Skip to content

Unter den Linden: Fidelio

September 9, 2008

Das Münchener Sommerloch und die eher öden Aussichten, die der Spielplan der bevorstehenden Opernsaison der Münchener Staatsoper eröffnet, waren Anlass für meinen kurzen Berlin Besuch am vergangenen Wochenende. Zum Auftakt gönnte ich mir Fidelio. Zwar bin ich bei der letzten Fidelio-Vorstellung in München nach dem ersten Akt weggelaufen, was nichts daran ändert, dass die Oper einer meiner allerersten Berührungspunkte mit Oper als Kind war, die mich nach wie vor anzieht, wenn auch heute häufig nach einem vorsichtigen Blick auf Besetzung und Inszenierung.

Mit Daniel Barenboim am Pult durfte ich endlich nach vielen halbherzigen Vorstellungen der letzten Jahre in München einen hochklassig interpretierten Fidelio erleben. Gerade bei diesem Werk, das man in München wenn schon dann mit klingenden Sängernamen besetzt, gleiche Sorgfalt aber nicht bei der Wahl der musikalischen Leitung walten lässt, hängt eben vieles vom Dirigenten und seiner Inspiration ab. Völlig zu Recht gehörten auch die Mitglieder der Staatskapelle beim Schlussapplaus mit auf die Bühne. Eine sehr passende Geste.

Waltraud Meier überraschte mich mit der besten Leonore, die ich von ihr gehört habe. Darstellerisch ohnehin immer überzeugend klang ihre Stimme in den Ensembles homogen und brillierte fast ohne Schärfe bei den Höhentönen ihrer großen Szenen. Das Bühnenbild der Berliner Inszenierung ist günstig für Johan Botha, dessen darstellerische Meriten leicht unter seinen gesanglichen einzustufen sind. Die Intensität seines „Gott! Welch Dunkel hier“ dürfte derzeit kein anderer Sänger erreichen. Allerdings beeinträchtigt die darstellerische Ausdrucklosigkeit seinen Vortrag doch erheblich. Ich denke, daß Waltraud Meier aus der sängerischen Kompetenz Johan Bothas Sicherheit für ihre eigene überragende Vorstellung gezogen hat. Wann hat man schon mal so einen Florestan!

Die Besetzungen mit Christof Fischesser als Rocco, Sylvia Schwartz als Marzelline und der Jaquino Florian Hoffmanns waren eine gute Wahl. Auch Hanno Müller-Brachmann hat mir als Minister gut gefallen, während Falk Struckmanns Pizzarro mich weder stimmlich noch darstellerisch überzeugte.

Ich kann mich an keine bessere Fidelio Vorstellung erinnern, die ich jemals besucht habe, mit Ausnahme natürlich meiner allerersten am Badischen Staatstheater in Karlsruhe vor rund 100 Jahren.

Advertisements
No comments yet

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: