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Ein Tag in Catania

April 17, 2008

Schon bei der frühen Ankunft am Flughafen Fontanarossa ist nicht zu übersehen, wo hier die Musik spielt. Der Vulkan, das Bergmassiv, bestimmt das Leben der Region. Er ist aus vielen Kilometern Entfernung sichtbar, oft nur schemenhaft, weil in Wolken, aber immer präsent, von allen Seiten, wie ich in den nächsten Tagen feststellen sollte. So auch bei meiner Ankunft.

Man kann ja Vieles sagen über Italien, besser über Süditalien und speziell über Sizilien. Die urbanen Verkehrsnetze jedenfalls sind dicht (zumindest auf dem Papier, doch dazu ein andermal), aber vor allem sehr preisgünstig. Bezahlt man in Neapel beispielsweise 3 Euro für den Bus vom Flughafen in die Stadt (Alibus) so kostet es in Catania gerade mal 80 Centesimi, wobei die Linie 457 zwar ein Alibus ist, aber auch ein ganz normaler städtischer Linienbus und mit dem Biglietto kann man auch noch weiterfahren, so man will oder muss, denn es gilt 90 Minuten. Ich sollte an der Piazza dell‘ Universita in einen Bus umsteigen, der mich in meine Unterkunft bringen sollte. Die Piazza habe ich dann irgendwie verpennt und bin an der nächsten ausgestiegen, weil es da auch eine Menge Busse gab. Ich habe einen älteren Herrn um Rat gefragt, der mich (inzwischen la signora!) zum richtigen Bus begleitete und mir empfahl, dem Fahrer zu sagen, wo ich hinwolle, ehe er sich dann per Handschlag von der signora verabschiedete.

Ich sollte in den nächsten Tagen noch erfahren, wie schwer man sich in Catania zurechtfindet, denn die Beschilderungen sind sehr schlecht und mehr als einmal habe ich spätabends mein Hotel gesucht und erst nach langer Zeit gefunden. In der Tat war ich nicht die einzige Person, die der nette Busfahrer erinnerte, dass Zeit zum Aussteigen sei.

Ich hoffte, dass ich mein Gepäck wenigstens loswerden konnte, um dann die Stadt etwas zu erkunden, und siehe da – das Zimmer war frühmorgens schon bezugsbereit. Ich war hin und weg. Über Lage des Hotels in einem Wohngebiet weit entfernt von jeder Nahrungsaufnahmequelle war ich informiert und deshalb war ich nicht enttäuscht darüber. Mein Zimmer hatte Aetnablick, alles war blitzsauber, die Sonne schien – perfekt.

Es ging also mit dem Bus auf dem gleichen Weg zurück in die Stadt, die ganze lange Via etnea mit ihren mehr als siebenhundert Hausnummern entlang. Später habe ich dann, wenn ich mich mal wieder verfahren hatte, immer versucht, die Via etnea zu finden, denn nur von dort aus fand ich relativ sicher den Weg „nach Hause“. Allerdings standen mir des öfteren mein brillanter Orientierungssinn und die blöden Rondelle im Weg und mehr als einmal fand ich mich genau in entgegengesetzter Richtung als geplant. Irgendwann hätte ich das vielleicht auch noch geschnallt oder mir doch einen Stadtplan gekauft.

Da ich mich selbst schon länger kenne, stieg ich sicherheitshalber an der mir schon bekannten Piazza Stessicoro aus, um dort meinen Rundgang durch die Innenstadt zu beginnen.
Keine Überraschung, dass auch Catania ein römisches Theater mitten in der Stadt hat, zum Teil ausgegraben und gut erhalten.

Gleich um die Ecke ein Platz mit einer Franziskanerkirche und dem passenden Francesco auf einem Monument , alles renoviert und bestens in Schuss. Mein Reiseführer war der Meinung, an diesem Platz befände sich auch das Geburthaus von Catanias größtem Sohn, Vincenzo Bellini. In der Tat fand ich nach einigem Suchen eine Tafel, die eine Bruchbude als Bellinis Geburtshaus ausweist. Ein paar zwielichtige Gestalten beäugten argwöhnisch mein Treiben aus dem Inneren des Gebäudes.

Es gibt keinen Zweifel, dies ist ein Nationaldenkmal Italiens seit 1923 zu Ehren eines seiner größten Söhne

In Catania war nicht alles so krätzig. Das Gebäudeensemble um den Dom und der Piazza (autofrei) mit dem offiziellen Wahrzeichen der Stadt, einem Brunnen mit dem Elefanten aus Lavastein ist sehr ansehnlich.

Um dem ohrenbetäubenden Lärm und Gestank der Autos in der Stadtmitte zu entfliehen spazierte ich Richtung (vermutetem) Meer und traf auf das Teatro Bellini Vor dem Theater liegt ein schöner Platz, der zur Zeit anlässlich einer Kunstausstellung von vier modernen Plastiken begrenzt ist. (Zum Vergrössern anklicken) ( Please click to enlarge pictures )
Leider sind dort nachts Vandalen unterwegs, überwiegend alkoholisierte Jugendliche, so dass das Theater angesichts der bevorstehenden Freiluftsaison auf dem Platz heute eine Öffentlichkeitskampagne unter dem Motto Chi sporca il bello è senza cervello begonnen hat (wer das Schöne beschmutzt hat kein Hirn).

Irgendwo dort unten muss es sein, das Meer.

Ich hatte keine Lust mehr, war halbtaub vom Lärm, müde von der Hitze und vom ungewohnt frühen Aufstehen und hoffte, dass ich an der richtigen Haltestelle dem Bus klingeln würde, denn nochmal wollte ich den Fahrer nicht bitten.
Nach fünfzehn Stunden wachte ich übrigens erst wieder auf, einigermaßen im Reinen mit mir, Catania und der Hitze. Und bereit, auch auf den Aetna zu gehen, wenn es denn schon sein musste.

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One Comment leave one →
  1. Olli permalink
    April 17, 2008 15:12

    Ich liebe Deine Reiseberichte und
    Dein Orientierungssinn ist schon legendär. lol

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