetzt sein wird?

Ich war gestern nochmal da. Humor hatte ich eingepackt, allerdings in der Tasche steckenlassen, denn er wurde nicht benötigt. Ich verstehe jetzt den Einsatz der Kinder besser, da ich bei der Premiere den rechten seitlichen Bühnenteil nicht voll einsehen konnte. Mein Eindruck der Premiere bestätigte sich im Großen und Ganzen. Obwohl der Einsatz der Kinder aus dramaturgischen Gründen verständlich ist, ist er aus meiner Sicht in diesem Umfeld nicht angebracht. Man tritt nicht mit den Füssen nach Totenschädeln, auch dann nicht, wenn sie aus Plastik sind. Stärkste Momente fand ich in der Bankettszene und bei der parodisierten Trauergesellschaft. Allerdings finde ich das Abhacken der Szenen, das häufig durch „Klamotten an, Klamotten aus“ nötig wird, sehr störend. Sie wirken, unterstützt durch die wirre Lichtregie und den Einsatz des Stroboskops, wie Schlaglichter auf eine bestimmte Situation. Das gehört sicher zum dramaturgischen Gesamtkonzept, nur ich Dummerl kapiere es wieder nicht. All das könnte ich akzeptieren, wenn durch diese „Sketchhaftigkeit“ nicht auch der musikalische Fluss empfindlich gestört und aus dem Zusammenhang gerissen würde. Da kann sich Luisotti ins Zeug legen wie er will, in den kurzen Sequenzen kann nicht wirklich eine Einheit entstehen. Ich würde ihn gerne mal ein Stück ohne szenische Störungen dirigieren sehen und hören, um ihn besser einschätzen zu können. Denn eigentlich müsste der musikalische Eindruck auf mich viel nachhaltiger gewesen sein, nach dem, was aus dem Graben zu hören war und was man dort auch sehen konnte.

Gesanglich bleibt alles wie es war: Lucics Bariton gefiel mir besser als in der Premiere. Ich freue mich auf seine weiteren Rollen in München: Auch Pittas Macduff konnte man anhören. Seine Stimme ist hell timbriert und klingt leicht. Die Rolle lässt eine Beurteilung aber nicht wirklich zu. Scandiuzzis Stimme klang etwas rauh, über seinen Banco kann man trotzdem nicht meckern. Er hat übrigens als einziger Darsteller dem Dirigenten nicht applaudiert. Zufall?
Nadja Michaels Lady fehlt bei allem Wohlwollen der dramatische Stimmausdruck vor allem in der Schlafwandelszene. Und ihr Italienisch ist zum Weglaufen. Sie klingt in etwa so wie Gisela Schneeberger in Rimini.

Im Pausengespräch wurde gestern ab und zu an den „Affen-Rigoletto“ erinnert, der inzwischen dankenswerterweise entsorgt wurde. Ohne Kusejs Regietat abzuqualifizieren, denn ein paar Gedanken mehr als Dörrie hat er sich offensichtlich zu dem Stoff gemacht, hoffe ich inständig, dass die Abonnenten bald durchgeschleust und dass Europas Bustouristen möglichst bald und möglichst zahlreich hergekarrt werden, dann könnte das Teil nach 2 Jahren +/- in der Versenkung verschwinden. Ohne Not und ohne herausragende Besetzung werden wohl nur wenige Stammbesucher freiwillig zu Mehrfachtätern werden. Der Fairness halber sollte ich nochmals hinzufügen, dass andere Opernbesucher die Inszenierung wahrscheinlich ganz anders bewerten werden, doch wie ich schon mal schrieb, ich muss nicht alles gut finden, das möglicherweise gut gemacht ist.

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