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AEtna

April 18, 2008

Ein erster Blick aus dem Fenster nach dem Aufstehen verhiess zwar warmes Wetter aber nicht unbedingt klare Sicht. Seine Eminenz, der Vulkan, hüllte sich in Wolken. Sei’s drum. Um halb zehn sollte ich abgeholt werden. Der Verkehr liess es etwas später werden, als der Jeep eintraf, bereits besetzt mit vier Leuten aus vier Ländern plus unserem Bergführer und Fahrer. Bergtouren in den Gipfelbereich sind zur Zeit für „Normaltouristen“ nicht möglich, da oberhalb von 2500 Metern noch zu viel Schnee liegt, der erst in den nächsten Wochen geräumt werden wird. Es sollte deshalb an spektakuläre Plätze an der Nordflanke des Aetna gehen.

Wir hatten die Rechnung ohne Lo Scioppero gemacht. Dieses Ärgernis sucht inzwischen nicht nur die Italiener regelmässig heim. Heute streikten die Lastwagenfahrer gegen zu hohe Spritpreise – höchst unspektakulär, dafür äusserst wirkungsvoll. Sie stellten ihre Fahrzeuge quer, sperrten die Autobahn und brachten damit den gesamten Verkehr auch auf den umliegenden Staatsstrassen zum Erliegen. Zum Verkürzen der Wartezeit parkte Giuseppe seinen Jeep am Wegesrand und gab uns eine Theoriestunde in Vulkankunde. War auch ganz interessant. Zum Glück ging es nach langer Zeit dann doch plötzlich und unerwartet weiter.

Unser erstes Ziel war der Piano Provenzana, Schauplatz einer großen Eruption im Jahr 2002, als der Lavastrom sich in einer Breite von etwa 200 Meter über Schutzhütten, touristische Einrichtungen ergoß und die Strasse zerstörte.

Heute ist Piano Provenzana wieder Ausgangspunkt für Touren von der Nordseite. Die errichteten Gebäude allerdings sind jetzt aus Holz und halbpermanent, können somit jederzeit abgebaut werden.

Erster Spaziergang auf den Lavahügeln


Der Hauptgipfel von der Nordseite. Das Bild, fotografiert immerhin von einem Nebenkrater, zeigt die riesigen Dimensionen des Bergmassivs nicht wirklich.

Obwohl wir bis auf etwa als 2200 ü.M. gingen war es sehr warm an diesem Tag. T-Shirt reichte zwar, aber eine Windjacke war trotzdem ab und zu nicht schlecht. Unerlässlich sind feste Wanderschuhe. Das Wetter kann, wie überall in den Bergen, blitzartig umschlagen und vor allem die schnell auftretenden Winde sind dann sehr gefährlich.


Auch wenn der Lavastrom der jüngsten Eruptionen am Etna nicht allzu dick gewesen ist, also relativ schnell abkühlt, reicht die Gewalt aus, um jegliche Vegetation für lange Zeit zu vernichten. Wir haben gesehen, dass riesige Bäume vom letzten Ausbruch Sommer 2007 keinerlei Brandspuren aufweisen, sondern einfach „entseelt“ umgefallen sind und noch heute da liegen. Ich habe vergessen, nach wie vielen Jahren sich die ersten sedumartigen niedrigen Gewächse ansiedeln, gefolgt vom Etna-Ginster und der Etna-Birke. Höchste vorkommende Tierart ist der Fuchs. Unser Führer Giuseppe hatte bei einer Trekkingtour am Vortag einen Adler gesichtet. Es gibt etliche Raubvogelarten, die sich unter anderem von den Etna-Hasen ernähren.


Über diesen kleinen roten Vertreter einer niederen Gattung wäre ich fast gestolpert. Marienkäfer werden vom Wind zum Berg getrieben und sterben dort häufig, weil sie keine Nahrung finden oder sie werden von Eidechsen gefressen, wie uns Giuseppe erklärte und so wieder Bestandteil der Nahrungskette.


