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Festspiele: Norma 11.Juli

Juli 12, 2008

Einen erfreulichen Opernabend bescherte mir der Freitag im Münchener Nationaltheater bei meinem zweiten Anlauf zu Bellinis Norma. Eine seit letzter Woche gut erholte Frau Gruberova bewegte mich mit der Darstellung der Titelrolle in vielen Szenen: Die Szenen mit den Kindern, beim Geständnis Adalgisas, die Darstellung der enttäuschten und betrogenen Geliebten gestaltet sie sehr intensiv mit Stimme und körperlichem Ausdruck. Ausgesprochen stark fand ich gestern auch das Duett mit Pollione „In mia man alfin tu sei“, und immer wieder grandios finde ich die Schlussszene ab „Son io“. Die Pause danach lässt mir buchstäblich den Atem stocken. Dass der Schöngesang gelegentlich zugunsten des Ausdruckes etwas zurückbleibt, ist kein Manko für Edita Gruberovas Norma, denn an schönen Übergängen, Piani und reinen hohen Tönen lässt sie es nach wie vor nicht mangeln.

Die starke Vorstellung der „Primadonna assoluta“ trübte in keiner Weise den Glanz, den Elina Garancas Adalgisa dem Abend bescherte. Ich hatte schon zur Vorstellung letzter Woche geschrieben, wie auffallend schön und kultiviert ich Garancas Stimme fand. Im Duett mit Pollione dramatisch, etwas reserviert zunächst bei dem Geständnis, der Zusammenklang mit Edita Gruberova beim „Mira o Norma“ ganz innig und warm – viele Attribute der Stimme einer Sängerin, die wir hoffentlich nach diesem Auftakt noch oft in anderen Rollen in München hören werden.

Zoran Todorovich als Edita Gruberovas Pollione vom Dienst mache ich heute ein ehrlich empfundes Kompliment. Nach protzig durchgebrüllten und durchgeschluchzten, unsensiblen Abenden war schon letzte Woche zu bemerken, dass er auch zu empfindsameren musikalischen Momenten fähig ist. Offenbar handelt es sich um eine dauerhafte Entwicklung seiner Gesangstechnik und so fand ich seinen Pollione gestern aussergewöhnlich gut. Ich hoffe, dass er diese Richtung fortsetzt.

Einmal mehr erfreulich war die Begegnung mit Roberto Scandiuzzi als Oroveso, der die Zweifel und Leiden, die er als Normas Vater durchzustehen hat, mit stimmlichen und darstellerischen Mitteln bewegend verkörperte.

Markus Herzog sang einen guten Flavio und selbst Cynthia Jansen in der Rolle der Clotilde darf bei der glanzvollen Sängerschar nicht unerwähnt bleiben.

Solide, aber auch nicht mehr, das Staatsorchester unter Stefan Reck.

Die Festspiele sind zwar eine musikalische Veranstaltung, die allerdings auch weiteren Zwecken dienlich ist. Nicht zuletzt bieten sie den Rahmen, die unverzichtbaren Sponsoren aus der Wirtschaft angemessen zu würdigen, was durch das Bereitstellen von Eintrittskarten geschieht. Ob Horst Köhlers Besuch einem solchen Anlass diente weiss ich natürlich nicht. Er und seine Frau besuchten die Vorstellung jedenfalls, und sie schwitzten ob unzulänglicher Klimaanlage wie unsereins und fächelten mit dem Abendprogramm vergeblich um etwas kühlere Luft. Der unaufdringliche Auftritt der beiden Personen, von denen die eine immerhin das Staatsoberhaupt meines Landes ist, liess mich daran denken, welch in Brimborium man darum hätte machen können und woanders auch macht und dass ich ganz zufrieden bin mit dieser Repräsentation Deutschlands (zumindest am gestrigen Abend).

Als Brimborium entpuppt sich hingegen mehr und mehr der Auftritt einer Fangruppe von Edita Gruberova, die nach der Vorstellung wieder ein buntes Transparent vor der Bühne entrollte. Als Hinweis auf die mangelnde Würdigung des von der Bayerischen Staatsoper verschlafenen Bühnenjubiläums von Frau Gruberova fand ich die Plakat-Aktion ganz adäquat. Ob man allerdings der Künstlerin Edita Gruberova bei aller Verehrung mit solchen und ähnlichen Groupy-Aktionen gerecht wird, erscheint mir doch fragwürdig.

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