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Was macht das Apfelmus in Soweto?

Juni 24, 2008

Es nahm den Weg alles Irdischen, nehme ich mal an. Auch wenn es überirdisch schmeckte oder gerade deshalb.

Auch wenn mein Aufenthalt in Nairobi dieses Jahr eher den „Großen“ unter den Patenkindern galt, freute ich mich besonders auf die Kinder in Kwa Watoto Centre und natürlich auf meine eigenen Patenkinder, deren Zahl letztes Jahr gleich um deren drei angewachsen ist. Geschenke und Mitbringsel sind immer eine etwas heikle Angelegenheit. Erstens sind „wir“ so viele Kinder und es fallen bei einem Besuch immer lebenwichtige Dinge an, deren Anschaffung keinen Aufschub duldet und zweitens gibt es viele Schulkameraden, die keinen Besuch erhalten oder die viel schlechter als wir selbst dran sind. Persönliche Geschenke gibt es also wenige bis gar keine. In diesem Jahr habe ich gemeinsam für Esther und ihre Geschwister ein dickes Fotoalbum mitgebracht und es mit Fotos meiner und anderer Paten vorjähriger Reisen gefüllt. Ein Geschenk, an dem sich auch die Freunde freuen können, wie man sieht.

Für Esther hatte ich allerdings ein kleines privates Geschenk im Gepäck. Nachdem ich das selbstgekochte Apfelmus während des Winters selbst vertilgt hatte, musste ich mir kurzfristig etwas einfallen lassen, um die Neugier der jungen Dame zu befriedigen.

Ohne Schmarrn – ich habe vor meiner Reise wochenlang die unterschiedlichsten Apfelmusmarken getestet, um mich dann letzten Endes für das Odenwald Apfelkompott (wahrscheinlich auch so eine EU-Benennung wie Konfitüre) zu entscheiden. Nicht zu süss, nicht zu sauer, apfelig eben. Wegen der restriktiven Gepäckpolitik (Scheiss Condor) konnte ich nur ein kleines Glas mitnehmen. Dieses flog nach Mombasa und reiste von dort per Zug nach Nairobi.

Nachdem der „inner circle“ probiert und das Zeug für gut befunden hatte, machte sich William in einem unbeaufsichtigen Augenblick über das Glas. Allerdings nicht lange.


Esthers Schwester schaut noch etwas skeptisch und spürt dann dem „apple taste“ nach. Wie soll man Apfelmus bewerten, wenn man Äpfel nur vom Foto kennt.

Alle wollen vom Apfelmus probieren und Esther gibt so vielen Kindern wie möglich ein bisschen Apfelmus in die Hand zum Aufschlecken.

Da ich die größte Geburtstagsvergesserin vor dem Herrn bin, hatte ich mir gedacht, wir könnten eine Geburtstagsfeier für meine Kwa Watoto Patenkinder an einem Tag zusammen feiern. Damit wären meine Glückwunschschulden mit einem Wisch vom Tisch und die Kinder könnten das Geschenk mit ihren Freunden teilen. Ich hatte keine Ahnung, wie ich es bewerkstelligen könnte und alle 600 Kinder aus Kwa Watoto konnte ich natürlich nicht einladen. Also lag der Gedanke nahe, es in dem Boardinghouse zu machen, in dem Esther und ihre Schwestern leben. Glückspilz der ich bin, lief mir am ersten Sonntag in Nairobi die Hausmutter des Lambathouse über den Weg, und ich fragte sie, ob man ein kleines besonderes Mittagessen für die Hauskinder organisieren könne. Alle Kinder lieben Chapati und Chicken, sagte sie mir und so war es auch gleich beschlossen und vereinbart, dass sie am nächsten Morgen mit der Chapati-Produktion beginnen würde und ich am späten Vormittag die Chicken bringen sollte. Wie so oft hätte ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Rose klärte mich mal eben nebenbei darüber auf, dass im Lambat ca. 50 Kinder leben, darunter nicht nur völlig mittellose Kinder, sondern auch solche, deren Eltern die Gebühren bezahlen. Nun war es aber schon so und ausladen geht ja überhaupt nicht. Wie sich nachher herausstellte, war das auch gut so, denn diese etwas besser gestellten Kinder und deren Eltern helfen den anderen häufig, wenn Not am Mann ist.

Drei Mamas waren in der kleinen Küche seit morgens damit beschäftigt, Chapati herzustellen. Rose und ich waren zwar in Telefonkontakt mit ihnen, kamen aber von zuhause nicht frühzeitig weg. Matatu fahren wurde uns nicht erlaubt (für mich angeblich zu gefährlich – so ein Quatsch), also mussten wir warten, bis der Chef mit seiner Arbeit so weit war. Kurz vor Mittag erfuhr ich dann, dass es nun zu spät sei für lebende Hühner (dachten sie etwa, ich könne die Viecher schlachten?) und dass man jetzt tote Hühner kaufen müsse. Wir kauften also 6 Hühner, (zu meinem Erstaunen bereits gerupft, allerdings hätte mich nichts schrecken können, denn ich war auf alles gefasst), Zwiebeln, Tomaten, 20 Liter Limo, viele Karamelbonbons und fuhren in die Schule. Dort erfuhren wir, dass aus unserer Lunchparty nun eine Dinnerparty werden musste. Die Kinder habe man inzwischen mit Chapati zu Mittag ruhig gestellt. Aber Vorfreude sei sowieso die schönste Freude. Die Frauen hätten Grund gehabt, richtig sauer auf uns zu sein wegen unserer Verspätung, nebenbei bemerkt.

Endlich war es soweit. Alle bekamen reichlich Chapati und mindestens ein Stück Huhn mit reichlich Sosse.

Ich natürlich auch.
Da drinnen nicht für alle Platz war, assen viele vor dem Haus. Nachbarskinder, die hungrig oder gelüstig schauten, bekamen natürlich auch ein Stück ab und Limo war auch genügend da.

Zwei Geniesserinnen.

Alle pubertäre Coolness ist vergessen, wenn es gutes Essen gibt.

Auch wenn ich gerade nicht wusste wohin mit den fettigen Chapati-Fingern: es war einer meiner schönsten Geburtstage – obwohl gar nicht mein Geburtstag war.

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