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Nairobi Outskirts: Eastlands – Kayole – Soweto

Juli 8, 2008

Nairobi hat viele Gesichter. Anfangs mochte ich die Stadt nicht. Die Innenstadt kam mir vor wie eine beliebige Stadt, irgendwo, und die besseren Quartiere kamen mir vor wie Ghettos. Ob all diese Verbarrikadierungen in dem Ausmaß nötig sind? Keine Ahnung. Es verbarrikadieren sich Einheimische, die es sich leisten können, ebenso wie die importierten Europäer, Amerikaner, Armenier und Chinesen etc. (bei den letzteren nehme ich es an). Leben hinter Gittern gehört in diesem Land anscheinend zum Lifestyle.

In diesem Jahr war ich mehrmals im Westen der Stadt, wurde durch gute und bessere Wohngegenden gekarrt, was ich ganz interessant fand. Wohnen möchte ich dort allerdings nicht. Eines unserer Ziele war das Sarit-Centre, denn das dort ansässige Textbook Centre hat im Gegensatz zu der Stammfiliale in der Stadtmitte auch am Samstag und am Sonntag geöffnet. Während es im Schulbuchladen im Zentrum gemächlich zugeht, Zeit zum rumschauen und sich zu unterhalten bleibt, während die gewünschten Bücher zusammengesucht werden, ist im Sarit alles etwas unpersönlicher. Dafür geht es auch schneller. Selbst das Bezahlen mit der Kreditkarte wird selbstverständlich akzeptiert, während ich vor ein paar Jahren im Zentrum bei meinem ersten Einkauf noch meinen Pass zeigen musste. Im Sarit-Centre gibt es alles, was ein europäisches Herz begehrt, zu ebensolchen Preisen. Frisch gemachtes Eis auf italienische Art zum Beispiel, wie ich es in letzter Zeit in Italien nicht besser gegessen habe, aber das nur nebenbei.

Was soll ich sagen. Ich war jedesmal froh, wenn wir die feine Gegend der Botschaften, NGOs, Villen und 4WD verliessen und Richtung Osten fuhren. Dorthin wo die Matatus sich an den Roundabouts gegenseitig behindern, dorthin wo die Passagiere ihre Busse ganz selbstverständlich anschieben, dorthin wo die Toyatas scheppern und Spitzendeckchen auf dem Amaturenbrett die Löcher verdecken, dorthin wo wo es chicken und chips gibt. Dorthin, wo richtig Leben ist.

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Unseren mittäglichen Hunger gestillt haben wir natürlich nicht in den feinen Westlands, sondern dort, wo wir uns auskennen und sicher sein können, zu reellen Preisen zu bekommen, was wir erwarten.

Apropos chicken and chips: Man kann die Kalorien der Riesenportionen, die man bei Whimpy’s bekommt, in der Hüpfburg vor dem Lokal abarbeiten, falls man sich nicht mindestens die Hälfte einpacken lässt (was jeder macht, denn die Zuhausegebliebenen wollen auch gerne kosten – eine ausgesprochen liebenswerte Sitte der Leute dort). Oder man kann sich die Hälfte einpacken lassen und trotzdem durch die Hüpfburg toben, während man ältere Kaliber mal eben kurz deponiert.

Die Umgebung des Kwa Watoto Schulzentrums hat sich im letzten Jahr wiederum verbessert nach meinem Eindruck. Zwar sind die „Strassen“ in Soweto noch immer indiskutabel und bei Regen unpassierbar, dennoch ist eine Art Aufbruchstimmung zu spüren. Möglicherweise Zweckoptimismus, denn das Leben ist durch die galoppierende Inflation (34 % zur Zeit der budget speech im Juni) noch schwieriger geworden.

Dennoch habe ich letzte Eindrücke von der Umgebung der Schule vom Balkon vor der Bibliothek mitgenommen. Wer weiss, wann ich wieder hinkommen werde. Hier ein Blick über das Nachbargrundstück mit den Hütten zur Wasserpumpe und den großen Tanks, die neben der Schule die Boardinghäuser mit Wasser versorgen. Finanziert wurde die Anlage durch die amerikanische Warmhearts Foundation. Da das öffentliche Netz nicht für die Versorgung der Bevölkerung ausreicht, wird das geförderte Wasser an die Nachbarn verkauft, womit die Energiekosten für die Förderung und die Instandhaltung der Pumpenanlage finanziert werden.

Kurz hinter der Schule ist Nairobi zu Ende. Hier ein Blick auf neue Klassenräume für die Vorschule, die auf das bestehende Gebäude aufgestockt werden. Die Finanzierung erfolgte ebenfalls durch die amerikanische Warmhearts Foundation .

Eine andere Perspektive der neuen Klassenräume. Es ist ein abenteuerliches Treppauf/Treppab, wenn man die unterschiedlichen Klassenzimmer erreichen will, wobei man echt aufpassen sollte, ob man da, wohin man zu treten beabsichtigt, auch auf eine Stufe trifft. Die Stufen sind aufregend unproportioniert, wenn man baurechtmäßig genormte Stufenabstände gewohnt ist.


Ein Blick über die Dächer von Soweto und den Wassertank des Boardinghouses der Warmhearts Foundation, in dem ca. 15 Kinder leben.
Die kenianische Flagge im Schulhof steht auf Halbmast. Anlass war die Staatstrauer anlässlich des Flugzeugabsturzes, bei dem ein Minister und eine Ministerin, der Pilot und eine weitere Person ums Leben kamen.

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