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Festspiele: Onegin für Alle

Juli 14, 2008

Eugen Onegin stand eigentlich nicht auf meinem diesjährigen Festspiel-Programm. Wegen des verregneten Wochenendes änderte ich meine Pläne, zumal für den Onegin noch Karten verfügbar waren, vermutlich wegen der Übertragung auf den Max-Joseph-Platz im Rahmen von „Oper für Alle“ und besuchte die Aufführung am Sonntag Abend.

Vorab ein Wort zum Staatsorchester, das unter Leitung von Kent Nagano wie ausgewechselt spielte. Keine Spur mehr von etwas müdem Noten-Abspielen wie noch letzten Freitag. Sehr gut gefiel mir die Bläsergruppe und die Bezeichnung „erdig“, wie jemand im Wagnerforum kürzlich den Klang der Streicher nannte, trifft genau, was ich beim Hören überwiegend empfand. Sehr schön.

In der etwas umstrittenenen Inszenierung von Krzysztof Warlikowski, die mir persönlich von Mal zu Mal mehr zusagt, sangen und spielten aus der Erstbesetzung Iris Vermillion die Larina und Elena Zilio die Filipjewna. Beide Sängerinnen lieferten treffende und witzige Charakterstudien ihrer Rollen. Auch Elena Maximova als Olga entsprach dem Regiekonzept, wobei mir persönlich ihr Timbre nicht sehr liegt. Tatiana Monogarova, deren Stimme mich etwas an Mirella Freni erinnerte, übernahm die Rolle der Tatjana. Die Briefszene gelang ihr ausgezeichnet, sehr lyrisch; der Gefahr des Zudeckens durch das Orchester zu Beginn hat sie sich gerade so entziehen können, aber immerhin. Rücksicht auf Sänger scheint Naganos Stärke nicht zu sein. Im Zusammenspiel vor allem mit Michael Volle war sie ausgezeichnet und zeigte keine Schwächen.

Guy de Meys Monseur Triquet war wieder tadellos und sehr ansprechend. Michael Volle sang den besten Onegin, den ich bisher von ihm hörte, kraftvoll bei Stimme und die Unsicherheit und Zweifel der Person verkörpernd, die der Regisseur vermutlich darstellen wollte. Marius Brenciu sprang als Lenski für Christoph Strehle ein. Seine Stimme ist nicht unbedingt schön zu nennen, auch klang die Höhe etwas gepresst. Lenskis Arie sang er allerdings ganz ordentlich. Fantastisch fand ich Günther Groissböck als Fürst Gremin. Leider hat er im Onegin nicht mehr zu singen.

„Oper für Alle“ fand ungeachtet der Wettersituation auf dem Max-Joseph-Platz statt. Schade für die Unverdrossenen, die sich vor der Grossbildleinwand wasserfest eingerichtet hatten. Schade auch für die Organisatoren, den Sponsor BMW, die Helfer, die Polizei, die soviel Aufwand betrieben und keine Mühe gescheut haben, die Veranstaltung zu organisieren.

Oper für Alle 2008 im Regen

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