Steht man als unwissender Tourist vor der breiten frischen Lavapiste hat man nicht den Eindruck, dass davon eine Gefahr ausgegangen sein könnte. Das schwarze Band sieht eher aus wie eine Skipiste, die im Sommer neu angelegt wird. Wir haben mehrere kleine Häuser gesehen, die bis zum Dach von der Lava überflutet wurden. Die letzten Eruptionen erfolgten nicht spontan, sondern kündigten sich durch Beben der Erde an und werden natürlich auch wissenschaftlich beobachtet, so dass die Menschen ihre bewegliche Habe meistens in Sicherheit bringen konnten. Erstaunlich ist es dennoch, wie eng besiedelt das Gebiet ist.

Anschliessend durften wir in eine sog. Lavatasche steigen, nicht ohne Helme und Taschenlampen versteht sich. Dabei handelte es sich um eine unterirdische Kammer, in der sich vor der Eruption Gas sammelt und aus der sich der Lavastrom dann ergiesst.

Der Einstieg

Nicht tief unter der Erde, aber eiskalt


Der Kamin, durch den die Lava an die Oberfläche katapultiert wurde, fotografiert aus dem Inneren der Höhle. Am Boden der Höhle liegt noch Schnee, der sich bis im Sommer halten soll. Früher holten die Aetna-Anwohner mit Eseln diesen griessigen Schnee, der wie Granità aussieht, und verwendeten ihn zur Kühlung von Lebensmitteln.

Nach so viel schrecklicher Natur und weil es schon spät war hatten wir schrecklichen Hunger und der fürsorgliche Giuseppe holte den Picknickkorb, ehe der Ausflug fortgesetzt wurde. Als ob er froh wäre, uns los zu werden, klärten sich die Wolken um den Gipfel dann doch noch auf und der Aetna schwenkte seine Rauchfahne zum Abschied. Ich schwöre, so war’s.

Wir kamen nicht weit. In einem der Dörfer am Nordhang fand ein sportliches Großereignis statt.

Auffällig war das eklige Grün des Rasens, und Giuseppe liess sich nur allzu gerne zum Anhalten überreden, denn er stammt aus der Gegend. Campionato Nazionale Dillettanti heisst die D-Liga, in der die Fussball-Amateure spielen und es ging, wenn ich es richtig verstanden habe, um den Erhalt oder Aufstieg in die 4. Klasse, also um etwas sehr Bedeutendes. Der Rasen war übrigens voll synthetisch. Und wir verliessen den Zaun natürlich nicht ohne Anfeuerungsrufe FORZA DILLETTANTI. Statt DILLETTANTI selbstverständlich den Namen des Clubs, den ich leider vergessen habe.

Zum Abschluss unseres Ausfluges besuchten wir die Gola d’Alcantara, eine Schlucht, die der Fluss gegraben hat und die sehr schöne Basaltformationen zeigt. Das Wasser ist superklar, aber eiskalt. Man kann dort allerhand im Wasser unternehmen. Ich hab’s mir gespart und mich auf einem warmen Felsen ausgeruht, nachdem wir ungefähr 200 Stufen hinabgestiegen waren, die auch wieder zurückgestiegen werden mussten. (Später erfuhr ich, dass es einen Aufzug gegeben hätte. Grrrr.)

Auf die Idee muss man erst mal kommen!

Es war ein schöner Tag mit fremden aber netten Leuten und eine rundweg lohnende Investition, auch wenn das Programm wegen der morgendlichen Verzögerungen nicht ganz so ausgedehnt war. So eine kleine Gruppe würde ich jederzeit den Massentransporten per Allradbus bzw. der Auffahrt mit der Seilbahn vorziehen.

Disclaimer: Nun hoffe ich doch sehr, keine dramatische vulkantechnische Fehler verbrochen zu haben. Meine Stärke ist nun mal mein ausgeprägtes Orientierungsvermögen und weniger die Geologie.

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4 Kommentare leave one →
  1. Olli permalink
    April 19, 2008 00:46

    lol

  2. April 19, 2008 10:42

    Heisst es nicht, man solle sein Licht nicht unter den Scheffel stellen? 😀

  3. Olli permalink
    April 19, 2008 17:25

    Ja,
    aber es heisst auch, man solle den Kopf nicht in den Sand stecken und trotzdem steckt der Loddar gerne den Sand in den Kopf. lol

  4. April 20, 2008 15:40

    Gut, dass der Loddar nicht mit war 😀

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