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Kusejs Macbeth

September 30, 2008

Kusejs Macbeth, erste Neuinszenierung der Intendanz von (NiKo)Laus Bachler in München, wirft ihre Schatten voraus. Die sonntägliche Einführungsveranstaltung hörte sich zumindest in Teilen interessant an, und man darf gespannt sein, was dem Regisseur zur Thematik Machtgier und Kapitalverbrechen eingefallen ist. Kusej machte einen seriösen Eindruck; ich erwarte starke Bilder, wahrscheinlich abschreckende Handlungen; man muss sehen, wie die Umsetzung erfolgt und ob die Interpretation schlüssig ist. Wenn Kusej das Schreckenspotential der Handlung Macbeths ausschöpft könnte der balsamische Schöngesang Zeljko Lucics, der seine letzte Arie „Pietà, rispetto, amore“ bei der Einführung zum Besten gab, das richtige Pendant zu den Eindrücken sein. Frau Michael kann nach ihrem Auftriff am Sonntag eigentlich nur positiv überraschen (gesungen hat sie bei der Matinée nicht).

Indiskrete Zeitgenossen, die Zeit und Muse hatten, die heutige Generalprobe zu besuchen, plappern undiszipliniert und voreilig ihre Einschätzung aus, die man nach guter Sitte bisher bis zur Premiere eines Werkes für sich behalten hat. Aber wie es halt so ist, Sitten ändern sich. Trat der Herr Intendant früher gelegentlich im Schottenrock vor den Vorhang, darf man heute nicht überrascht sein, ihn im halboffenen Hemd und Händen in den Hosentaschen beim Moderieren einer Operneinführung anzutreffen. Ich nehme zumindest an, dass es sich um den Herrn Intendanten handelte, denn er hat sich nicht vorgestellt. Ehe gleich auf mich eingeprügelt wird: Ich habe nichts gegen legere Kleidung, auch nicht in der Oper. Allerdings finde ich einen solchen Auftritt des Intendanten auch heutzutage (oder gerade heutzutage) respektlos gegenüber der Kundschaft, die sich überwiegend angemessen bekleidet in das Haus begeben hat. Persönliche Vorlieben und Abneigungen notwithstanding. Wer in der teilweise englischsprachigen Einführung war, weiss was ich meine.
Die kritische Haltung gegenüber dem neuen Hausherrn wird zwar spätestens dann ins Gegenteil umschlagen, wenn die erste Saison erfolgreich verlaufen sein wird und hier vor allem die erste Premiere, was ich für uns Publikum sehr hoffe, und kein Schwein wird sich mehr um das äussere Erscheinungsbild des Herrn scheren. Ich selbst hoffe nur, der Erfolg beschert uns dann nicht Hausschuhe und Strickjacke bei allfälligen Ansagen vor dem Vorhang.

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