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Il Barbiere di Siviglia

April 29, 2008

Die Besetzung des Figaro aus dem Hausensemble ist nicht gerade alltäglich für die Staatsoper München. Der Abend bescherte uns Nikolay Borchev in seinem erfolgreichen Hausrollendebüt. Der sehr spielfreudige sympathische Sänger gab einen (logisch!) sehr jungen, überaus agilen Figaro. Sein warm timbrierter, beweglicher Bariton hat mich auch in der großen Rolle gestern begeistert. Er wird sich und seine Stimme sicher noch weiterentwickeln und dann wird man auch die Teile der Partie hören können, die gestern durch das Orchester etwas überdeckt wurden. Ein gelungener Auftritt von Nikolay Borchev.

Dass die Oper „Barbiere“ heisst und nicht „Lindoro“ schien Antonino Siragusa niemand gesagt zu haben. Auch er war in Spiellaune, sang auch das Ständchen sehr schön. Ansonsten ist er nicht ganz mein (Sänger)Fall. Seine Stimme war im Verhältnis zu Borchev zu dominierend und klang in den schnellen Passagen für meine Ohren wie Gemecker. Mi dispiace, aber ich dachte den ganzen Abend an Ziegen. Abgesehen davon spielte er sich zu oft in den Vordergrund.

Maurizio Muraro ist auf Rollen wie die des Don Bartolo abonniert und bewältigte sie gewohnt routiniert. Grosser Beifall für Paata Burchuladze, der Mann mit schwarzer Kutte und schwarzen Os, für seine Darstellung des Basilio. Viel Applaus auch für die Berta von Lana Kos.

Für das brillante Styling der Abendfrisur sorgte aber nicht der Barbier sondern Vesselina Kasarova. Ihre Rosina ist hinreissend jung (ja) und listig. Stimmlich verleiht sie ihr neben allem Augenzwinkern aber auch ein tiefes Gefühl, das die Mozart-Rosina erahnen lässt. Ihre ausdruckstarke ungewöhnliche Stimme hat mich einmal mehr begeistert. Ich fand überhaupt diese junge Besetzung, vor allem den sehr jungen Figaro, sehr passend, gerade auch wenn man Mozarts Nozze als eine Art Fortsetzung der Geschichte betrachtet und dort die Charaktere etwas gereifter wiedertrifft.

Ein gelungener Abend, den Andriy Yurkevych gelassen aber recht schwungvoll leitete. Er erhielt nicht sonderlich viel Applaus, ich empfand sein Dirigat aber als sehr gut. Das Orchester war sehr konzentriert bei der Sache. Und auch meine Lieblingsklarinette kam wieder zum Einsatz (vielmehr die Frau an meiner Lieblingsklarinette, denn die Lieblingsfrau an der Klarinette geht ja in dem Fall nicht). Egal, sie hat jedenfalls wieder toll gespielt.

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