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Steh‘ auf und geh‘!

Mai 14, 2008

In diese schöne Schule geht ein Teil meiner Patenkinder und alle Boyhouse-Jungs. Sie liegt in einem östlichen Stadtrandbezirk Nairobis, Kayole, wurde von einer italienischen Organisation finanziert und 2006 eröffnet. Sie beherbergt die 4 Jahrgänge der St. Mathew Secondary School und damit ca. 500 Schüler, die aus armen und ärmsten Verhältnissen kommen. Eine größere Anzahl hat deutsche Schulpaten über den Verein Harambee Kwa Watoto e.V.

Am Pfingstsonntag ist die Schule abgebrannt.

Im linken Flügel befindet sich links die Schulküche und daran rechts anschliessend das Labor für die naturwissenschaftlichen Fächer, das der deutsche Verein Harambee Kwa Watoto e.V. durch eine großzügige Spende der Reinhold-Beitlich-Stiftung Tübingen einrichten konnte.
Im rechten Flügel hinten befand sich ein großer Schlafsaal für ca. 60 männliche Jugendliche; die Mädchen schlafen ausserhalb der Schule in einem anderen Haus. Das Feuer hat sich vermutlich im Jungen-Schlafsaal entzündet und von dort auf das gesamte Gebäude übergegriffen. Zum Zeitpunkt des Brandes befanden sich die Jungs ausserhalb der Schule, so daß wenigstens niemand verletzt worden ist.

Das gesamte Gebäude hat keine feste Decke sondern nach afrikanischer Art und vemutlich auch aus Kostengründen eine nach oben offene Dachkonstruktion, so daß sich das Feuer schnell und ungehindert wegen der vorhandenen Luftzirkulation ausbreiten konnte. Das Feuer vernichtete die gut ausgestattete Lehr-Bibliothek, das Labor, den überwiegenden Teil der Schulbänke. Das Blechdach ist zum Teil eingestürzt oder einsturzgefährdet.

Mit diesen Worten hat mich Rose, eine letztjährige Absolventin der Schule am Montag früh danach unterrichtet:

    Surely it is so painful for the accident we got yesterday.I had to tell you this yesterday. But i lacked the strength. St. Mathew, the one along the Kangundo road, burnt down yesterday.The fire started in the boys dorm when the students were in the meeting. No student was in the dorm. Everything was burnt down including all classes,all desks,the library plus the books,the lab plus all the acids, a few were saved. No one was hurt.This all i have for today have a nice day mum.

Zunächst empfand auch ich nur lähmendes Entsetzen. Alles was wir deutschen und internationalen Schulpaten mit den Verantwortlichen vor Ort in den letzten Jahren aufgebaut hatten, hatte das Feuer mit einem Schlag vernichtet. Dass das Gebäude nicht versichert war, sei nur am Rand bemerkt, woher sollte auch das Geld für die Prämie kommen.

So sah es unmittelbar nach dem Brand vor dem Schlafsaal aus. Das waren einmal ca. 35 Stockbetten, Matratzen und die persönliche Habe der Jungs, darunter auch die Unterkunft der Boyhouse-Jugendlichen. Es ist alles verbrannt. Die Jungen wurden in der Nachbarschaft untergebracht. Auch heute noch schlafen viele unter freiem Himmel. Matratzen sind noch nicht da.

Es gibt eine große Anzahl 12.Klässler (sog. Form Fours), die im Herbst ihr Abitur ablegen sollen. Darunter auch 5 meiner eigenen Schützlinge aus dem Boyhouse. Wie mir der Direktor der Schule heute gesagt hat, versuchen die Lehrer, diese Schüler zu ermutigen, etwas Positives aus ihrem verfahrenen Prüfungsjahrgang zu ziehen. Zuerst die Schwierigkeiten im Zusammenhang mit dem Nachwahl-Konflikt und nun das Feuer! Da liegt Resignation sehr nahe, zumal die Schüler auf gute Noten angewiesen sind um weiterzukommen. Wenn die Verantwortlichen es schaffen, die Kinder (und das sind sie ja noch, auch wenn man sie students nennt) aufzurichten und zu motivieren, gute Leistungen zu bringen – was soll sich diesen Jugendlichen dann eigentlich noch in den Weg stellen.

Trotz des Brandes findet Unterricht statt. Die unteren Klasse werden in den beengten Räumen der Kwa Watoto Primary School in Soweto unterrichtet, wo sich ein Ableger der Secondary School befindet, allerdings ohne Infrastruktur, die einen Unterricht auf Dauer für so viele Schüler gewährleisten könnte.

Ich habe gestern versucht, meine kurz bevorstehende Kenia-Reise zu stornieren, weil ich das Geld dafür gerade anders besser verwenden könnte und weil ich auch niemand durch dummes Herumstehen im Weg sein möchte. Das war vorhersehbar kurzfristig leider nicht möglich. Wie mir heute gesagt wurde, möchte man mich gerade jetzt dort sehen.

Stand up and go! Wangari Mathais Motto aus ihrer ersten Abgeordneten-Kandidatur kam mir ziemlich schnell in den Sinn nach dieser Schreckensnachricht. Jammern hilft nichts. Nach der erfolgten Bestandsaufnahme wird die Schulleitung entscheiden müssen, wie es weitergehen soll. Aufgeben wird man sicherlich nicht.

So sieht das auch Rose, die mir heute schrieb:

    Slowly we are cooling down now.

Falls jemand meiner Leser(innen) den dringenden Wunsch nach weiteren Informationen hat oder sich an Hilfsmaßnahmen beteiligen möchte, darf man sich gerne per email bei mir melden.

Neben der großen Aktion des Wiederherstellung des Gebäudes, die man erst nach Vorliegen seriöser Einschätzungen und Planung in Angriff nehmen sollte, brauchen die Kinder Matratzen, Hygieneartikel, Schulbücher, Hefte, Stifte, Unterhosen, Uniformen oder Zivilkleidung, Rucksäcke, Metallkisten für ihre Sachen. Später auch wieder Bettgestelle etc.

Kontakt: boyhouse (at)t-online.de

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