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Non si suona – Zu Besuch in Noto

April 16, 2008
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Ein Besuch im Val di Noto, dem Zentrum barocker sizilianischer Baukunst, gehört zu den Pflichtausflügen im südöstlichen Sizilien, wenn man den Reiseführern glauben darf. Ganz und gar nicht unglücklich, die abgasverpesteten, lärmenden Strassen Catanias hinter mir zu lassen, machte ich mich auf den Weg Richtung Süden und fand mich bereits nach wenigen Kilometern wieder im ländlichen Sizilien. Langsam verblühende Mimosensträucher und langsam erblühender Riesen-Ginster über blauen Winden, Kapuzinerkresse und Wildblumen am Strassenrand. Das Meer linker Hand ganz nahe, aber fast immer verborgen, als wolle man sich vormachen, es sei nicht vorhanden. Auch im Stadtbereich Catania ist das Meer nur mit Mühe zu sehen. Man verbaute die Sicht, entweder mit dem Bahnhof, den man quer davorsetzte oder mit der Hafenverwaltung oder mit einem riesigen Viadukt bei der Piazza Borsellino.

Eher aus Versehen bog ich vor der Stadt Noto einmal falsch ab und fand mich auf einer idyllischen Strasse, die durch zerklüftetes Hügelland mit einer faszinierenden Vegetation führte. Alleine der Geruch und die Stille, die nur vom Rascheln der Zweige und durch Vögel unterbrochen wurde, dazu der warme Scirocco, verleitet dazu, sich hinzusetzen und nicht weiterzufahren. Ich war auf dem Weg nach Noto Antico, das etwa fünfzehn Kilometer hinter der jetzigen Stadt Noto liegt. Die Bewohner hatten den alten Ort nicht wieder aufgebaut, als er 1693 durch ein Erdbeben zerstört wurde wie so vieles in diesem Teil Siziliens.

Das heutige Noto entstand an einem Hang und besitzt eine gewisse architektonische Symetrie. Die historischen Gebäude, keines älter als 300 Jahre, befinden sich zwischen zwei horizontal übereinanderliegenden Strassen und sind durch Vertikalen verbunden. Die Pflasterung ist ein Verbund aus Lavasteinplatten für die Fahrspuren, dekorativ aufgefüllt mir grossen Kieseln. Baumaterial der Kirchen und Paläste ist Kalkstein der Gegend, die Farbgebung ockergelb in vielen Abstufungen.

Die historischen Gebäude und auch die Kirchen sind frei und kostenlos zugänglich, dank des Engagements der UN vermutlich, die mehrere Orte im Val di Noto (Modica und Ragusa) als Welt-Kulturerbe klassifiziert hat. Überall wird emsig restauriert.
Dennoch ist eine vorsaisonale Gelassenheit auf den verkehrsberuhigten, aber nicht ganz autofreien Strassen zu spüren. Die Menschen geniessen ihre Mittagspause in der milden Frühlingsonne, diskutieren in Gruppen vor den Bars den vermutlichen Wahlausgang (in Sizilien werden an diesem Montag neben Senat und Parlament der Republik Italien auch die Landes- und Kommunalabgeordneten gewählt). Der Beamte der Polizia Comunale, der vor dem Rathaus Dienst tut, hat Zeit, die Mutter eines aufgefundenen kleinen Mädchens zu suchen. Ein Auto hupt. Der Fahrer will Richtung oberer Hauptstrasse und fühlt sich durch schlendernde Fussgänger aufgehalten. „Non si suona“, sagt einer der Angehupten zum Fahrer, „In Noto hupt man nicht“.


Der Dom von Noto, dessen Kuppel vor ein paar Jahren Aufsehen erregend einstürzte, wurde inzwischen wieder instandgesetzt. Der Innenraum ist vornehm cremefarben dekoriert.

Am Theater der Stadt Noto darf noch gearbeitet werden während die gegenüberliegende Kirche schon ganz ordentlich aussieht

Die Treppen von Noto sind nichts für Fußkranke

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