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Verdi in Hamburg: Don Carlos

September 23, 2008

Am Sonntag Abend besuchte ich dann Don Carlos, Peter Konwitschnys legendäre Inszenierung von 2001. So ganz genau wusste ich nicht, was mich erwarten würde, obwohl ich natürlich von der Inszenierung gelesen hatte. Bereits als mir der Programmverkäufer ein Flugblatt mit Verhaltensregeln für die erwartete Ankunft des spanischen Königs Philippe II und seiner Gattin während der Pause in die Hand drückte, vermutete ich, daß die Vorstellung anders als üblich verlaufen würde.

In der Rolle der Elisabeth war Danielle Halbwachs zu bewundern, offenkundiger Liebling des Hamburger Publikums. Sie fand makellose, wenn auch nicht engelsgleiche Töne für ihre Elisabeth. Ihre Stimme ist schön timbriert, wenn auch nicht unverwechselbar. Leichte Höhenschärfen trübten die sehr gute Leistung nicht. Nicht ganz so überzeugend wirkte Michelle Breedt als Eboli auf mich, allerdings fand sie stimmlich bei „don fatal“ zu großartiger Form.
In der Rolle des Carlos trat Jean-Pierre Furlan auf, dessen robuste Stimme gut ansprach, mir persönlich vom Timbre her nicht übermässig gefällt, die im Zusammenwirken mit George Petean allerdings sehr gut harmonierte. Hinzu kommt, dass Furlan auch spielfreudig ist, insgesamt war die Leistung sehr in Ordnung. Einen Klasse-Posa gab George Petean, den das Hamburger Publikum beim Schlussapplaus zwar freundlich aber nicht angemessen bedachte, wie ich meine. Mich hat seine Stimme begeistert; ich wünsche ihm eine gute Entwicklung in die Zukunft, damit ich noch oft in den Genuss komme, ihn zu hören. Peter Rose als Philippe II war für mich am ausdruckstärksten beim „Elle ne m’aime pas“, was nicht wundern mag. Was ich damit sagen möchte ist, dass er den Part der Darstellung der Zerrissenheit, der Zweifel und auch der Verfehlung Philippes am besten traf. Die Rolle passte auch hervorragend zu seinem Äusseren, wie ich finde. Gesungen hat er auch, zunächst etwas verhaltener, dann aber sehr eindringlich. Erwähnen muss ich unbedingt auch Tigran Martirossian, der in der Rolle des Mönchs seine sehr schöne Leistung vom Vorabend unterstrich.

Don Carlos liess mich als Zuschauerin nach fünf Stunden überwältigt zurück. Konwitschnys Inszenierung, die während des Autodafés die Zuschauer und Opernbediensteten in einer Weise in das Geschehen einbezieht, die ich mir vorher so nicht hätte vorstellen können, erzählt die Geschichte so spannend, dass man schier fassungslos ist über das Ausmass oder die Tragik der Niederlagen der Personen des Stückes, die am Ende entweder tot sind oder Verlierer. Die Inszenierung verstärkt diese Empfindungen. Einzig der Mönch, der mit seinem irdischen Leben abgeschlossen zu haben scheint – und auch wieder nicht, warum würde er sonst sein Pflänzchen giessen -, bleibt unbeschadet. Keine Minute der fünf Stunden hätte ich missen mögen, und am liebsten würde ich mir das Spektakel noch mal ansehen. Mit Ausnahme der Gestaltung von Ebolis Traum vielleicht, nur um auch etwas Kritisches anzubringen.

Mein Gesamteindruck des Abends war überwältigend, was ich neben der genialen Inszenierung und den Darstellern auf die musikalische Leitung des Abends zurückführe. Philippe Auguin führte gleichermassen Orchester, Chor und Solisten auf hohem Niveau durch den Abend, was ich in der Form selten erlebt habe.

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