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Staatsoper Unter den Linden: Tristan und Isolde

September 10, 2008

Daß ich gerade dieses Wochenende für meinen Berlin-Besuch wählte, lag an Tristan und Isolde. Ich hielt es für einen Glücksfall, daß ich eine Karte für diese Vorstellung kriegen konnte, in der nicht nur Daniel Barenboim dirigieren sollte, die noch dazu in Clifton Forbis einen Tristan aufgeboten hatte, der als ein führender Vertreter dieser Sängerklasse gilt, daneben eine Isolde in Katerina Dalayman, die ich zwar noch nie selbst hören konnte, von der man aber viel erwartete. Auch die übrige Besetzung schien vielversprechend. Es kam wie es manchmal kommt, Herr Forbis sagte ab und Robert Gambill wurde als Ersatz aufgeboten. Frau Dalayman sagte nicht ab wie im Vorfeld befürchtet, und ich selbst war voller Erwartung eines hoffentlich wunderbaren Opernabends. Vollkommen unerklärlich blieb mir, warum die Ränge der STOP fast leer blieben, da die Vorstellung als nahezu ausverkauft galt. Zwar hatten viele Besucher ihre Rangplätze gegen die vermeintlich besseren leeren Plätze im Parkett getauscht, dennoch: Tristan gibt es nicht alle Tage und in der zu erwartenden hohen Qualität schon gar nicht.

Die angesetzte Inszenierung ist für mich nicht mehr als die Umrahmung einer konzertanten Aufführung. Es tut sich nämlich ziemlich wenig. Das Bühnenbild besteht aus einer überlebensgroßen Plastik einer wie gestrandet liegenden nackten Frau mit großen Flügeln, von denen einer gebrochen ist. Alle Szenen finden auf oder unter der Figur oder um sie herum statt. Ich habe nicht nur die Symbolik nicht verstanden, sondern die Symbole noch nicht mal erkannt. Vielleicht kann mir jemand auf die Sprünge helfen.

Barenboims Dirigat ist leidenschaftlich und emotional, im zweiten Aufzug klang die Staatskapelle geradezu orgiastisch. Ich war wie elektrisiert.

Gesungen wurde im ersten Aufzug ganz ordentlich. Ich fand Robert Gambills Tristan recht solide, die Textverständlichkeit war sogar ausgezeichnet. An Katerina Dalaymans Stimme müsste ich mich erst gewöhnen, denn trotz wohltönender Mittellage klang einiges in der Höhe doch recht angestrengt, auch der Fluss fehlte mir ein bisschen. Gerd Grochowskis Kurwenal hörte sich vielversprechend an, und ich freute mich auf den weiteren Verlauf. Michelle de Youngs als Brangäne sprach mich dagegen zu Beginn weniger an, da war vieles ungenau und textunverständlich, und ihrem „Habet acht! Bald entweicht die Nacht“ fehlte jede Eindringlichkeit.

„Ob der Tenor durchhält?“, hatte ich meinen Sitznachbarn vor Beginn des zweiten Aufzuges gefragt, was dieser bezweifelte. Am Ende war ich es allerdings, die nicht durchhielt. Noch vor Ende des zweiten Aufzuges musste ich den Saal verlassen. Eine Fischgeschäft-Filiale mit Restaurant in Höhe der Spandauer Strasse hat mir durch einen heimtückischen Anschlag auf meine Gesundheit den Abend versaut. Sonntag abend und in der Nacht war ich viel zu krank um wütend zu sein. Heute bin ich stinksauer darüber, daß ich wegen schlechten Essens um den Genuss des Hauptzweckes meiner Reise gebracht wurde. Bei meinen Sitznachbarn in der Vorstellung und vor allen Dingen beim Personal im Foyer kann ich mich nur entschuldigen für die Umstände, die ich gemacht habe und die mir selbst nicht unangenehmer sein könnten.

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