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Zuerst das Schreckliche

Juni 22, 2008

Nach der Begrüssung alter Freunde und Bekannten in Nairobi galt mein erstes Interesse der St. Mathew Secondary School, die kürzlich abgebrannt ist und die von einigen meiner Patenkinder und den Boy House Jungs besucht wird. Zwar wurde mir in Mombasa bereits vieles darüber berichtet. An Ort und Stelle zu stehen und das Ausmass des Unglückes zu erkennen, ist dann doch etwas anderes. Die Zerstörung durch das Feuer war schlimmer, als ich es mir vorgestellt hatte, zumal auch die Berichte aus Nairobi nach kurzer Zeit etwas beruhigender geklungen hatten, so als habe man die Lage im Griff. Hinsichtlich des Umgangs mit der Katastrophe trifft das wohl auch zu, denn der Unterricht läuft inzwischen geordnet und es sind auch alle Schüler untergebracht. Die Lebensumstände und das Arbeitsumfeld der Schüler und Lehrer allerdings erscheinen mir katastrophal.

Bewunderswert ist es allerdings, wie man versucht, das Unglück zu bewältigen. Nach der immer noch laufenden Schadenaufnahme werden gleichzeitig Möglichkeiten gesucht, den Wiederaufbau der Schule zu ermöglichen, wobei erfreulicherweise auch lokale kenianische Firmen und Institutionen um Unterstützung gebeten werden. Andererseits muss man den jetzigen Schülern, vor allem den diesjährigen Absolventen, die Möglichkeit einer guten Ausbildung bieten und ihre Chancen auf einen guten Abschluss erhalten. Es erfordert psychologisches Gespür und mentale Stärke, den Schülern die Gewissheit zu vermitteln, dass eine vermeintliche Katastrophe eine Herausfordung ist, die – wenn angenommen und bewältigt – Kräfte freimachen kann, die man bisher in sich nicht vermutete. Die Schulleitung achtet nach einer kurzen Karenzzeit auch jetzt bereits wieder sehr auf Disziplin und Pünktlichkeit. Auch auf persönliche Hygiene wird trotz der erschwerten Umstände grosser Wert gelegt. Normalität in möglichst vielen Bereichen wird angestrebt. Meine Bewunderung für Schulleitung und Lehrer ist gross.

Der Anblick der verbrannten Aufzeichnungen und Bücher hat mich nach vielen Gesprächen mit Jugendlichen am meisten deprimiert, vor allen auch mit den Boy House Jungs, die mich natürlich gleich aufsuchten. Tausende ordentlich und weniger ordentlich geschriebene Aufzeichnungen über das Gelernte, unverzichtbar für die eigene Stoffwiederholung. Ein Lehrbuch kann die eigenen Aufzeichnungen nicht ersetzen.

Chronistenpflicht folgend habe ich ein paar fotografische Eindrücke der Unglücksstelle auf einer eigenen Seite zusammengestellt. Ich selbst habe den traurigen Ort in der Folge gemieden, wann immer ich ihn meiden konnte und ich hoffe sehr, dass sich der Wiederaufbau ermöglichen lässt.

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