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Schloss Pillnitz und seine Gärten

September 3, 2008

Pillnitz Wasserschloss

Pillnitz Wasserschloss

Nach einer abwechslungsreichen Fahrt durch Dresdner Stadtteile und Vororte, deren Namen mir alle auf -witz zu enden schienen wie Blasewitz, Tolkewitz, Loschwitz, Wachwitz, Leubnitz u.v.a.m. erreichten wir Pillnitz und sein Schloss, einstmals Sommerresidenz der sächsischen Könige. Der Fahrer des Rundfahrtbusses übernahm gleichzeitig die fachkundige Führer durch den Park.
Wir begannen unseren Rundgang beim Wasserpalais, das elegant und dekorativ am Ufer der Elbe liegt. Auch hier wie überall bei Königs ist vieles mit Gold geputzt, ergänzt von chinesischen Wandmalereien, für die es einen Fachausdruck gibt, der mir aber gerade entfallen ist.
Chinesische Graffiti am Wasserschloss Pillnitz

Chinesische Graffiti am Wasserschloss Pillnitz

Treppengeländerdetail am Wasserpalais Pillnitz

Treppengeländerdetail am Wasserpalais Pillnitz

Der Schlosspark ist nach englischer Art angelegt, ein Naturpark mit einer großen Vielfalt an seltenen Baumarten. Die besondere Attraktion ist eine mehr als 200 Jahre alte japanische Kamelie, für die neuerdings ein mobiles Glashaus bereitsteht, das in der kalten Jahreszeit über den Baum geschoben wird und die Besichtigung der Blüten ermöglicht. Früher hat man um den großen Baum im Winter ein Holzhaus gebaut, damit sie nicht erfriert und ihre Blütenpracht im Frühwinter bewundert werden kann. Vor allem der Landschaftsgarten beherbergt eine große Anzahl an Vögeln und fast zahmen Eichhörnchen, die hier ein Paradies vorfinden. Der Schlosspark beherbergt aber auch eine Anzahl von Spezialgärten wie die Heckengärten, die wie intime Wohnräume im Freien erscheinen.
Besonders gefallen hat mir auch der Fliederhof, dessen Fliederbäume etwas einmaliges darstellen, selbst wenn die Blütezeit für dieses Jahr schon lange vorbei ist. Da hatte ein genialer Gartenmeister vermutlich im 19. Jahrhundert die Idee, die Stämme dieses ganz normalen chinesischen Gartenflieder zu einem Drehwuchs zu verleiten, dessen Geheimnis man bisher nicht auf die Spur gekommen ist. Geht einer der Bäume also ein, dann ist er unersetzbar.
Besonders schön stelle ich mir die An- oder Abreise nach Pillnitz mit dem Schiff vor oder sogar beides. Wegen des niedrigen Wasserstandes der Elbe konnten leider keine Schiffe fahren. Auch hier sah man übrigens die Markierung der Wasserstände der Hochwasser, wobei ich das Ausmass der letzten Flut erst richtig ermessen konnte. Am Fernseher im warmen Wohnzimmer erlebt sich so etwas eben anders.
Ich kann mir gut vorstellen, welches Vergnügen Königs in diesem Lustkahn gehabt haben könnten. Wobei der König August ja wohl die Gräfin Cosel der Frau Königin vorgezogen haben soll, nach allem, was man so hört. Zumindest solange bis sie in Ungnade fiel und nach Schloss Pillnitz verbannt wurde. Leicht war das Leben für die offizielle Maitresse August des Starken sicher nicht. Das Schiff ist die einzig erhaltene Gondel der sächsischen Könige und stammt aus dem späten 18. Jahrhundert. Die Herrschaften liessen sich von Gondoliere von Dresden über die Elbe nach Pillnitz gondeln als wären sie in Venedig.

Was ich bei naturnahen englischen Gärten sehr mag ist der Übergang vom Naturgarten zur gärtnerisch gestalteten Anlage. Ganz häufig findet man dort Gewächshäuser. In einer königlichen Anlage standesgemäß die Orangerie. Auch hier. Wobei diese Orangerie sehr luftig wirkt trotz der geometrischen Architektur und der strengen Bepflanzung.

Aufgang zur Orangerie Pillnitz

Aufgang zur Orangerie Pillnitz

Blau habe ich als Farbe neben Gold in diesen Tagen auch häufig angetroffen. Im Garten hinter dem Zwinger gab es wunderschöne Agapanthen und auch hier. Ich habe sie früher mal selbst gezogen, allerdings wurden die Überwinterungs- maßnahmen bei zunehmender Pflanzengröße zu aufwendig und irgendwann waren mir die Kübel zu schwer, um sie in den Keller zu schleppen. Und so sind sie denn eines Winters erfroren. Die Pflanzen hier haben mir Lust gemacht, es wieder einmal zu versuchen.


Nach viel Natur und vielen Baumgeschichten näherten wir uns der Land-Seite des Wasserschlosses und schau an, da stand ein weiteres Schloss, ein Schlosszwilling sozuden. Das Wasserpalais war Königs wohl nicht genug, es musste auch noch ein Bergpalais her, auch wenn kein Berg zu sehen ist. Das Bergpalais ist äusserlich fast nicht vom Wasserschloss zu unterscheiden. Das Wasserschloss hat auf den Seitengebäuden drei Türmchen, während es beim Zwilling nur für deren zwei gereicht hat.
Das elbseitige Palais ist das ältere. Es entstand ca. 1720, während das Bergpalais ein paar Jahre später entstand. Im Schloss ist heute ein Museum, das ich aber nicht besucht habe, denn inzwischen hatte sich das Wetter deutlich gebessert und ich wollte den herrlichen Garten geniessen solange es gerade ging.

Wenn ich einmal reich wär

Wenn ich einmal reich wär

Im Schlossgarten Pillnitz

Im Schlossgarten Pillnitz

Zurück ins Heute ging es durch Weindörfer mit schönen Fachwerkbauten und die Dresdner Vororte mit berühmten Villen zur Baustelle der umstrittenen Waldschlösschenbrücke, gegen die Unermüdliche immer noch oder gerade wieder protestierten. Allerdings gestehe ich beim Überqueren des Blauen Wunders gedacht zu haben, dass gegen seinen Bau heute wohl auch protestiert würde. Und Ähnliches dachte ich am Abend vorher schon als ich die an exponierter Stelle der Stadt errichtete sogenannte Gläserne Manufaktur von Volkswagen gesehen hatte. Ich finde den Bau so geglückt, dass ich ihn mir irgendwann auch als Denkmal vorstellen könnte.

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