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Festspiele: Tristan und Isolde (2.)

Juli 4, 2008

Heute war ich nun auch im Tristan. Ein Jammer, was ich durch mein spätes Anfangen mit Richard Wagner versäumt habe. Ich werde es vermutlich mein Leben lang nicht aufholen können.

Kent Naganos Interpretation von Tristan und Isolde war auch in dieser Aufführung fesselnd und mitreissend. Das Orchester zeigte die Qualitäten, die es sich unter seiner Stabführung erarbeitet hat: Transparenz der Instrumentalstimmen, ohne die Eindringlichkeit des Ausdruckes zu schmälern oder sich einer Linie hinzugeben, ohne das Tempo zu verschleppen beispielsweise. Nagano war heute überaus flott unterwegs, vor allem im zweiten Aufzug, der gute fünf Minuten eher zu Ende war als gewöhnlich, Hast habe ich allerdings nicht bemerkt. Er baut kleinere Spannungsbögen innerhalb der Szenen und einen großen innerhalb des Stückes, der sich entwickelt aus dem eher verhaltenen Vorspiel und einmündet in die finalen Szenen des letzten Aufzuges.

Waltraud Meier soll im ersten Festspiel-Tristan eine geradezu sensationell feine Isolde gesungen haben. Das hat die Ausnahmesängerin heute auch, obwohl mir schien, dass sie im ersten Akt mit den hohen Tönen etwas zu kämpfen hatte. Wie sie sich mit Verve in diese Rolle einbringt und ohne jede Absicherung singt, verdient höchsten Respekt. Vermutlich tut sie genau das Gegenteil, um ihre unglaubliche Bühnenpräsenz zu erzielen, aber die Wirkung auf mich ist eben so. Eine Isolde zum Niederknien.
Ich kenne keinen anderen Tristan als John Treleaven, der die Rolle in München innehat. Schön singt er nicht gerade, auch die vokalen Verfärbungen nehmen zu, aber er steht die Partie voll durch bis zum tragischen Ende, und sein Tristan rührt einen an. Die langen Fieberfantasien und das endlose Warten auf Isolde fand ich sehr bewegend. Einen überraschend guten König Marke sang und spielte Jan-Hendrik Rootering. Damit hatte ich nicht unbedingt gerechnet.
Michael Volle gab wieder einen tollen Kurwenal, trotz eines schweren Texthängers im letzten Aufzug. Sein Tristan! Trauter! Schilt mich nicht, daß der Treue auch mit kommt! war überwältigend – auch ein Leben für die Liebe. Als Brangäne hätte ich mir Daniela Sindram gewünscht wie in meinem allerersten szenischen Tristan, denn Michelle DeYoung konnte erst im letzten Aufzug mit den hochklassigen Leistungen ihrer Kollegen mithalten.

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